Bislang waren sie im Dienst von der Anschnallpflicht befreit - sofern sie einen Fahrgast beförderten. Das könnte sich bald ändern. Die Bundesregierung will eine Anschnallpflicht für Taxifahrer einführen. Die Mehrheit der von der Volksstimme befragten Taxifahrer sind damit einverstanden.

Salzwedel l Die momentan noch geltende Ausnahmeregelung wurde in den 1970er Jahren beschlossen. Sie sollte den Taxifahrern die Flucht bei Überfällen erleichtern. Doch inzwischen haben sich die Zeiten geändert. Die Unfallgefahr für Taxifahrer ist wesentlich höher als die, überfallen zu werden. Nach Angaben des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbandes BZP mit Sitz in Frankfurt, wurden im vergangenen Jahr 244 Überfälle registriert. Im selben Zeitraum sind allerdings mehr als zehnmal so viele Taxifahrer bei Unfällen verletzt worden.

Überfälle auf Taxifahrer stellen in Salzwedel und im Altmarkkreis kein Problem dar. "Es ist gut, dass es so ist", sagt Frank Semisch, Pressesprecher der Polizei. In den vergangenen fünf Jahren jedenfalls seien der Polizei in diesem Zusammenhang keine Straftaten bekannt geworden, berichtet Semisch.

Die geplante Verordnung soll darüber hinaus Kleinkinder bei der Mitnahme im Auto besser schützen. Der Vorschlag aus dem Hause von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CDU) sieht unter anderem vor, dass Eltern künftig Neugeborene bis zum Alter von 15 Monaten nur in einer Babyschale befördern dürfen, die gegen die Fahrtrichtung oder seitlich ausgerichtet ist. Bei Verstößen droht ein Bußgeld von 25 Euro.

Für Bernd Meyer, der in Salzwedel Taxi fährt, wäre die Anschnallpflicht kein Problem. "Ich selbst schnalle mich immer an - egal, ob im Taxi oder im Privatwagen. Dennoch finde ich, dass jeder Fahrer selbst entscheiden sollte, ob er sich anschnallen möchte oder nicht. In Großstädten beispielsweise macht es absolut Sinn, doch ob es dafür unbedingt ein Gesetz geben muss, finde ich fraglich", meint der 53-Jährige.

Auch Klaus-Dieter Retzlaff (59) hält das Vorhaben für eine gute Idee: "Eine Anschnallpflicht? Ja, ich denke für die Unbelehrbaren unter uns wäre es einfach sicherer. Eigentlich sollte sich jeder Mensch zu seiner eigenen Sicherheit mit dem Gurt schützen. Ich selbst fahre auch immer angeschnallt."

Zustimmung auch bei einem 53-Jährigen, der seinen Namen allerdings nicht in der Zeitung lesen möchte. "Meiner Meinung nach wäre ein Gesetz für die Anschnallpflicht sinnvoll. Ich würde mir allerdings wünschen, dass sich technisch etwas an den Sicherheitsgurten ändert. Denn man muss beim Anschnallen immer soweit rumgreifen und schnell ist das auch nicht." Bei mehreren Fahrten pro Tag könne das schon lästig sein.

Heiko Lampertsberger (42) steht dem Vorhaben zwiespältig gegenüber. Zwar könne man sich bei einem Unfall bereits bei einer Geschwindigkeit von 30 Stundenkilometern schwer verletzen - deshalb wäre eine allgemeine Anschnallpflicht am Tag für Taxifahrer auf jeden Fall sinnvoll. Allerdings sollte das Gesetz auch die Möglichkeit bieten, bei Nachtfahrten auf den Gurt verzichten zu dürfen. "Denn gerade nachts, und vor allem am Wochenende, holen wir Fahrgäste ab, die betrunken von einer Feier kommen und aggressiv sein können - da geht mir meine Sicherheit, schnell flüchten zu können, vor."

Nur einer der von der Volksstimme befragten Taxifahrer, der nicht genannt werden will, in Salzwedel lehnt das Vorhaben kategorisch ab. "Ich bin absolut gegen eine Anschnallpflicht für Taxifahrer. Ich will mir meine Sicherheit, schnell aus dem Auto im Notfall rauszukommen, nicht nehmen lassen. Erst abschnallen und dann fliehen? Das würde viel zu lange dauern. Und für Fahrten in der Stadt, ist es eigentlich auch nicht notwendig", sagt der 56-Jährige.

Mit dieser Position steht er aber nicht nur in Salzwedel alleine da. Der Deutsche Taxi- und Mietwagenverband BZP begrüßt die von Bundesverkehrsminister Dobrindt angekündigte Umsetzung seiner bereits vor acht Jahren formulierten Forderung nach einer Anschnallpflicht für Taxichauffeure. Zudem sei bei der noch geltenden Regelung häufig zu beobachten, dass sich Fahrgäste nicht anschnallen, wenn sie sehen, dass der Fahrer ohne Gurt am Steuer sitzt.

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