In diesem Jahr endet die Förderung für das ego-Pilotennetzwerk. Volker Lahmann, ego-Pilot im Altmarkkreis Salzwedel, zieht im Gespräch mit der Volksstimme Bilanz.

Salzwedel l Der Name war Programm. Eine Existenzgründeroffensive, kurz ego, sollte vor etwa zehn Jahren gestartet werden. Seitdem begleiten ego-Piloten die potenziellen Gründer auf ihrem Weg bis zur Selbstständigkeit. Zum Stichtag 1. September 2005 nahm der gebürtige Kortenbecker Volker Lahmann als damals landesweit elfter ego-Pilot im Altmarkkreis seine Arbeit auf.

Seine persönliche Statistik kann sich sehen lassen. In knapp neun Jahren hat Volker Lahmann 1531 Beratungskunden begleitet, nicht wenige von ihnen mehrfach. Davon haben sich etwa 595 im Haupterwerb selbstständig gemacht, etwa zehn Prozent von ihnen mehr als einmal. Dazu kommen zahlreiche Männer und Frauen, die ihr kleines Unternehmen im Nebenerwerb betreiben.

"Es geht um die Frage, wo sie hinwollen."

Die Idee der Existenzgründerinitiative und ihrer Piloten, die die Gründungswilligen möglichst vor der Bruchlandung bewahren sollen, komme nicht von ungefähr, so Volker Lahmann. "Deutschland ist in Europa das Schlusslicht bei den Existenzgründungen und Sachsen-Anhalt wiederum in Deutschland."

Volker Lahmann erinnert sich noch genau an die Stellenanzeige für den Job des ego-Piloten. Ein abgeschlossenes Hochschulstudium wurde erwartet, Erfahrungen in einer selbstständigen Tätigkeit ebenso wie mit Arbeitslosigkeit. Volker Lahmann, studierter Stadtplaner, konnte alles vorweisen.

In den zurückliegenden Jahren hat er vor allem eine Erfahrung verinnerlicht: Die Beratung Gründungswilliger ist auch Lebensplanung. "Es geht für die Menschen um die Frage, wo sie hinwollen. Soll ihr eigenes Unternehmen wachsen, so dass sie eines Tages Mitarbeiter einstellen, oder wollen sie sich eher selbst entfalten und dabei ein Einkommen für sich haben."

Seit 2005 hat Volker Lahmann Ratsuchende nahezu jeden Alters beraten. Jugendliche, die gerade ihre Ausbildung abgeschlossen haben ebenso wie Menschen, die wenige Jahre vor der Rente arbeitslos werden und die Zeit bis zu diesem Termin überbrücken wollen. "Jugendlichen empfehle ich meist, erst einmal berufliche Erfahrungen zu sammeln. Menschen kurz vor der Rente sind meist sehr geschickte Handwerker, die vor allem ihre Sozialversicherung bezahlen wollen."

Viele von Volker Lahmanns Kunden gründen ein Kleinunternehmen. Firmen, die auch im Handelsregister eingetragen werden, entstehen eher selten. In jüngster Zeit kommen auch Firmeninhaber zu Volker Lahmann, die weder in ihrer eigenen Familie noch unter ihren Mitarbeitern einen Nachfolger finden. "Es ist in mehreren Fällen auch schon gelungen, das Problem zu lösen."

Männer sind unter den bei Volker Lahmann Ratsuchenden derzeit noch in der Überzahl. Dennoch sind unter den Gründungswilligen auch zunehmend Frauen, so dass das prozentuale Verhältnis sich immer mehr die Waage hält. Aber wenn es ernst wird, seien Männer dann doch konsequenter, hat Volker Lahmann festgestellt. "Frauen kalkulieren wohl eher die Möglichkeit des Scheiterns ein und haben ein höheres Sicherheitsbedürfnis", sucht er nach einer Erklärung. Dabei gebe es durchaus auch risikobereite Frauen und eher zurückhaltende Männer, fügt Volker Lahmann hinzu.

Dass manche Gründer ihr Unternehmen wieder aufgeben, bedeute jedoch nicht automatisch ein Scheitern, fügt der ego-Pilot hinzu. Mitunter ändere sich die familiäre Situation. Es ergebe sich eine Festanstellung, so dass die kleine Firma statt im Haupt- dann im Nebenerwerb betrieben werde.

Auch wenn der Aufbau des eigenen Unternehmens nicht wie geplant verläuft, habe der einstige Gründer auf dem Arbeitsmarkt wieder bessere Chancen, wenn er sich dort nach einer Festanstellung umsehe. "Der Aufbau eines eigenen Unternehmens spricht schließlich für eine gewisse Tatkraft", so der ego-Pilot.

Der Branchenmix der Existenzgründer ist vielfältig. In diesem Jahr begleitete Volker Lahmann bislang die Gründung eines Feinkostgeschäftes ebenso wie einen Abschlepp- und Pannendienst oder einen Höhenarbeiter. Pläne anderer Ratsuchender betrafen unter anderem die Herstellung von Naturschmuck, Pferde-Osteopathie, hausnahe Dienstleistungen, Online-Handel und eine Jagdschule.

Einmal monatlich wird innerhalb des ego-Pilotennetzwerkes ein Gründer des Monats gewählt. Nicht selten waren es Schützlinge von Volker Lahmann. Eine Übersetzerin war unter anderem dabei, die Inhaberin eines Kleidergeschäftes, ein Hersteller von Kindermöbeln und ein Buchhändler.

"Altmark und Wendland sind gute Plätze."

Keine Gründung ist wie die andere, hat Volker Lahmann erfahren. Im Allgemeinen dauert es vom ersten Gespräch bis zum Firmenstart etwa ein halbes Jahr. Wenn Fristen für die Gewährung von Zuschüssen beachtet werden müssen, nimmt das junge Unternehmen mitunter schon nach einem Monat seine Arbeit auf.

Die Existenzgründungen von Künstlern sind für Volker Lahmann besonders spannend. "Die Altmark und das Wendland sind für Künstler gute Plätze. Sie suchen Regionen, wo sie günstig und möglichst autark leben können."

Der Umgang mit Menschen, die einen neuen Lebensabschnitt beginnen wollen, ist für Volker Lahmann das Besondere an seiner Tätigkeit als ego-Pilot. "Die Firmengründungen, die sich nicht ganz so einfach gestalten, die machen besonders Spaß."

Die Tätigkeiten der ego-Piloten wurden bislang zu 60 Prozent aus dem Europäischen Sozialfonds, zu 30 Prozent durch das Land und zu 10 Prozent durch den Altmarkkreis finanziert. Gespräche, ob der Kreis die Tätigkeit des ego-Piloten allein ermöglichen kann, habe es bereits gegeben, so Volker Lahmann.