Die Mitglieder der Kreisseniorenvertretung haben sehr feine Antennen für Dinge, die nicht im Interesse der älteren Bürger laufen, für Entscheidungen, die diese Interessen offenkundig nicht genügend berücksichtigen. Ein solch wunder Punkt ist der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) im Landkreis Stendal. Durch ihn fühlen sich die älteren Bürger im derzeitigen, neuen System benachteiligt und – da zuvor funktionierende Konzepte über Bord geworfen wurden – wie in einer Sackgasse abgestellt.

Stendal. Es sei ja ganz gut, wenn der Schülerverkehr mittlerweile funktioniere. Doch bei allem Bemühen um die sichere, pünktliche und reibungslose Beförderung der Kinder, könne es nicht angehen, dass die älteren Bürger schlicht weg vergessen würden. Diesen Eindruck gewann die Jederitzer Ortsbürgermeisterin Beatrix Gross in den vergangenen Wochen.

95 Prozent der Jederitzer seien Senioren und viele von ihnen auf funktionierende Busverbindungen angewiesen. "Da muss was getan werden", forderte Beatrix Gross mehr Engagement auch seitens der Kreisseniorenvertretung auf deren Sitzung in der vergangenen Woche. Deren Vorsitzender Dr. Manfred Kessel hatte bereits mit dem zuständigen Mitarbeiter der Kreisverwaltung gesprochen und ihn auf dieses sensible Thema hingewiesen. "Er kümmert sich darum, wurde mir versichert." Doch augenscheinlich fand die Tatsache, dass vor allem die älternen Bürger in den ländlichen Regionen ohne funktionierende Busverbindungen enorm beeinträchtigt sind, noch nicht das nötige Gehör.

"Funktionierende Rufbusse wären eine erste Hilfe"

Beatrix Gross: "Eine erste Hilfe wäre ja schon, wenn das Rufbussystem funktionieren würde. Aber entweder ist dieser Telefonanschluss besetzt, oder es geht niemand ran", ist ihre Erfahrung. "Wie soll eine Rentnerin, die auf den Bus angewiesen ist, dann zum Beispiel zu ihrem Arzttermin in die Stadt kommen", fragt sie und resümiert: "Auf diese Art werden die Alten aufs Abstellgleis geschoben. Wir sollten uns aber nicht aufs Abstellgleis schieben lassen."

Marianne Heine aus Stendal sprach von ähnlichen Problemen, die es zum Beipsiel im Busverkehr zwischen Röxe und Stendal gebe. Und noch etwas fiel der stellvertretenden Vorsitzenden der Kreisseniorenvertretung auf: "Die Fahrpläne sind so klein geschrieben, dass man sie als älterer Fahrgast an der Haltestelle kaum noch lesen kann."

Die Senioren verstehen nicht, warum sie mit derartigen Verschlechterungen leben sollen. "Wir müssen wenigstens wieder das erreichen, was wir vor der Umstellung des ÖPNV hatten", forderte Kreisvorstandsmitglied Rosel Merbach. Die Stendalerin, die auch im Vorstand der Landesseniorenvertretung mitarbeitet, nannte als Beispiel die früher üblichen Ansagen der nächstfolgenden Haltestellen im Bus, die es jetzt nicht mehr gebe.

Nicht der einzige Service, auf den Busnutzer seit dem Systemwechsel im ÖPNV verzichten müssen. So manche Busverbindung zwischen Dorf und Stadt außerhalb der Schülerbeförderungszeiten wurde gestrichen oder ins – wie eingangs geschildert noch mit Mängeln behaftete – Rufbussystem übergeleitet. So ist denn auch die Bitte der Senioren nachvollziehbar, an zwei Tagen in der Wochewieder ständige Busverbindungen zwischen Stadt und Land einzurichten. Vorgeschlagen wurden dafür der Dienstag und der Donnerstag.

All diese Vorschläge und Hinweise will die Kreisseniorenvertretung jetzt zu Papier bringen, und den ÖPNV-Verantwortlichen vorlegen. Kreisvorsitzender Dr. Manfred Kessel will sich noch in dieser Woche um einen Termin mit dem Geschäftsführer von Stendalbus bemühen. Mit im Boot sein soll dann auch der Stendaler Stadtseniorenrat, dessen Vorsitzender Wolfgang Kruse diese gemeinsame Herangeheensweise sehr begrüßte.

"Wenigstens das, was wir vor der Umstellung hatten"

Wie fruchtbringend die geplanten Gespräche sein werden, könnte sich schon in Kürze zeigen. Zum 14. Februar ist ein erneutes Nachbessern der ÖPNV-Fahrpläne im Landkreis geplant. Schwerpunkt sollen Veränderungen im so genannten Jedermannverkehr sein. Und da ist – so war unlängst während der Sitzung des kreislichen Finanzausschusses zu erfahren – auch von der Einrichtung von "Einkaufsfahrten" von den Dörfern in die nächstgelegenen Städte die Rede.