In einem speziellen Auszeit-Raum mit gepolsterten Wänden und Boden können sich Schüler mit einer sozial-emotionalen Störung künftig an der Pestalozzischule austoben und beruhigen.

Salzwedel l Acht Schüler lernen in der kombinierten ersten und zweiten Klasse an der Pestalozzischule. Sie sind zwischen sechs und neun Jahre alt und haben eines gemeinsam: Sie leiden unter einer sozial-emotionalen Störung. "Bisher sind Kinder mit dieser Verhaltensauffälligkeit immer in die Schule nach Uthmöden bei Halberstadt gebracht worden", erklärt Lehrerin Kathrin Lütkemüller.

Auszeit-Raum wird mit Kameras überwacht

Jetzt wurde für die Jungen und Mädchen die obere Etage des zweiten Gebäudes auf den Schulgelände ausgebaut. "Wir haben jetzt einen Werkraum, einen Aufenthaltsraum, einen Raum für Sport und Entspannungsübungen", zählt Lütkemüller auf. Außerdem wurde ein sogenannter Auszeit-Raum eingerichtet. "Vor dem haben manche Eltern fast schon Angst", sagt die Lehrerin. Dieser Raum ist an Wänden und Boden angepolstert, selbst das Fenster ist aus bruchsicherem Glas.

"Wenn sich dann ein Schüler gar nicht mehr beruhigen lässt, dann setzen wir ihn in diesen Raum. Hier kann er toben, wüten und verletzt sich trotzdem nicht", erklärt Lütkemüller diesen ungewöhnlichen Raum. Dass dieser gebraucht wird, zeigt das Beispiel eines Schülers, der in der vierten Schulwoche bereits einige Stunden dort drin verbringen musste. "Am Ende sitzt er dann ruhig am Fenster und schaut nach draußen", fasst die Lehrerin zusammen. Damit den Schülern trotz geschlossener Tür nichts passieren kann, sind in dem Raum zwei Videokameras angebracht. Jeder Klassenlehrer wird mit einem I-Pad ausgestattet und kann vom Klassenraum aus ein Auge auf den Schüler oder die Schülerin haben. Im Lehrerzimmer steht ein weiterer Laptop, mit dem die Lehrkräfte auf die Kameras zugreifen können.

Separater Schulhof für kommendes Jahr geplant

Knapp 250000 Euro hat der Schulträger in die Ausstattung der Räume investiert. Neben der Ausstattung der Räume musste auch in den Brandschutz investiert werden. "Die Auflagen beim Brandschutz waren enorm", erzählt Kathrin Lütkemüller. So musste neben einem separaten Ausgang in der oberen Etage auch ein Lift angebaut werden, um einen behindertengerechten Zugang zum Obergeschoss zu schaffen. "Außerdem musste zwischen den Klassenräumen der ersten und zweiten Klasse eine Verbindungstür einbaut werden, damit wir im Falle eines Brandes in den anderen Raum flüchten können", zählt Lütkemüller weiter auf. Für das kommende Jahr ist auch der Ausbau eines eigenen Schulhofes für die Ausgleichsklassen geplant. "Wir haben ja schon andere Pausenzeiten als die Schüler im Hauptgebäude", sagt Lütkemüller. Schüler mit sozial-emotionaler Störung würden einfach anders reagieren, wenn sie beispielsweise angerempelt werden. Außerdem gehen die Lehrer nach nahezu jeder Schulstunde mit den Schülern nach draußen, damit die Schüler "sich austoben können".

Die Arbeit mit den Schülern aus den Ausgleichsklassen sei ohnehin eine komplett andere als die in normalen Schulklassen. "Wenn wir den Raum wechseln, müssen die Kinder lernen, sich vor der Tür aufzustellen, ohne sich zu streiten".

Kathrin Lütkemüller sieht zudem wachsende Schülerzahlen in den kommenden Jahren. "Wir werden auf jeden Fall eine dritte Klasse haben, wenn nicht sogar eine kombinierte dritte und vierte Klasse."