In den Fall der Mutter, die mit ihren fünf Kinder nicht in eine ihr zugesagte Wohnung ziehen kann, kommt Bewegung. Die Stadträte der Freien Liste Susann Meinecke und Kerstin Calivà trafen sich gestern mit Wobau-Geschäftsführerin Gudrun Bubke. Sie hat den Fall zur Chefsache erklärt.

Salzwedel l Hoffnung für die fünffache Mutter, der die Salzwedeler Wohnungsbaugesellschaft (Wobau) eine Wohnungszusage entzogen hat (wir berichteten). Wie Wobau-Geschäftsführerin Gudrun Bubke gestern auf Volksstimme-Nachfrage berichtete, solle möglichst zeitnah eine Lösung für die Familie gefunden werden.

"Lärm war vollkommen normal."

Wobau-Chefin Gudrun Bubke

"Da die Frau zurzeit auch Mieterin in unserer Gesellschaft ist, wird sie definitiv nicht auf der Straße sitzen. Sie wird selbstverständlich auch nicht umziehen müssen, solange wir keine geeignete Wohnung für sie und ihre Kinder gefunden haben", erklärte die Wobau-Chefin, die sich persönlich des Falles angenommen hat. "Wir arbeiten intensiv an einer Lösung. Am Montag werde ich mich mit der Mieterin treffen."

Susann Meinecke und Kerstin Calivà, Stadträte der Freien Liste, hatten von dem Schicksal der Familie erfahren und trafen sich gestern mit Gudrun Bubke, um sich für die fünffache Mutter einzusetzen. "Wir hatten ein sehr angenehmes Gespräch mit Frau Bubke. Sie hat uns davon überzeugt, dass die Wobau mit Hochdruck an einer Lösung des Problems arbeitet", sagte Susann Meinecke. Sie selbst habe unterschätzt, wie schwierig die Situation auch für die Wohnungsbaugenossenschaft sei.

"Wenn es schon vorher Probleme mit anderen Mietern gibt, ist der Familie auch nicht geholfen, wenn es später immer wieder Nachbarschaftsstreits gibt", berichtete Gudrun Bubke. Generell habe sie festgestellt, dass die Toleranzgrenze der Mieter in Bezug auf Kinderlärm gesunken sei. "In den 70er und 80er Jahren waren Familien mit Kindern in der Überzahl, Lärm war vollkommen normal", sagte Bubke. Mittlerweile habe man, bedingt durch den demografischen Wandel, viele ältere Mieter, die sich von Lärm schneller gestört fühlen würden.

Diese Entwicklung finden Kerstin Calivà und Susann Meinecke äußerst bedenklich. "Jedem hier muss klar sein, dass die Stadt immer leerer wird, wenn Familien mit Kindern hier wegziehen, weil sie sich nicht wohl fühlen oder sich als Minderheit betrachten müssen. Wir müssen eine Grundsatzdiskussion darüber führen, ob die Hansestadt Salzwedel als kinderfreundlich gesehen werden soll oder nicht", stellte Kerstin Calivá klar.