Was nach dem zweigleisigen Ausbau der Amerikalinie auf sie zukommt, machten die Pretzierer Ortschaftsräte und Bürger in einem Gespräch mit Grünen-Politikern am Freitag deutlich. Vor allem, dass keinerlei Schallschutz vorgesehen ist, wollen die Ortsräte nicht hinnehmen.

Pretzier l Es hatte etwas von einem Hilferuf, was die Pretzier um ihren Ortsbürgermeister Herbert Schulze dem verkehrspolitischen Sprecher der bündnisgrünen Landtagsfraktion, Dietmar Weihrich, am Freitagabend vortrugen. Mit dem begonnenen Bau eines zweiten Gleises für die sogenannte Amerikalinie befürchten sie erhebliche Einbußen der Lebensqualität in ihrem Ort.

Obwohl es noch keine konkreten Zahlen gibt, wird mit etwa 200 Zügen täglich auf der Strecke gerechnet. Lärmschutzmaßnahmen, wie Wände oder Wälle sind derzeit nicht geplant. Weil die Bahnlinie 1993/1994 entwidmet wurde, gelten die Ausbaumaßnahmen als Reparatur, berichtete Ortsrat Frank Pieper. Ein Schallschutz ist damit nicht gesetzlich vorgeschrieben. "Ein mieser Trick", wie Pieper findet. Denn die Bahnstrecke grenzt an ein Eigenheimgebiet. Was die Bewohner nach der von der Deutschen Bahn angekündigten Ausweitung des Güterverkehrs ohne Schutzwände erwartet, könne sich jeder vorstellen. Von 70 deutschlandweiten Schallschutzprojekten, die die Bahn plant, stehe Pretzier auf Platz 48.

Auch die sogenannten Flüsterbremsen an Waggons, die Vertreter der Bahn dem Mitgliedern der Bürgerinitiative Amerikalinie als "Allheilmittel", gegen die Lärmbelastung vorgestellt hatten, bewerten die Pretzierer als Farce. Denn nur deutsche Züge würden damit ausgestattet. Schon jetzt sei klar, dass rund 70 Prozent der Züge aus osteuropäischen Ländern über die Strecke rollen. "Und die müssen nicht mit dieser modernen Technik ausgerüstet sein", konstatierte Frank Pieper.

Der Pretzierer Andreas Warnow befürchtet zudem eine Staufalle. Die Frequenz der Schrankenschließzeiten werde sich nach Fertigstellung der Strecke extrem erhöhen. Bei 6000 Fahrzeugen, die täglich auf der Bundesstraße 190 im Ort unterwegs sind, sei klar was passiert. Schon jetzt sei es manchmal schwierig aus dem Königstedter Weg auf die Bundesstraße aufzufahren, wenn die Schranken zu sind, erklärte er.

Er rechne mit anderthalb zusätzlichen Arbeitsstellen, die er "wegen der Stehzeiten" zusätzlich brauche, berichtete Frank Pieper, der Chef des ortsansässigen Landwirtschaftsbetriebes ist. "Wir haben nur Nachteile von der Bahn und nun soll uns mit dem Wegfall des Haltepunktes auch noch der letzte Vorteil genommen werden", sagt er enttäuscht. Für viele Pretzierer, die täglich mit dem Zug zur Arbeit pendeln, sei das eine Katastrophe.

Der Landespolitiker versprach, "Druck zu machen, damit sich die Bahn nicht aus der Affäre ziehen kann." Der Kreisvorsitzende der Grünen, Martin Schulz, regte an, dass im Bundestag auf das Problem aufmerksam gemacht werden müsse. Von dort sehe er noch die größte Einflussmöglichkeit auf die Bahn. Er werde eine Liste mit den Problemen für Weihrich zusammenstellen, kündigte Schulz an. Der verkehrspolitische Sprecher solle sich in Berlin bei der Bundestagsfraktion für die Belange der Altmärker einsetzen.