Der Roggen und der Hafer sind gemäht, die ersten Furchen auf dem Acker gezogen: Die heimatverbundenen Mitglieder der Dährer Karnevalsgesellschaft haben gestern im Freilichtmuseum Diesdorf gezeigt, wie aufwändig die Getreideernte zu Urgroßmutters Zeiten ablief.

Diesdorf l "Das ist eine schweißtreibende Angelegenheit heute, die Pause haben sie sich redlich verdient", sagte gestern Frank Jürgen Elfert, Chef der heimatverbundenen Mitglieder der Dährer Karnevalsgesellschaft. Im Schatten des Kossatenhauses, unweit der Roggen- und Haferfelder im Diesdorfer Freilichtmuseum, hatten es sich die Erntehelfer rund um ein großes Laken auf dem Boden bequem gemacht. So wie es üblich war, als das Getreide noch mit der Sense gemäht und zu Garben zusammengebunden wurde. Aufgetischt waren im stilechten Ambiente Deftiges, wie Wurst, Schinken und Käse. Wer es süß mochte, bestrich sein Brot mit Pflaumenmus.

Nur wenig später gingen Jung und Alt wieder an die Arbeit. Mit der Sense oder historischer Technik wie Handableger und einem Nachkriegsmähbinder wurden Hafer und Roggen geerntet. Das Binden der Garben und das Aufstellen zu Stiegen waren bei Temperaturen von 34 Grad Celsius im Schatten Schwerstarbeit. Und trotzdem ging es fröhlich zu. Die letzte Garbe wurde stehen gelassen, die Musiker von Scheres Crew begaben sich aufs Feld. Zu ihrer Musik tanzten die Erntehelfer um die letzten Roggenhalme, während diese mit der Sense gemäht wurden. So war es Brauch.

Die Garben werden in den kommenden Tagen eingelagert und im Herbst beim Erntefest mit der alten Dreschmaschine oder von Hand mit Dreschflegeln gedroschen, wie Klaus Merda berichtete. Er erläuterte dem Publikum die Abläufe und stellte die historischen Fahrzeuge und Maschinen vor. "Wir wollen dieses für die Altmark typische Brauchtum bewahren und die Traditionen auch zeigen", sagte Museumsleiter Friedhelm Heinecke.

Auch wenn, vermutlich wegen der großen Hitze, nicht ganz so viele Besucher zum Schaumähen gekommen waren, hatten einige eine weite Anfahrt auf sich genommen, um dabei zu sein. So waren Gäste aus Berlin, Braunschweig oder Ilsenburg angereist. Dieter und Silvia Kusian aus Köckte haben schon öfter das Vergodendel, das mit einem Gottesdienst endete, im Museum miterlebt. "Mir gefällt einfach, mit welcher Ruhe und Gelassenheit damals geerntet wurde, immer Stück für Stück", sagte Dieter Kusian.

Auf der Bühne gab es unterdessen Musik, und später erfreute das Plattdeutsche Theater Wendland mit Sketchen und Geschichten sein Publikum.

   

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