Wer kandidiert am 22. Februar für den obersten Posten im Salzwedeler Rathaus? Nur langsam lassen sich die Parteien in die Karten schauen. Ansonsten wird gepokert. Es sei noch viel Zeit, ist häufiger zu hören.

Salzwedel l Die SPD wagte sich im Juli als Erste aus der Deckung. Mit Katrin Pfannenschmidt wählte sie eine parteilose Kandidatin. Die 48-jährige Leiterin der Kommunalaufsicht beim Landkreis bringt viel Erfahrung in der Verwaltung mit. Ein Nachteil könnte ihr geringer Bekanntheitsgrad in der Öffentlichkeit sein.

Aber ganz so wie im Drehbuch vorgesehen, klappte es nicht. Die Kandidatin sollte der Öffentlichkeit eigentlich zum 70. Geburtstag des ehemaligen Landrates Hans-Jürgen Ostermann präsentiert werden. Doch die Volksstimme bekam schon vor der entscheidenden Wahlsitzung Wind davon.

Ursprünglich sollte Pfannenschmidt als gemeinsame Kandidatin von SPD und CDU antreten. Doch die Union machte einen Rückzieher.

Über die Gründe kann nur spekuliert werden. Fest steht mittlerweile, dass der CDU-Parteichef in Stadt und Kreis, Peter Fernitz, selber antreten möchte. Er holte bei der Kommunalwahl am 25. Mai die meisten Stimmen für die CDU. 1063 Kreuze konnte er auf sich vereinen - das war das zweitbeste Ergebnis aller Bewerber. Parteiintern ist er aber nicht unumstritten. Vor allem seine Personalentscheidungen nach der Kommunalwahl stießen einigen Unionsmitgliedern sauer auf.

"Aus meiner Sicht hat das noch Zeit."

Oberbürgermeisterin Sabine Danicke

Zuvor hatte er in Gesprächen betont, dass er noch Gespräche mit zwei möglichen Kandidaten führen werde. Und nur für den Fall, dass er von beiden eine Absage bekomme, selber ins Rennen gehen würde. Motto: Wenn die Partei mich braucht, bin ich da. Nach Volksstimme-Informationen hatte sich der 61-Jährige aber damals schon längst dazu entschieden, selber zu kandidieren.

Ob die Oberbürgermeisterin sich schon entschieden hat, sei schwierig einzuschätzen, heißt es aus ihrem direkten Umfeld.

Sabine Danicke selber hält sich zurück. "Aus meiner Sicht hat das noch Zeit", antwortet Danicke schriftlich auf eine Gesprächsbitte zu dem Thema. Dass sie eine erneute Kandidatur nicht ausschließt, ließ sie in früheren Interviews indes durchblicken.

Für die politischen Mitbewerber besteht allerdings kaum ein Zweifel, dass Sabine Danicke antritt. So gab SPD-Ortsvereinsvorsitzender Norbert Hundt als Wahlmotto aus: "Nie wieder Sabine und keinen schwarzen Peter!"

Hundt bringt damit auch noch eine weitere Kandidatin ins Spiel: Sabine Blümel, Ortsbürgermeisterin von Tylsen und neu gewähltes Stadtratsmitglied der Wählergemeinschaft Salzwedel Land. Ihr Name taucht in Gesprächen mit Politikern aus anderen Fraktionen immer wieder auf. Blümel selber sagt dazu: "Dafür ist es viel zu früh. Wir haben das noch nicht besprochen." Sie verweist an ihren Fraktionsvorsitzenden Wolfgang Kappler. "Wir entscheiden nach der Sommerpause", sagt er.

"Es laufen Gespräche mit drei Kandidaten."

Linke-Fraktionschefin Ute Brunsch

"Es gibt noch keine Entscheidung", heißt es auch bei den Linken. "Derzeit laufen Gespräche mit drei Kandidaten", sagt Fraktionsvorsitzende Ute Brunsch. Alle männlich und alle in der Stadt bekannt - lässt sie ein wenig durchblicken. Die prominenten Köpfe in den Reihen der Linken sind überschaubar: Stadtratsvorsitzender Gerd Schönfeld, Landtagsabgeordneter Hans-Jörg Krause und Basisgruppenvorsitzender Jürgen Brunsch.

Eine eigene Kandidatur schließt Ute Brunsch explizit aus. Dabei ist sie wohl das bekannteste Gesicht der Partei. Ute Brunsch holte bei der Stadtratswahl mit 1485 Stimmen die meisten Kreuze aller Kandidaten - wie bereits 2009. Bei den vergangenen beiden Wahlen trat Gabriele Gruner für den Bürgermeisterposten an. Sie will aber ein drittes Mal nicht kandidieren. 2001 erreichte Gruner 12,5 und 2008 11,6 Prozent der Stimmen. Entscheiden wird die Basisveranstaltung. "Vor September aber nicht", sagt Brunsch.

Egal, wer am Ende alles antritt: Es kann in Salzwedel nur eine Oberbürgermeisterin werden - Sabine Danicke. Der Titel ist an ihre Person gebunden. In ihrer Amtszeit erreichte die Stadt aufgrund der Gemeindegebietsreform kurzzeitig mehr als 25000 Einwohner. Das ist die Grenze vom Bürgermeister zum Oberbürgermeister. Und momentan leben nur noch 24681 Einwohner in der Einheitsgemeinde. Jeder Neuling im Rathaus müsste sich wohl mit dem Titel Bürgermeister begnügen.

Ob mit oder ohne "Ober" - das Gehalt ist das gleiche. Bis 30 000 Einwohner werden die Stadtchefs nach der Besoldungsgruppe B3 eingestuft - rund 7000 Euro brutto Grundgehalt im Monat.