1000 Euro muss ein 49-jähriger Mann aus einem Wallstawer Ortsteil an das Salzwedeler Tierheim zahlen. Er war gestern angeklagt, seine Nachbarin geschlagen und wenige Tage später eine Zeugin bedroht zu haben.

Salzwedel l Ein Nachbarschaftsstreit mit Schlägen, Fotobespitzelung und wüsten Vorwürfen, die so weit gehen, dass einer der Beteiligten, dem anderen vorwirft, versucht zu haben, ihn mit einem Auto zu töten, beschäftigten am Dienstag Amtsgerichtsdirektor Klaus Hütterman. Allerdings ging es gestern lediglich um den Vorwurf der Körperverletzung und Bedrohung.

Seit acht Jahren schwelt der Konflikt in dem Wallstawer Ortsteil. Laut Anklage soll die Auseinandersetzung am 27. Mai 2013 eskaliert sein. An diesem Tag soll Martin H. (Name geändert) seine Nachbarin, ins Gesicht geschlagen und ihr dabei Zahnimplantate aus dem Kiefer gebrochen zu haben. Alles Humbug meinte der Angeklagte. "Die Frau hat mich geschlagen", drehte er den Spieß um. Der Altmärker erklärte, dass er einen neuen Zaun gezogen habe. "Es wurden schon des Öfteren Pferde rausgelassen, oder Zäune zerschnitten. Deshalb habe ich den Zaun fotografiert", schilderte Martin H. Nachdem er die Aufnahmen gemacht hatte, ging er wieder auf sein Grundstück zurück, als die Frau ihn von hinten niedergestreckt haben soll. "Sie hat sich dann auf den Boden geworfen und ihrer Bekannten per Walkie-Talkie gesagt: `Ruf die Polizei, wir haben ihn`."

Als die Geschädigte und Nebenklägerin ihre Aussage machte, bekam Hüttermann eine ganz neue Geschichte zu hören. Die Bekannte habe auf der Wiese mit zwei Hunde gespielt. "Er hat die Tiere provoziert. Und da er auch immer alles dokumentiert, wollte ich das einmal fotografieren." Die Frau schlich sich nach eigenen Angaben um eine Scheune und brachte die Kamera in Stellung. Allerdings konnte sie keine Aufnahme machen, da der Angeklagte auf sie zugestürmt sei und sie niedergeschlug.

Ein weiterer Vorfall soll sich laut Anklage am 12. Juni abgespielt haben. So wurde dem 49-Jährigen eine Bedrohung der Bekannten der Geschädigten vorgeworfen. Sie solle sich überlegen, für wen sie Aussage, sonst bringe er sie um, soll er gesagt haben. Für Hüttermann war es in diesem Prozess maßgeblich, den Streit endlich zu beenden, zumal die Frau Ende Oktober den Ort mit ihrem Tierheim für Hunde verlässt. Deshalb regte er eine Einstellung des Verfahrens gegen eine "empfindliche Geldbuße" an, wie er erklärte. Andernfalls hätte sich der Prozess nach Einschätzung des Amtsgerichtsdirektor weiter hingezogen und die beiden Streithähne weiter aneinander gekettet.

Schließlich einigten sich alle Parteien auf die vorläufige Verfahrenseinstellung, wenn Martin H. innerhalb von fünf Monaten 1000 Euro an das Salzwedeler Tierheim überweist.