Die Hansestadt Salzwedel will mit einer innovativen Kampagne dem Wohnungsleerstand begegnen. Da Investoren nicht allein in der Lage sind, die vielen leerstehenden Innenstadt-Immobilien zu erwerben und zu sanieren, möchte die Stadt nun in Großstädten in der Punker- und Hausbesetzer-Szene werben, sich für eine Bleibe in der Altmark zu entscheiden.

"Seit der Wende schrumpft vor allem der kostenlose Wohnraum in Berlin. Aber auch Hamburg ist von diesem Trend betroffen", erklärt Falko Frenzel von der Wohngsbaugesellschaft "Mietfrei" in Berlin. Genau in diese Lücke will man nun in Salzwedel stoßen und in den Metropolen für die sofort besetzbaren Häuser in der Hansestadt werben.

Linker Szene-Kiez an der Altperverstraße

In der ersten Phase sollen ausschließlich Häuser an der Altperverstraße angeboten werden. Ziel ist es, gemeinsam mit dem Soziokulturellen Zentrum "Hanseat" und dem gegenüberliegenden Autonomen Zentrum, an dieser Straße einen linken Szene-Kiez zu etablieren.

"Wenn dieses Testangebot gut angenommen wird, werden wir weitere Quartiere den Hausbesetzern anbieten", heißt es aus der Salzwedeler Stadtverwaltung. Allerdings werde es schwierig, die Punks in die von Leerstand betroffenen Neubaugebiete zu locken, da in der Hausbesetzer-Szene ausschließlich Altbauten angesagt sind, weiß die Verwaltung, dass dem Projekt Grenzen gesetzt sind. Deshalb sollen bei Bedarf Mieter aus innerstädtischen Altbauten, in leerstehende Wohnungen im Plattenbauviertel Arendseer Straße ziehen, damit in Salzwedel neuer besetzbarer Wohnraum geschaffen werden kann.

Außerdem möchte die Verwaltung einen Teil der Punks motivieren, in den Salzwedeler Bahnhof zu ziehen. Er liege zwar etwas abseits zur Innenstadt, biete aber durch die Reisenden ideale Bedingungen zum Schnorren, heißt es aus der Behörde. Und die Punks würden auf diesem Weg am Salzwedeler Bahnhof für etwas Großstadt-Flair sorgen, wenn sie Touristen mit dem klassischen Schnorrer-Spruch "Haste mal ´nen Euro" in der Altmark empfangen, hofft die Stadtverwaltung.

Probleme mit den Eigentümern der Immobilien erwartet die Stadt indes nicht. "Einige Hausbesitzer haben sich jahrelang nicht um die Gebäude gekümmert. Sie werden wahrscheinlich gar nicht mitbekommen, wenn die Häuser besetzt sind", heißt es aus dem Marketingamt, das bei dem Projekt federführend ist. Falls es dennoch zu Missverständnissen kommen sollte, wolle sich die Stadt für die Besetzer einsetzen und gegen Räumungen klagen. Bedingung sei allerdings, dass alle Besetzer ihren Hauptwohnsitz nach Salzwedel verlegen. Denn jeder Einwohner bringt der Stadt über Zuweisungen von Land und Landkreis Geld in die Kassen.(mhd)

Als Zeitungsente wird umgangssprachlich eine Falschmeldung bezeichnet. Die Redaktion nimmt sich in der Rubrik "Altmark-Geschnatter", deren Inhalt erfunden ist, dieser journalistischen Darstellungsform auf humorvolle Art an.