Bahnkunden müssen mit erheblichen Einschränkungen des Zugverkehrs zwischen Salzwedel und Stendal rechnen. Die Nahverkehrsgesellschaft Sachsen-Anhalt (NASA) erwägt, ab dem kommenden Jahr die Regionalbahnen in diesem Abschnitt komplett einzustellen. Hintergrund sind Sparpläne des Landes.

Salzwedel/Stendal l Noch fahren sie etwa alle zwei Stunden zwischen den beiden größten Städten der Altmark, die Regionalbahnen. Auf einen Haltepunkt in Meßdorf müssen die Bahnkunden künftig bereits verzichten. Werden die Vorstellungen umgesetzt, die derzeit bei der NASA im Gespräch sind, verlieren auch die Bahnhöfe in Brunau-Packebusch, Pretzier, Kläden und Steinfeld ab 2015 ihre Existenzberechtigung. Wenn die in den Haushaltsplanungen des Landes für 2015/2016 vorgesehene Kürzung für den Schienenpersonenverkehr in Höhe von 31 Millionen Euro realisiert werden, würde das das Aus für die Regionalbahnen zwischen Salzwedel und Stendal bedeuten, erklärt Wolfgang Ball, Pressesprecher der NASA, die als Tochtergesellschaft des Landes die Eisenbahnleistungen organisiert.

"Es ist dann aber nicht so, dass dort gar kein Zug mehr fährt."

Wolfgang Ball, Sprecher der NASA

Der Gesellschaft bleibe nichts anderes übrig, als bestimmte Leistungen infrage zu stellen. Und die Regionalbahnen auf diesem Streckenabschnitt würden vergleichsweise wenig genutzt. "Es ist dann aber nicht so, dass dort gar kein Zug mehr fährt. Der Regionalexpress bleibt erhalten", betonte Ball. Der stoppt allerdings nur in Fleetmark, sei aber stärker frequentiert als die tagsüber im Zwei-Stunden-Takt fahren Regionalbahnen. Diesen Rhythmus aufzubrechen und vielleicht morgens und abends noch Regionalverbindungen anzubieten, bringe nicht viel, ist sich Ball sicher. Das hätten Erfahrungen auf anderen Strecken ergeben.

Das Ganze stehe unter dem Vorbehalt, dass es tatsächlich die besagten 31 Millionen Euro weniger für die Personenbeförderung per Schiene gebe. Noch sei nichts spruchreif und alles nur ein Gedankenspiel.

"Noch ist es nicht so weit und wir versuchen das Ganze abzuwenden."

Wolfgang Ball, Sprecher der NASA

Das Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr verwies bei der Frage nach dem Warum und Wie ebenfalls auf den NASA-Sprecher, der einräumt, dass der Wegfall der Regionalbahnen "einen zu bedauernden Einschnitt" bedeuten würde. Ball: "Noch ist es nicht so weit und wir versuchen das Ganze abzuwenden." Sollte es doch dazu kommen, werde in Zusammenarbeit mit Altmarkkreis ein vergleichbarer Busverkehr eingerichtet. Über den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) würden "Regionalbusse dort eingesetzt, wo die Eisenbahnleistungen wegfallen", erklärt Ball und sieht für die Bahnkunden sogar Vorteile. Die Busse fahren in die Dörfer zu den Bushaltestellen, seien daher flexibler als die an die Schiene gebundenen Bahnen.

Salzwedels Landrat Michael Ziche war gestern ob der Tragweite der Sparpläne schockiert. "Alle Regionalbahnen streichen, das geht gar nicht", sagte er im Gespräch mit der Volksstimme. Er habe gestern bereits mit Ministerpräsident Reiner Haseloff darüber gesprochen, wie bedeutend gute Verkehrsanbindungen in einer dünnbesiedelten Region wie der Altmark sind. "Mobilität ist hier überlebenswichtig", machte er klar. Gerade die Anbindung nach Stendal und Salzwedel, um überregionale Züge in die Ballungszentren zu erreichen, sei enorm wichtig. Das Einrichten äquivalenter Busverbindungen sieht er kritisch. "Wir haben momentan eine Struktur mit Bus und Bahn erreicht, die gut funktioniert und wollen keine Einschränkungen zulassen", betont Ziche.

"Da geht das Geld doch nur von einem Topf in den anderen."

Michael Ziche, Landrat

Auch wenn der NASA-Sprecher versichert, dass die zusätzlichen Leistungen im ÖPNV mit Bussen vom Land finanziert werden, mag der Landrat nicht daran glauben. Er rechnet damit, dass zumindest ein Teil der Kosten "am Kreis hängen bleibt". Das hätten die Erfahrungen mit den landesbedeutsamen Linien beispielsweise zwischen Salzwedel und Wittenberge gezeigt, deren Kosten nicht komplett vom Land übernommen werden. Und der Landrat fragt sich: "Wie soll denn gespart werden, wenn statt der Bahnverbindungen Busse eingesetzt werden, da geht das Geld doch nur von einem Topf in den anderen." Auf jeden Fall hofft er, dass diese Pläne in der Schublade bleiben.