Fensterputzer haben Schimmelbefall im Rathaus entdeckt. Die Sporen sind nicht nur eine Gefahr für das Archivgut, sondern vor allem für Mitarbeiter und Besucher.

Salzwedel l Es brummt, riecht moderig und ist schwül in den Räumen des Stadtarchivs im Rathaus von Salzwedel. Zwei Raumentfeuchter rattern seit sechs Wochen 24 Stunden am Tag, um die Luftfeuchtigkeit im Archiv zu senken. Der Grund: "Vor ein paar Monaten war eine Fensterputzfirma hier. Deren Mitarbeiter wiesen uns darauf hin, dass sie ohne Mundschutz die Fenster nicht reinigen werden, da diese von schwarzem Schimmel befallen wären", erklärte der Leiter des Stadtarchivs, Steffen Langusch, am Mittwochvormittag während eines Pressegesprächs. Ein erstes Gutachten bestätigte den Verdacht.

Ein Umzug des Stadtarchivs ist unumgänglich

Seitdem mache man sich im Rathaus erhebliche Gedanken über die derzeitige Situation. Oberbürgermeisterin Sabine Danicke informierte erst bei der jüngsten Sitzung des Betriebsausschusses des KulTour-Eigenbetriebes über die Problematik: "Die Sporen des Schimmels sind nicht nur eine Gefahr für den Erhalt des Geschichtsgutes der Stadt Salzwedel, sondern auch für die Gesundheit der Mitarbeiter und Besucher." Besonders für Allergiker könnten die Pilze ein Risiko darstellen. So musste vor einigen Wochen eine Mitarbeiterin ihre Arbeit im Archiv niederlegen, da sie es in den Räumen nicht mehr aushielt.

Die Raumentfeuchter sind derzeit nur Erstmaßnahmen, um der weiteren Ausbreitung des Schimmels im Rathaus vorzubeugen. So konnte die Luftfeuchtigkeit im vom schwarzen Schimmel befallenen Raum nach sechs Wochen von 80 auf 55 Prozent gesenkt werden, freute sich Steffen Langusch. Doch "eigentlich ist es klar, dass das Stadtarchiv umziehen muss", erklärte Sabine Danicke.

Sanierung bedeutet Umzug für mindestens zwei Jahre

Die Frage ist: wohin? "Wir haben darüber nachgedacht, dass das Stadtarchiv in den ehemaligen Kindergarten, der sich rechts neben der Comenius-Ganztagsschule befindet, umziehen könnte", sagte Danicke am Dienstag den Betriebsausschussmitgliedern. Da das Gebäude aber von der Statik nicht für dieses Vorhaben infrage kommt, würde momentan noch geprüft werden, wie die Probleme gelöst werden könnten. Was auch nötig ist. Denn im Rathaus ist kein weiterer Platz für die zehntausenden Dokumente sowie die mobilen Archivschränke, die erst wieder mühselig eingebaut werden müssten, damit man sie bewegen kann. Ganz zu schweigen von einem Rechercheraum, der vorhanden sein muss, damit Steffen Langusch problemlos arbeiten kann.

"Bisher sind keine weiteren Räume im Rathaus vom Schimmel befallen", erklärte Olaf Meining, Pressesprecher der Stadt, auf Nachfrage. Damit das auch so bleibt, müssten die Räume schnellstmöglich saniert werden. Eine Sanierung würde allerdings eine Umquartierung des Archivs für "mindestens zwei Jahre" bedeuten, betonte Oberbürgermeisterin Sabine Danicke. Ein weiteres Gutachten eines Experten soll offenbaren, wie viel es kosten würde, die Räume zu sanieren. Danach könne man sich weiter Gedanken darüber machen, wohin das Archiv der Stadt Salzwedel ziehen kann.

 

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