Salzwedel. Bunte, verfilzte Haare, verschlissene Klamotten, bemalte Lederjacken, Piercings, Schnürstiefel – ja, es gibt sie noch. Die Punks sind in Salzwedel nicht tot. Am Wochenende hatten sie sich alle im Hanseat getroffen. Jeder Besucher, der nicht der Szene angehörte, hatte wohl das Recht, sich bei dem großen Haufen von Verehrern einer längst begraben geglaubten Jugendkultur verwundert die Augen zu reiben.

Angekündigt hatten sich die "Caféspione". Die Band aus Erfurt ehrte mit diesem Konzert "Schleimkeim", eine bekannte Punkgruppe aus der DDR, von der sie viele Coversongs angekündigt hatten. Zur Einstimmung an längst vergangene Tage zeigte das Hanseat zwei Dokumentarfilme.

Im Streifen "Mainz bleibt meins" ging es um die Besetzung der Mainzer Straße in Berlin-Friedrichshain 1990. Die Hausbesetzer sollten jedoch schnell vertrieben werden, damit die sanierungsbedürftigen Häuser Plattenbauten weichen konnten. Der Konflikt eskalierte schnell, ein tagelanger Straßenkampf zwischen Hausbewohner sowie Sympathisanten und Polizei folgte. Es war einer der massivsten Polizeieinsätze der Nachkriegszeit in Berlin. Zwar wurden die Häuser letztendlich doch geräumt, aber es floss dann auch Geld in die Sanierung.

Der zweite Dokumentarfilm handelte von der Band "Feeling B", in der auch einige Mitglieder der heutigen Band "Rammstein" aktiv waren. Da die Gruppe politisch unerwünscht war, war sie eher ein Geheimtipp und ein Held der Untergrundszene.

Nachdem der Abend cineastisch besiegelt war, gab es noch Livemusik. "Gestern waren wir in Rathenow, doch dagegen ist Salzwedel die Punkhauptstadt!" sagte der Frontmann der "Caféspione". Sichtbar durch Bier angeheitert führte er durch den Abend.

Mit relativ simpel gestricktem Punkrock schaffte es das Trio doch, das Publikum schnell auf seine Seite zu ziehen. Die Stimmung war famos, die Leute im Saal tanzten ausgelassen und gesellten sich auch oft zu der Band auf die Bühne. "Als wir hierherkamen, war schon alles hochgeklappt. Doch der erste verschlafene Eindruck hat getäuscht", war das Fazit vom Frontmann.