Schicksale aus Diesdorf und der Region sollen die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg wach halten. Das ist das Ziel einer Ausstellung, die die Mitglieder des Heimatvereins Diesdorf gerade vorbereiten.

Diesdorf l "Geschichte ist am besten erlebbar, wenn man sie auf die eigene Region herunterbricht. Da lassen sich durch Namen Parallelen in die heutige Zeit finden", sagt Heinz-Günter Klaas. Das Mitglied des Diesdorfer Heimatvereins hatte die Idee für die besondere Ausstellung. Schließlich begann vor 100 Jahren der Erste Weltkrieg.

Er brachte nicht nur selbst gesammelte Feldpostkarten mit ein, sondern freute sich auch darüber, dass mittlerweile 25 Leihgeber ihre Erinnerungen an jene Zeit zur Verfügung gestellt haben.

Derzeit wird in der Alten Darre fleißig daran gearbeitet, das Zusammengetragene zum Anschauen vorzubereiten. Die großen Überschriften hat Dietrich Bode aus Abbendorf gestaltet. "Wir haben unterschiedliche Themen gewählt. So wird es eine Schautafel zur Vorbereitung auf das ,lustige Reservistenleben` geben, wie es damals hieß", macht Heinz-Günter Klaas neugierig. Eine weitere Tafel beschäftige sich mit dem Kriegsbeginn und dem Einberufungsbefehl. Dargestellt werde zudem der Kriegsverlauf, die Propaganda und die Realität. Die Diesdorfer seien euphorisch über jeden Kriegserfolg gewesen: Der Pfarrer hatte angeordnet, dass dann die Glocken geläutet werden.

"Ich beschäftige mich derzeit mit einem Einzelschicksal", erzählte Heinz-Günter Klaas. Dabei gehe es um den Bauern Otto Kersten aus der Achterstraße. Von ihm sind Briefe erhalten, die er an seine Verlobte und spätere Frau Marie Bock geschrieben habe. "Die beiden haben am 5. April 1915 geheiratet. Am 8. Oktober 1915 ist er bei Loos an der Westfront gefallen", berichtete er. Da damals Schönschreiben ein Hauptfach in der Schule gewesen sei, habe er das Geschriebene gut lesen können. "Als ich mich mit den Briefen beschäftigt habe, kam ich mir vor, als wenn ich mich in eine Zeitmaschine setze und eben mal 100 Jahre zurückreise. Es wurde alles so lebendig", gestand der Diesdorfer.

Die meisten Feldpostkarten seien im gleichen Wortlaut geschrieben. Dies habe wohl an den Vorschriften gelegen, mutmaßte er. "Nur auf einigen wenigen Karten gibt es eine richtige Schilderung des Geschehens jener Zeit. Diese sind besonders wertvoll", so Heinz-Günter Klaas.

Der Diesdorfer ist dem Salzwedeler Stadtarchivar Steffen Langusch sehr dankbar, der ihm die Möglichkeit gab, Todesanzeigen in den Zeitungen von einst zu finden. "Und er hat mich erst darauf gebracht, dass der Diesdorfer Fußballklub erst im Jahr 1919 eine Sammelanzeige für die Gefallenen aufgegeben hatte", berichtete er.

Die Heimatvereins-Vorsitzende Ingelore Fischer ist erschüttert darüber, wie im Ersten Weltkrieg die Kinder für Propagandazwecke missbraucht worden seien. Gudrun Rau, die ebenfalls die Ausstellung mit aufbaut, sagte: "Es ist kaum nachvollziehbar, wie vaterlandstreu die Leute damals waren."

Die Ausstellung in der Alten Darre wird am kommenden Freitag, 1. August, um 18Uhr eröffnet. Dann können die Besucher sich das Gezeigte intensiv anschauen. Wer diesen Termin nicht wahrnehmen kann, hat am Sonnabend und Sonntag, 2. und 3. August, jeweils ab 14 Uhr die Chance zu einer Reise in die Vergangenheit.