Die große Koalition in Berlin diskutiert noch über die Pkw-Maut und der Altmarkkreis Salzwedel zeigt ab Montag, wie es geht. Denn bis zum Ende der Bauarbeiten an der B248-Ortsdurchfahrt Hoyersburg ist die Nutzung der Kreisstraße vom Salzwedeler Lokschuppenkreisel über Ritze, Klein Chüden bis zur Landesgrenze zu Niedersachsen mautpflichtig. Allerdings gilt das nur für Autofahrer, die nicht aus dem Altmarkkreis stammen. Damit führt die Kommune noch vor dem Bund eine "Ausländermaut" ein. An diesem Plan beißt sich Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) bekanntlich seit Monaten die Zähne aus.

Die Abkürzung fernab der offiziellen Umleitung über Clenze kostet pro Durchfahrt zwei Euro. "Acht Mitarbeiter des Ordnungsamtes kassieren im Zweischicht-Betrieb von 4 bis 20 Uhr. Während der übrigen Stunden bleibt die Nutzung kostenlos", erklärt Ordnungsamtsleiter Hans Thiele. Täglich passieren in der genannten Zeit rund 3000 auswärtige Fahrzeuge die Straße in beide Richtungen. Das macht 6000 Durchfahrten und Einnahmen in Höhe von 12000 Euro pro Tag. Wenn die Vollsperrung in Hoyersburg wie geplant am 24. Oktober aufgehoben wird, hat der Kreis genau 40 Tage, um den Dannenbergern, Prignitzern, Lüneburgern und Co. das Geld aus den Taschen zu ziehen - ingesamt rund 480000 Euro!

Diese Einnahmen sollen laut Kreissprecherin Birgit Eurich in Straßenbauprojekte fließen. "Wir wollen den kompletten Ausbau des Bundesfeldweges zwischen der B190 und Ritze damit finanzieren", erklärt die Pressesprecherin. Außerdem sollen, falls sich die Aktion bewährt, zwei kleine mobile Mautstationen angeschafft werden, um auch an künftigen inoffiziellen Umleitungen kassieren zu können.

Bei den Kraftfahrern stößt die Initiative des Altmarkkreises auf ein geteiltes Echo. "Die sollten das ruhig teurer machen und mit dem Geld einen Autobahnring um Salzwedel bauen, damit wir endliche eine Umgehung haben", fordert der Hansestädter Detlef Dobrowski. "Ich werde, so lange es die Maut gibt, nicht nach Salzwedel zum Einkaufen fahren", erklärt Hans Hansen aus Lüchow. "Je weniger von euch bei uns einkaufen, desto sicherer sind unsere Straßen", ruft daraufhin Detlef Dobrowski dem Wendländer hinterher. Entspannter sieht es dagegen Klaus Clausen aus Lübbow: "Es geht immer noch schneller und ist preiswerter, als wenn ich mit der bei uns nicht vorhandenen Bahn fahre."

Auch bei den Einzelhändlern löst die Maut Vorfreude aus. "Je weniger Besucher den Weg nach Salzwedel finden, desto weniger Kunden belästigen uns", sieht Verkäuferin Ilse Müller die Aktion des Kreises positiv.

Als Zeitungsente wird umgangssprachlich eine Falschmeldung bezeichnet. Die Redaktion nimmt sich in der Rubrik "Altmark-Geschnatter", deren Inhalt erfunden ist, dieser journalistischen Darstellungsform auf humorvolle Art an.