In Ortwinkel regt sich Protest gegen die Ratspläne zum Fällen. Lärchen und Obstbäume sollen stehen bleiben. Ohne sie gehe der Ortscharakter verloren. Die Risse in der Straße könnten auch so behoben werden, meinen die Aktivisten.

Ortwinkel l "Die Ortsbegehung in Ortwinkel fand ohne uns Anwohner statt - das ist nicht in Ordnung", erklärte am Montagabend die Ortwinklerin Ulrike Müller. Sie glaubte am Sonnabend beim Lesen des Volksstimme-Artikels über die Rademiner Ratsfestlegung über das Fällen von Gehölzen ihren Augen nicht trauen zu können. "Wenn es tatsächlich so kommt, dass alle Bäume, die näher als zwei Meter an der Straße stehen, gefällt werden sollen, wird das ein Kahlschlag hier", machte sie ihrem Ärger Luft.

"Im Winter sind die Nadelbäume Windschutz für uns."

Ulrike Müller

Ebenso empört wie sie ist ihr Ehemann Joachim. Und Hans-Jürgen Werner, der gerade von der Arbeit nach Hause zurückkehrt. "Das bedeutet das Aus für die beiden Obstbäume vor meiner Haustür", sagt er. Den Apfelbaum habe noch der "alte Bastian" in den 1970er Jahren gepflanzt. "Und mein Opa hat ihn regelmäßig beschnitten", fügt er hinzu.

Er selbst sorge heute noch für den Schnitt. Einen Ast habe er vor Jahren entfernt, weil der tatsächlich in die Fahrbahn hineinragte und störte. "Da die Obstgehölze aber Tiefwurzler sind, können sie der Straße gar nichts anhaben", betonte er.

Die flachwurzelnden Nadelbäume könnten schon eher für Schäden sorgen. Allerdings seien die drei Stellen mit den beanstandeten Rissen im Asphalt nicht wirklich nachweisbar von Baumwurzeln verursacht. Immerhin befinde sich darunter die alte Kopfsteinpflasterdecke.

Werner ist sich mit den anderen Anwohnern einig: Nur die drei Fichten am Ortseingang könnten ein Problem darstellen. "Vielleicht noch der eine oder andere Nadelbaum, aber nicht pauschal alle, die zu dicht am Fahrbahnrand stehen", machte Ulrike Müller klar. "Gerade im Winter sind die Lärchen und andere Nadler ein Windschutz für uns", beschreibt sie. So schnell, wie gerodet werde, wachse kein Baum nach. Zumal die Immergrünen auch Lebensraum vieler Eulen, unter anderem der Waldohreule, seien. "Die halten uns die Mäuse fern", so Müller.

Extra zum Schutz der Gehölze sei Anfang des Jahres eine Unterschriftensammlung gestartet worden, bei der fast alle sich beteiligt hatten. Auch die Bewohner des DRK-Kinderheims Löwenzahn seien mit dabei.

"Ich bin erst im Juli hergezogen, wegen der Idylle und weiten Landschaft, ideal für meine Pferde, und ich plädiere auch für den Erhalt des Baumbestands", bekennt Gerd-Peter Hoppe.

"Das hat nichts mit Bürgernähe und Demokratie zu tun."

Hans-Jürgen Werner

In einer Einwohnerversammlung mit Ortschaftsrat und Ortsbürgermeister Lutz Schermer war im Januar vereinbart worden, sich im Frühjahr zu einem Ortstermin zu treffen. "Damals hieß es, keine Entscheidung solle ohne uns Einwohner getroffen werden", so Müller.

Klammheimlich habe sich nun jedoch der Rat - im Spätsommer und nicht im Frühjahr - auf die Begutachtungstour gemacht und Festlegungen zum Fällen getroffen (Volksstimme berichtete), ohne die Ortwinkler einzuladen. "Auf der Einladung im Schaukasten stand nur für letzten Donnerstag ab 19.30 Uhr die Auswertung der Ortsbegehung in Rademin und Ladekath", kritisiert Ulrike Müller. Daraus sei nicht ersichtlich gewesen, dass Schermer sich an dem Tag ab 18.30 Uhr mit den Ratsleuten auch in Ortwinkel blicken lassen würde.

"Das hat nichts mit Bürgernähe und Demokratie zu tun", bringt es Hans-Jürgen Werner auf den Punkt.