Die Hansestadt hat eine kleine, aber doch sehr feine Kulturszene, die sich mit Ausstellungen befasst. Eine ganz besondere - sie trägt den Namen "Ferner Osten" von Fotograf Harald Hauswald - ist in der Mönchskirche eröffnet worden. Die Fotografien sind noch bis 16. November zu sehen.

Salzwedel l "Radfahrer". So lautete der Deckname, unter dem die Staatssicherheit das "Subjekt Hauswald" bespitzelte, kontrollierte, versuchte, ihn im Griff zu behalten. Doch letztlich war das ein hoffnungsloses Unterfangen, denn der systemkritische Harald Hauswald führte seine Arbeit fort. Die bestand darin, das ungeschönte Leben des Alltags in der DDR auf Fotos zu bannen und das wahre Gesicht des Staates und der Lebensumstände zu zeigen. Authentisch, realistisch, schonungslos und doch einfühlsam. Sein erstes Ost-Berlin-Buch, das er gemeinsam mit Autor Lutz Rathenow verfasste, publizierte Hauswald folgerichtig im Westen.

Bilder taugen nicht zur Nostalgie

Nun sind 57 Bilder des Berliners in der Salzwedeler Mönchskirche ausgestellt. Mittwochabend fand die Vernissage statt, bei der Joachim Mikolajczyk, Leiter des KulTour-Betriebs Salzwedel, betonte, die "Bilder taugen nicht zur Nostalgie". Sie sind vielmehr Teil der Chronik eines verschwundenen Landes.

Die Menschen wirken auf den Fotos manchmal müde, fast schon apathisch und zerknirscht. Letztlich aber dann auch humorvoll, freundlich und hin und wieder mit einem gewissen Schuss von Ironie. Bestandteile also, mit denen die Stasi nicht umgehen konnte. Sie ließ von rund 30 Spitzeln die Arbeit und das Treiben des heute 60-Jährigen beobachten. "Nein, das stimmt nicht", sagt Hauswald im Gespräch mit der Volksstimme. Und schiebt, süffisant grinsend, hinzu: "Es waren an die 40."

Heute kann Hauswald, der in Radebeul bei Dresden geboren wurde, über die Geschichten schmunzeln. Damals war das anders. Zwar schützte ihn sein Bekanntheitsgrad im Westen vor dem kompletten Wegsperren. Repressalien musste er trotzdem ausreichend hinnehmen. "Das war alles nicht einfach, aber ich hatte großen Rückhalt bei meinen Freunden, die mir viel Kraft gegeben haben", erzählt Hauswald. Wenngleich manches doch auch recht skurril war. So feierte Hauswald mit West-Berliner Freunden seinen Geburtstag. Da wurden Geschichten erzählt, wurde gelacht und auch getrunken. Aus lauter Spaß malte sich die Truppe zu fortgeschrittener Stunde eine Flucht aus der DDR aus. "Wir schüttelten uns vor lachen, weil ja klar war, dass das Vorhaben nicht umgesetzt werden würde", erzählt Hauswand. Am Mittwoch der kommenden Woche sollte die "Flucht" umgesetzt werden. Jahre später, als Hauswald in seinen Akten las, entdeckte er den Hinweis auf die Geburtstagsparty und den Vermerk, dass die Grenzsoldaten an besagtem Mittwoch Doppelstreife liefen...

Motive in Kneipen und auf Volksfesten gesammelt

Jugendclubs und Preise und Auszeichnungen (1997 erhält Hauswald das Bundesverdienstkreuz) begleiten die Arbeit des Gründungsmitglieds von Ostkreuz, einer Agentur für Fotografen. "Ich habe immer versucht, mich in die Bereiche hineinzudrücken, wo ich hinkam." Das waren meist Kneipen, Volksfeste, Jugendclubs oder kirchliche Einrichtungen. "Betriebe waren für mich tabu", sagt Hauswald, der viel Wert auf die Authentizität seiner Bilder legt. "Ich habe nie eines gestellt."

Bislang hat er seine Fotos in mehr als 250 Ausstellungen in zahlreichen europäischen Ländern gezeigt. Bei der Vernissage in Salzwedel, die unter dem Titel "Ferner Osten - Die letzten Jahre der DDR" steht, nimmt er die Besucher auf eine kleine Reise durch die Exponate mit. Er berichtet über die Entstehungsgeschichte, erzählt kleine, humorvolle Anekdoten. Den Besuchern gefällt`s.

Die Bilder sind täglich außer montags von 13.30 bis 16.30 Uhr in der Mönchskirche zu sehen. Mit Lutz Rathenow wird Harald Hauswald am 5. November ab 20 Uhr im Hanseat Filme zeigen und Gespräche anbieten.

 

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