Eine lichtdurchflutete Empfangshalle mit Läden, eine Fahrradstation und Ticketverkauf - der weitgehend leerstehende Salzwedeler Bahnhof bietet laut einer Machbarkeitsstudie viel Potential. Der Weg dorthin ist allerdings weit.

Salzwedel l Ein ganz normaler Morgen am Salzwedeler Bahnhof: Während die Züge auf den Gleisen einrollen, gehen Kunden durch die große neue Glasfassade am Giebel des Gebäudes ein und aus. Reisende kaufen in der lichtdurchfluteten Empfangshalle Croissants beim Bäcker, trinken eine Tasse Kaffee oder lesen die Tageszeitung. Im Obergeschoss dient ein Wartesaal als Ruheoase. Und gleich nebenan bietet eine moderne Fahrradstation Platz für die Räder von bis zu 60 Berufspendlern.

Was utopisch klingt, ist derzeit tatsächlich nicht viel mehr als eine Vision. Doch glaubt man den Berliner Planern Olaf Gersmeier und Ralf Fleckenstein könnten die Zeiten des Leerstands im Salzwedeler Bahnhof auch in der Realität bald der Vergangenheit angehören.

Im Auftrag der Stadt haben sie seit Mai eine Machbarkeitsstudie für den Salzwedeler Bahnhof entwickelt. Bei dem von der Nahverkehrsservice (NASA) GmbH mit 16000 Euro geförderten Projekt haben sie zunächst Schwächen von Gebäude und Umfeld analysiert und anschließend Vorschläge für eine künftige Verbesserung und Neunutzung entwickelt. Die vorläufigen Ergebnisse stellten sie am Montag im Salzwedeler Marketing-Ausschuss vor.

Bei ihrer Analyse sind die Planer gleich auf eine ganze Reihe von Defiziten gestoßen. Das wohl schwerwiegendste: Der laut NASA-Mitarbeiter Ludger Sippel mit 710 Fahrgästen werktags gut frequentierte Bahnhof leidet darunter, dass Fahrgäste nicht durch das Gebäude gehen müssen, um zu den Gleisen zu gelangen. Geschaffen wurde diese Situation durch den Abriss des Seitentraktes im Jahr 2000. "Der Bahnhof ist damit zum Nebenschauplatz geworden", erklärte Ralf Fleckenstein.

Handlungsbedarf sehen die Planer daneben vor allem im Umfeld. Obwohl 6000 Einwohner in einem Radius von nur zehn Minuten zu Fuß um die Station leben, wird diese als innenstadtfern erlebt, erklärte Olaf Gersmeier. Leerstehende Nachbargebäude wie das der ehemaligen Schutzpolizei würden dazu ebenso beitragen wie fehlende Hinweise auf die Altstadt, schlecht erreichbare Parkplätze und nicht zuletzt ein Riegel aus weitläufigen Gewerbe- und Brachflächen.

In Haldensleben ist der Neustart geglückt

Die Strategien für eine Neunutzung setzen nun genau an diesen Schwachpunkten an: Am Bahnhof selbst könnte ein großes Schaufenster das Gebäude künftig zu den Laufwegen der Reisenden öffnen und damit attraktiv für Händler machen, sagte Ralf Fleckenstein. In der entstehenden Bahnhofshalle wären Angebote wie ein Bäckergeschäft oder Café ebenso denkbar wie ein Zeitungskiosk oder auch eine Außenstelle der Salzwedeler Touristinformation. Eine Fahrradstation für Berufspendler etwa im östlichen Anbau, eine Wartegalerie im Obergeschoss und öffentliche Toiletten könnten die Anziehungskraft weiter steigern.

Für das Umfeld schlägt Olaf Gersmeier den Bau von mehr bahnhofsnahen Kurzzeitparkplätzen vor. Auch der Abriss leerstehender Gebäude sollte geprüft werden. Darüber hinaus könnten attraktivere Aufenthaltsmöglichkeiten vor dem Bahnhof und verbesserte Fußweghinweise zur Altstadt die Attraktivität des Bahnhofs erhöhen, die genauen Standorte sind dabei noch offen. Die Vorschläge der Planer sind ein erster Zwischenstand. Ende des Jahres wollen sie ihre Studie dem Stadtrat vorstellen. Voraussetzung für eine Umsetzung wäre allerdings in jedem Fall das Engagement eines oder mehrerer Investoren. Auch eine Genossenschaftslösung wäre denkbar. Interessenten müssten wohl in jedem Fall in Verhandlungen über Kauf oder Miete des Bahnhofs mit dem derzeitigen Eigentümer Patron Capital treten. Dieser bietet die Immobilie derzeit im Internet an.

Dass eine Neubelebung gelingen kann, zeigt das Beispiel Haldensleben. In der Kreisstadt des Bördekreises hat die Wohnungsbaugesellschaft den Bahnhof gekauft und komplett saniert. Heute sind dort neben dem Unternehmen auch die Stadtinformation, ein Imbiss, ein Taxiunternehmen, eine Wohnung, Fahrkartenschalter und öffentliche Toiletten untergebracht.