Ein Salzwedeler hat sich vor einigen Wochen den Europameistertitel in der F1-Rennbootklasse der Modellsportler geholt. Trotz der kaum möglichen Vorbereitung fuhr er dabei Europarekord.

Salzwedel l Fahrer, Techniker, Modellbauer, Manager - als Schiffmodellsportler füllt Andreas Benke allein fast alle Positionen eines modernen Formel 1-Rennstalls aus. Und das mit großem Erfolg. Gerade erst ist der Salzwedeler als Europameister und Europarekordhalter von den Titelkämpfen aus Kolomna bei Moskau zurückgekehrt. "Ich konnte den Titel in den Klassen F1E, unter einem Kilogramm (F1E-) und über einem Kilogramm (F1E+), holen. Das war nach der Vorbereitung eigentlich nicht zu erwarten", erzählt der 43-Jährige.

Andreas Benke setzte für die Klasse unter einem Kilogramm ein neues, selbstgebautes Rennboot ein. Unter Wettkampfbedingungen trainieren, konnte er allerdings nicht. "Unser Vereinsgewässer ist leider von der Wasserpest befallen und erlaubt es uns nicht, zu fahren. Bis April konnte ich trainieren, danach ging nichts mehr", berichtet Benke. Da er in der Nähe von Duisburg arbeitet, suchte er sich dort einen See, um sein neues Boot wenigtens grundlegend einstellen zu können. Lediglich vier Fahrten schaffte er bis zum kontinentalen Titelkampf.

"So ein Rennboot muss ähnlich wie ein Formel 1-Wagen korrekt abgestimmt werden. Getestet wird dann eigentlich auf einem abgesteckten Kurs", erklärt der frischgebackene Europameister. Also setzte er auf Erfahrungswerte. Doch es lief nicht richtig rund. "Dann habe ich kurz vor dem Rennen noch ein winziges Detail geändert und auf einmal ging das Boot total ab", erinnert er sich.

"Beim Eco-Fahren war ich zu vorsichtig."

Bis zu 100 Kilometer pro Stunde schafft ein solches Hochleistungsboot. Der Rumpf besteht komplett aus Carbon. Die Optik ist den Rennfahrern unwichtig, nur der möglichst geringe Luftwiderstand sowie die Wasserlage zählen. "Rennboote mit Fernsteuerung fahre ich seit 1985. Beim Bau habe ich deshalb schon viel Erfahrung, habe immer wieder Feinheiten verändert und angepasst", so Andreas Benke.

Beim Wettkampf in Russland trat er in insgesamt vier Klassen an. Neben den beiden F1-Klassen fuhr er zusätzlich noch in der FSR Eco-Klasse im Einzel- und Teamwettbewerb. "Beim Eco-Fahren war ich zu vorsichtig. Dort fahren sechs Boote gleichzeitig. Das habe ich sehr lange nicht mehr gemacht", erklärt der 43-jährige Salzwedeler.

Reichte es im Einzelwettbewerb nicht zum Finaleinzug, so konnte er sich gemeinsam mit zwei Fahrern aus Neustrelitz als Team Deutschland den 5. Platz in der Mannschaftswertung sichern. "Zukünftig werden wir noch öfter als Team antreten. Das hat wirklich Spaß gemacht."

Der Europameistertitel vervollständigt übrigens die Medaillensammlung von Andreas Benke. 2010 war er bereits Weltmeister in der Klasse F1E+, 2013 stand er in dieser Klasse als Dritter auf dem Podium. Zudem ist er aktueller Deutscher Meister.

"Auch in diesem Jahr sieht es wieder gut aus. Bei den Endläufen am 13. und 14. September in Görlitz muss ich nur noch unter die ersten Sechs kommen, um meinen Titel zu verteidigen", so der Modellbootfahrer.

"In anderen Ländern werden Reisen bezahlt."

Finanzieren muss er seine Reisen bis auf einen kleinen Zuschuss des Kreissportbundes aus eigener Tasche. "In anderen Ländern werden die Reisen bezahlt. Dort gibt es große Verbände, die die Kosten der Sportler übernehmen. Das wäre natürlich traumhaft", sagt Andreas Benke.

Trotz seiner großen Erfolge hat der 43-Jährige weiterhin ehrgeizige Ziele. "In dem Rennboot steckt noch mehr. Ein paar Zehntel kann ich da sicherlich noch rausholen und eine 9er-Zeit fahren. Das ist bisher nur zwei Chinesen gelungen", erklärt der Hansestädter, der zudem hofft, dass bald eine Lösung für das Gewässer des Salzwedeler Modellsportclubs gefunden wird.