Ein beeindruckendes Erlebnis war am Freitagabend die gut besuchte Ausstellungseröffnung in der Alten Diesdorfer Darre. Unzählige Exponate ermöglichen es den Besuchern, die Situation der Menschen in der Region im Ersten Weltkrieg nachzuvollziehen.

Diesdorf l "... Kein Tag und keine Stunde vergeht, wo nicht meine Gedanken bei Dir sind ...", schrieb Otto Kersten von der Front des Ersten Weltkrieges an seine Verlobte und spätere Frau Marie Bock. Dem Diesdorfer ist in der Ausstellung "Der Erste Weltkrieg - Gedenken und Mahnung - Schicksale aus Diesdorf" in der Alten Darre eine ganze Tafel gewidmet. Der anrührende Briefwechsel der beiden und viele weitere Ausstellungsstücke wie Feldpostkarten ermöglichen den Besuchern zu erahnen, welches Leid der Krieg über die Menschen gebracht hatte.

Noch zwei Stunden vor der Eröffnung hatten die Organisatoren vom Diesdorfer Heimatverein Leihgaben erhalten, wie Ingelore Fischer, die in die Ausstellung einführte, berichtete. Oft enthielten die Postkarten nur Familienbezüge. Ingelore Fischer: "Und doch war es immer die Botschaft `Ich lebe noch`. Auch stand dort immer die stumme Frage: `Habe ich Euch noch? Geht es Euch gut?" Weiterhin sei eine Vielzahl von Todesanzeigen eingegangen.

Auch zeitgenössisches satirisches Material ist zu sehen. "Wir haben die Gegensätze von Propaganda und Wirklichkeit bewusst auf eine Tafel gesetzt und wollen damit diese Ausstellung als Zeichen gegen Krieg und Kriegspropaganda verstanden wissen", betonte die Laudatorin. Zeitungsanzeigen aus jener Zeit dokumentieren, dass das Leben in der Heimat weiterging. "Eigentlich ging es den Menschen hier in der Region zu Beginn des Ersten Weltkrieges recht gut", berichtete Fischer.

Heidrun Haidberg erkannten auf den Fotos sogar ihren Großvater wieder. Anton Heinrich Edmund Schulz musste aus gesundheitlichen Gründen nur relativ kurz von 1917 bis 1918 in den Krieg und diente in einem Fußartillerie-Regiment. Ab 1903 war er Lehrer in Diesdorf. Auch Hartmut Bock aus Jübar hatte sofort eine persönliche Beziehung zu den Exponaten. Auf der Tafel, die die Propaganda zu jener Zeit dokumentiert, ist ein kleiner Junge in Uniform abgebildet. "So ein Bild habe ich von meinem Vater auch", berichtete der Jübarer. Vielen der überwiegend älteren Besucher ging es ähnlich. Es gab so manches angeregte Gespräch an den Tafeln.

Neben Dokumenten und Bildern gibt es auch Gegenständliches wie Ausrüstung der Soldaten, Eiserne Kreuze und Alltagsgegenstände zu sehen.

Gedankt wurde zur Eröffnung den vielen Helfern, die an der Ausstellung beteiligt waren, insbesondere Heinz-Günter Klaas, der federführend mitgewirkt hat. Am Wochenende war die Schau weiteren Besuchern zugänglich. Bis zum 14. September kann sie besichtigt werden, in Begleitung und nach Vereinbarung mit Heinz-Günter Klaas, Telefon 03902/60330.

   

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