Der Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Grüne, Dietmar Weihrich, kam gestern mit dem Zug nach Pretzier. Er wollte sich vor Ort über die Auswirkungen der Pläne informieren, die Regionalbahnen zwischen Salzwedel und Stendal sowie die Haltepunkte abzuschaffen.

Pretzier l Pretziers Ortsbürgermeister Herbert Schulze sucht auf allen Ebenen nach Verbündeten, die mit ihm gegen das geplante Einstellen der Regionalbahnen zwischen Salzwedel und Stendal und den Wegfall der Haltepunkte Pretzier und Brunau-Packebusch im Altmarkkreis Salzwedel kämpfen. Nachdem er im Verkehrsausschuss des Salzwedeler Stadtrates nicht die erhoffte Resonanz erhielt, hat er gemeinsam mit den Pretzierer Ortschaftsräten eine Resolution auf den Weg gebracht. Er hofft, dass sie bei den Stadträten Unterstützung findet und an die entsprechenden Verantwortungsträger im Land weitergeleitet wird.

Ein Landespolitiker hat sich am gestrigen Freitagabend die Sorgen der Pretzierer angehört. Der verkehrspolitische Sprecher der bündnisgrünen Landtagsfraktion, Dietmar Weihrich, versprach, was den Erhalt der Regionalbahnen und der Haltepunkte anbelangt: "Wir ziehen absolut an einem Strang." Und er hatte ein kleines Trostpflaster für den Ortsbürgermeister und seine Mitstreiter. Seine Fraktionskollegin Dorothea Frederking habe ihm kurz vor dem Treffen berichtet, dass die Strecke zwischen Salzwedel und Stendal im kommenden Jahr von den Sparplänen wohl noch unberührt bleibe. Einschränkungen soll es zunächst nur im Süden des Landes geben, habe Landes-Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) gestern im Verkehrsausschuss des Landtages angekündigt.

Eine Entwarnung sei das indes nicht, betonte Weihrich. Denn die Nahverkehrsgesellschaft Sachsen-Anhalt (Nasa), die für das Land den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) organisiert, habe errechnet, 2016 15 Millionen Euro mehr zu benötigen, um den SPNV im bisherigen Umfang aufrecht zu erhalten.

Die Nasa hatte auf Anfrage der Volksstimme mitgeteilt, dass die Einsparungen, falls sie umgesetzt werden müssen, erst Ende 2015 wirksam würden. Es geht um 31 Millionen Euro, die im Landeshaushalt weniger für den SPNV zur Verfügung stehen sollen. Draufhin hatte die Gesellschaft ein Konzept erarbeitet, wie mit dem Abbestellen von Bahnlinien die fehlenden Mittel kompensiert werden können. Dazu gehören auch die Regionalbahnen zwischen Salzwedel und Stendal (wir berichteten).

Noch sei das letzte Wort nicht gesprochen, versicherte Weihrich. Auch in der SPD- und der CDU-Landtagsfraktion gebe es Skepsis angesichts der Pläne, berichtete er. Seine Fraktion werden sich in den Haushaltsberatungen einsetzen, dass die Kürzungen nicht umgesetzt werden.

Die Pretzierer machten in dem Gespräch deutlich, wie wichtig die Bahnanbindung für ihren Ort sei. "Wir sind sonst regelrecht abgeschnitten", sagte Ortschaftsrat An-dreas Warnow. Es gebe, was die Verkehrsanbindung anbe- lange, ohnehin schon einen "weißen Fleck" rund um Salzwedel". Unterstützung gab es vom Kreisvorsitzenden der Grünen Martin Schulz und dem grünen Kreissprecher Christian Franke. Beide hatten das Treffen organisiert und sind auch Mitglieder des Salzwedeler Stadtrates.