Die Erforschung des Salzstocks bei Gorleben als Atom-Endlagerplatz ist vorerst eingestellt. Was aus dem Mitarbeitern wird, steht noch nicht fest.

Gorleben l Das Erkundungsbergwerk Gorleben soll zu Beginn des kommenden Jahres geräumt werden (Volksstimme berichtete). Seit 22 Jahren wird in dem Salzbergwerk im Nachbarlandkreis Lüchow-Dannenberg geforscht, der Begriff "Gorleben ist überall" steht mittlerweile synonym für die Gefahren und den Kampf gegen Atomkraft. Nun also soll die große unterirdische Werkstatt aufgelöst werden. Sämtliche extra für den Schacht entwickelten Bohrgeräte sollen zerlegt und zurück an die Oberfläche gebracht werden.

Lediglich Schacht 1 und 2 und ein Verbindungsgang sollen offengehalten werden, aus rechtlichen Gründen. Dafür sind rund zwei Jahre eingeplant, in denen die verbliebenen 120 Beschäftigten mit dem Rückbau der Anlage beschäftigt sein werden. Was aus den heute noch beschäftigten Bergleuten und Wissenschaftlern wird, ist unklar. Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth glaubt an eine sozialverträgliche Abwicklung der Arbeitsplätze. Betriebsratsvorsitzender Peter Ward sieht hier den Staat in der Pflicht, denn der habe schließlich den Abbruch des Projekts Gorleben beschlossen. Ward hätte gern ein reines Forschungsbergwerk aus Gorleben gemacht, denn "noch nie ist ein Salzstock so akribisch erforscht worden". Der Beschluss, in Gorleben ein mögliches Endlager für hochstrahlenden Müll einzurichten, wurde 1979 gefasst. Die viel kritisierte Salzformation ist nun durch die neue Endlagersuche infrage gestellt. Allerdings geht die teilweise Schließung des Bergwerkes einigen Kritikern nicht weit genug.

Standort behält Vorsprung

So hat die Bundesregierung darauf verzichtet, die Schächte mit Salz zu verfüllen, wie Atomkraftgegner es gefordert hatten. Zu dieser Entscheidung, das Bergwerk in Gorleben nicht zu verfüllen, erklärt Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-Organisation ausgestrahlt: "Für diejenigen, die weiter auf Gorleben setzen, war dies ein guter Tag. Denn mit der Entscheidung des Bundes ist klar, dass es auch künftig keinen fairen Vergleich von Standorten geben wird."

Gorleben behalte seinen Vorsprung gegenüber alternativen Standorten. Weil die wesentlichen Bestandteile des Bergwerks erhalten blieben, würden bei zukünftigen Vergleichen mit anderen Salzstöcken immer auch die in Gorleben bereits geschaffenen Fakten eine Rolle spielen und nicht alleine die Frage, welches ein geeigneter Ort für die möglichst sichere Lagerung von Atommüll ist, sagt Stay. Nur die unbedeutenden Teile des Bergwerks sollen zukünftig nicht mehr instandgehalten werden. Verfüllt wird nichts. Schächte und Infrastrukturbereiche bleiben erhalten. Möglich gewesen wäre viel mehr. Das Bundesamt für Strahlenschutz hatte der Bundesregierung 14 Szenarien vorgeschlagen, wovon eines auch die vollständige Verfüllung des Bergwerks vorsah. Dieser auch aus Sicht des Betreibers gangbare Weg wurde von Bund und Land nicht eingeschlagen. Somit bleibt Gorleben der Fleck auf der angeblich "weißen Landkarte in Sachen Atommüll-Lagerung", meint Jochen Stay.

Am Freitag war Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel zu Besuch beim Atomausschuss des Landkreises, um den Abgeordneten die Gelegenheit zu geben, ihre unzähligen Fragen mit ihm direkt zu diskutieren. Die brennendste Frage auf der Seite von SOLI, UWG und Grünen: Was tut Wenzel, um "Gorleben zu verhindern"?

Der Minister fasste zusammen: Niedersachsen ist dabei, den Prozess "so wissenschaftlich aufzusetzen, dass am Ende gesagt werden kann, was wissenschaftlich verantwortbar ist"; das Planfeststellungsverfahren aus dem Jahre 1977, mit dem die konkrete Einlagerung von Atommüll verwaltungsrechtlich zementiert werden sollte, soll nach dem Willen des Ministers beendet werden. Nicht zuletzt verwies der Minister auf einige Erfolge, die seit Regierungsantritt in Niedersachsen gelungen seien: "Wir haben uns die Zuständigkeit des Landes erhalten, die Castortransporte sind weg und der Rahmenbetriebsplan nicht mehr gültig."

Für die CDU sind Wenzels Versuche, "Gorleben zu verhindern", ein Affront gegen die Region. Wenzel soll dabei helfen, die 150 Arbeitsplätze in Gorleben zu erhalten, so die Landtagsabgeordnete Karin Bertholdes-Sandrock. Für sie ist der Stillstand in Gorleben ein immenser Schaden für die Region. Wenigstens solle der Standort für das Bundesamt für kerntechnische Entsorgung in die Region kommen, forderte Bertholdes-Sandrock. Ein Vorschlag, der bei rund einem Dutzend Bergleuten aus dem Salzstock Zustimmung auslöste. Peter Ward sprach im Ausschuss gar von einem "volkswirtschaftlichen Skandal", dass Umweltminister Wenzel vier Milliarden Euro ausgegebene Steuergelder "in die Tonne tritt". Jahrzehntelang geschaffenes Know-How ginge somit verloren.

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