Kunst in ihrer vielfältigsten Form zeigt das Festival Wagen und Winnen. Nicht nur Künstler aus Salzwedel beteiligen sich daran. Schon zur Eröffnung am Freitagabend im Gerlach-Speicher gab es einen Ansturm von Besuchern.

Salzwedel l Das Kunstfestival Wagen und Winnen ist in diesem Jahr in die zweite Runde gegangen. Nach dem Erfolg im Vorjahr hatten sich die Initiatoren für eine Fortsetzung entschlossen. Und dass diese Entscheidung die richtige war, bewies am Freitag zur Ausstellungseröffnung der große Andrang der Kunstinteressenten aus Salzwedel und der Umgebung. Recht lautstark ging es zur Sache, als die Mitwirkenden der wendländisch/altmärkischen Gruppe Xamba die Vernissage im wahrsten Sinn des Wortes eintrommelten. "Wir sind immer vor Ort, wenn auf etwas aufmerksam gemacht werden soll", war die Auskunft eines Trommlers der Truppe.

Ein Heim der Kunst

Dass dieses nicht immer notwendig ist, bewies der starke Besucheransturm im Gerlach-Speicher, aber sicher war sicher. Ausstellungsmitorganisator Heinrich Herbrügger begrüßte aus der ersten Etage des mehrstöckigen Hauses die Künstler und Freunde der Künste, welche die Stadt auf diese Art und Weise wieder etwas mehr zu einem Heim der Kunst werden lassen. Die Veranstaltung ruhe auf vier Pfeilern, die das Gebäude Wagen und Winnen tragen würden, erklärte Herbrügger in seinem Grußwort. Pfeiler Nummero eins seien die Künstler und die Hofpaten, die diese Veranstaltung überhaupt erst einmal ermöglichen. Immerhin hatten sich in diesem Jahr 90 Künstler beteiligt, die ihre Werke in 24 Ausstellungen an 16 Orten präsentieren.

Pfeiler zwei würden die zahlreichen Sponsoren bilden, welche das Projekt mit großzügigen Spenden unterstützten. Der dritte Pfeiler sei das Gebäude, der Gerlach-Speicher an sich, welches schon selber ein Kunstwerk darstelle und so der ideale Rahmen für Veranstaltungen dieser Art sei. Und als vierten, aber entscheidenden Pfeiler benannte Heinrich Herbrügger seine Lebenspartnerin Nadine Klingeberg, die dieses Event organisierte und über den gesamten Zeitraum begleitete. Diese vier Pfeiler ständen auf einem soliden Fundament. Dieses beweist auch schon einmal die Steigerung der Anzahl der beteiligten Künstler. Waren es im Vorjahr noch 70, boten dieses Mal 90 Kunstschaffende einen bunten regionalen Querschnitt ihrer künstlerischen Schaffenskraft. Auf vier Etagen sind im Gerlach-Speicher Kunstexponate aus den Bereichen Malerei, Töpferei, Metallschmiede- und Textilkunst sowie Fotografie oder Installation zu bewundern. Doch das ist nur ein kleiner Ausschnitt, denn der weitaus größere Teil ist in den temporären Galerien von Dähre bis Arendsee und von Salzwedel bis Klötze zu sehen. Mit einem Shanty, welcher ein Hoch auf das Kulturland Salzwedel zum Inhalt hatte, gaben die Organisatoren das diesjährige Kunstfestival Wagen und Winnen zur Besichtigung frei. Und die Besucher nahmen von dem Angebot rege Gebrauch und verteilten sich über die vier Etagen, um die Kunstwerke zu betrachten, mit den Künstlern zu sprechen oder sich miteinander auszutauschen.

Die Meinung der Besucher drückte sich größtenteils in purer Begeisterung aus. "Salzwedel hatte schon immer eine enge Bindung zur Kunst. Denken wir mal zurück an das Hanseat und die Kramladenzeit mit der Kleinkunstbühne", äußerte sich Torsten Lux absolut zufrieden über das Festival-Gesamtkonzept. Er hatte die 16-jährige Lina Holz aus Wiepke ermuntert, sich an diesem Festival zu beteiligen. Diese war nun mit mehreren Acrylmalereien vertreten. Der größere Teil ihrer Arbeiten ist in Klötze zu sehen.

Martin Papke ist ohnehin schon von dem Speicher als Location begeistert, denn am 12. und 13. September ist er mit der Theatertruppe "The Royal Stage Monkeys" im Haus und macht den Gerlach-Speicher zum düsteren Ort eines Verbrechens. "Ein tolles Gebäude und eine super Sache", lautet seine kurze Meinung, der auch seine Begleitung Sabrina Jakumeit beipflichtet, welche selbst zu den ausstellenden Künstlern gehört.

Nicht so schöne Seiten

Ein weiterer Höhepunkt des Abends war eine Tombola. 300 Preise warteten auf ihre Gewinner. "Es gibt keine Nieten", versprach Heinrich Herbrügger, "denn schließlich heißt das Festival ja Wagen und Winnen." Das Gesamtkonzept, bestehend aus Kunst, Unterhaltung, Austausch, Gleichgesinnte treffen und ein Gläschen Wein in geselliger Runde zu trinken, gefällt den Besuchern und schreit regelrecht nach Fortsetzung. Die Ausstellung im Gerlach-Speicher ist an allen Wochenenden im September und vom 3. bis 5. Oktober in der Zeit von 11 bis 18 Uhr geöffnet zuzüglich bei den jeweiligen Abendveranstaltungen.

In der Salzwedeler Kulturnische können die Bilder der Gruppe KN2012 zu den üblichen Büchertauschzeiten täglich von 10 bis 16 Uhr angeschaut werden. Die Künstler um Ines Kahrens beteiligen sich damit am Kunstfestival Wagen und Winnen. Sie haben diesmal die nicht so schönen Seiten der Hansestadt dargestellt. Wie Kahrens berichtete, zeigen die meisten Bilder den Verfall von alten und zum Teil historischen Gebäuden. Kahrens: "Trotzdem sind sie idyllisch und schön."

In Kaulitz stellten Künstler ihre Werke an zwei Orten aus. Im Bahnhof zeigte unter anderem Vitaly Zagovenyew seine altmärkischen Landschaftsmalereien. Und auf dem Hof von Heide Bölke stellten Künstler Eisenskulpturen, Keramik und vieles mehr aus.

   

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