Für 254 Mädchen und Jungen war gestern Start in der Gemeinschaftsschule in Arendsee. Zur neuen Schulform gratulierten Vertreter von Kultusministerium, Landes- und Kreisschulamt. Das von Zehntklässlerin Lea Schieske entworfene Logo soll bald T-Shirts und Hauswand zieren.

Arendsee l "Die langweilige Ferienzeit ist zu Ende - ich sehe euch die Freude an", begrüßte gestern Punkt 7.30 Uhr Klaus-Dieter Leppin seine 254 Schüler mit freundlichem Humor. Besonders für die 40 Fünftklässler ist der Start ein völliger Neuanfang in der ersten Gemeinschaftsschule im Altmarkkreis Salzwedel.

"In ganz Sachsen-Anhalt haben wir 22 Gemeinschaftsschulen, in denen die Chance zum längeren gemeinsamen Lernen geboten wird", machte Referent Heiko Hübner vom Kultusministerium deutlich. Schüler, die ihr Abitur machen wollten, könnten sich mit ihrer Entscheidung so noch etwas länger Zeit lassen.

"Hier lernen die, die Brücken bauen wollen, mit denen, die Brücken entwerfen werden."

Kultusreferent Heiko Hübner

"Hier lernen die, die einmal Brücken bauen wollen, zusammen mit denen, die die Brücken entwerfen", zitierte Hübner einen Wolmirstedter Gemeinschaftsschulleiter. Er wünschte Lernenden und Lehrenden Erfolg und Spaß, für den das pädagogische Konzept des Lehrerkollegiums die Basis bilde.

Ein Extra-Lob gab es für die Zehntklässlerin Lea Schieske, die das neue Logo der Theodor-Fontane-Gemeinschaftsschule entworfen hatte. Es prangt auf einem grünen Stoffbeutel und soll später auch T-Shirts und die Hauswand zieren.

Für Klaus-Dieter Leppin und seine Stellvertreterin Bärbel Barnasch gab es Ernennungsurkunden: Sie tragen jetzt den Titel Direktor beziehungsweise Vizedirektorin der Gemeinschaftsschule. Dazu gratulierten neben Hübner auch Schulrat Jürgen Kebernik vom Landesschulrat und Christel Gießler vom Altmarkkreis Salzwedel.

Leppin stellte als neue unter den 24 Pädagogen Lehrerin Gudrun Bernd vor, die in den 5. Klassen Chemie und Biologie sowie weitere Fächer unterrichten wird. Klassenlehrerinnen der Neuankömmlinge sind Kathrin Kleemeier und Anke Langkau. "Ihr seid zwar zunächst in zwei Gruppen eingeteilt, aber die werden in den kommenden Tagen noch wechseln", machte Leppin klar, bevor die Mädchen und Jungen in ihre Räume strömten.

Auf dem Programm stehe nach einem Wissens-Test die Ermittlung des Ist-Standes, um sich ein Bild von der Ausgangssituation der Schüler machen zu können. Das weitere Kennenlernen und Einstellen auf die neue Situation und den Umgang miteinander erfolge bei einem Anti-Aggressionstraining in der Turnhalle unter der Leitung von Sportlehrer Thomas Schlicke.

Und ab Montag gehe es für die Klassen zu einem Drei-Tages-Workshop ins Integrationsdorf. "Erst danach legen wir die Klassenaufteilung fest", kündigte Leppin an.

Das Besondere sei außerdem, dass auch danach die Kinder sich aussuchen können, welche von den beiden Klassenlehrerinnen bei Problemen die richtige Ansprechpartnerin für sie ist. "Und: Insgesamt unterrichten nur sieben Lehrer in den Fünften, und damit also auch fachfremd", so Leppin. "Unser Prinzip: so wenig Lehrer wie möglich."

Die neue Schulform soll es den Kindern ermöglichen, durch das Lernen ohne Druck, sondern mit hoher Motivation neue Wege beschreiten zu können. "Ohne konkrete Anforderungen und Förderung funktioniert es aber auch in Zukunft nicht", betonte Leppin.

"Ihnen stehen aber die Wege offen, direkt zum Abitur, über ein Fachabitur zum Studium oder zu einer Berufsausbildung zu kommen", betonte Kebernik. Für manchen ergebe sich der Studienwunsch vielleicht erst in Klasse 8, 9 oder 10. Jederzeit gebe es die Möglichkeit, ans Jahn-Gymnasium nach Salzwedel zu wechseln. "Die Kooperation zwischen unseren beiden Einrichtungen läuft konstruktiv und optimal", ergänzte Leppin. Ein praktisches Beispiel sei die Teilnahme an der Mathematik-Olympiade. "Spitzenreiter hier bei uns können sich an der gymnasialen Olympiade versuchen und so ihr Leistungsvermögen austesten."

Beim längeren gemeinsamen Lernen könne den Schülern besser eine vertiefte Allgemeinbildung vermittelt werden. "Zudem erleben sie intensiver die Vielfalt der unterschiedlichen Stärken. Fähigkeiten und Begabung können gezielter gefördert werden", machte Leppin weitere Vorteile klar, zu denen auch der wohnortnahe Lernalltag ohne zu lange Fahrtwege gehört.

 

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