Das Ende der innerdeutschen Grenze vor 25 Jahren war der Anfang des Grünen Bandes als länderübergreifender Biotopverbund. Eine Schwerpunktregion ist dabei der Altmarkkreis Salzwedel.

Salzwedel l Es war im Jahr 2000, als Dieter Leupold und Liana Geidezis ein Gespräch über Fischotter führten. Geidezis, die damals über diese Tiere promovierte, war skeptisch. In und um Salzwedel sollte es Fischotter geben? Tags darauf machte sie sich umgehend auf den Weg und fand tatsächlich die typischen Reviermarkierungen. Die Begeisterung von Liana Geidezis für die Region im Norden Sachsen-Anhalts sei ein Grund dafür gewesen, dass der Bund für Umwelt und Naturschutz im Herbst desselben Jahres am Harper Mühlenbach die erste Fläche für das Grüne Band kaufte. In den folgenden Jahren kamen bislang im Altmarkkreis 450 Hektar zusammen, mehr als die Hälfte von insgesamt 700 Hektar, die dem BUND bundesweit gehören.

Das Grüne Band, die ehemalige innerdeutsche Grenze, ist heute der bisher einzige länderübergreifende Biotopverbund. Dieter Leupold, Projektleiter des Grünen Bandes für den BUND in Sachsen-Anhalt, verweist auf die Bedeutung intakter Ökosysteme für den Menschen: saubere Luft, Bindung von Kohlenstoff, etwa in Mooren. Nicht zuletzt sind sie die Produktionsgrundlage für Land- und Forstwirtschaft und bieten Erholung pur. Und wo sonst bekommt man noch seltene Tiere und Pflanzen zu sehen? Etwa den Torfwiesenscheckenfalter, farbenprächtige Libellen oder mit Orchideen übersäte Wiesen? "Vor einigen Jahren habe ich an den Brietzer Teichen einen Fischotter am hellichten Tag beobachten können, das war wohl mein persönliches Highlight bislang", sagt Dieter Leupold lächelnd.

"Eine Kombination ist sicher sinnvoll."

Immer mehr Menschen registrieren, dass spannende Naturerlebnisse nicht nur auf der anderen Seite des Globus, sondern auch nahe vor der Haustür möglich sind. "An den 66 Führungen und Wanderungen, die wir im vergangenen Jahr anboten, haben insgesamt etwa 1500 Menschen teilgenommen, für die Region eine stolze Zahl", berichtet Dieter Leupold. Dazu kommen zahlreiche Individualreisende, die das Grüne Band vorzugsweise mit dem Fahrrad entdecken.

Die Akteure des Grünen Bandes wollen künftig den einmaligen Lebensraum mit seiner Kombination aus biologischer Vielfalt und Geschichte in Ballungsräumen wie Berlin, Hamburg oder Halle/Leipzig noch bekannter machen. Großstädter sollen sich nicht nur an einer Orchideenwiese erfreuen, ein gesundes Picknick an der frischen Luft genießen und Reste der ehemaligen Grenze besichtigen, sondern auch Geld in der Region ausgeben, erläutert Dieter Leupold. Des Weiteren sollen auch Synergien mit der Marketing-Kampagne Grüne Wiese genutzt werden. Das Problem seien allerdings die personellen und finanziellen Ressourcen.

Hoffnungen setzen Dieter Leupold und seine Mitstreiter auch auf die Pläne, den Naturpark Drömling als Biosphärenreservat auszuweisen. "Eine Kombination des Grünen Bandes mit dem Drömling ist sicher sinnvoll." Denn letztlich verdanke der Drömling seinen Wert auch der Lage im ehemaligen Sperrgebiet. Und um das Grüne Band noch weiter bekannt zu machen, wolle man sich auch um prominente Schirmherren bemühen.

Die Entwicklung des Grünen Bandes in den zurückliegenden Jahren ist durchaus positiv, auch wenn es noch Steigerungsmöglichkeiten gebe, so das Fazit von Dieter Leupold. Derzeit betreue man Lückenschlussprojekte, da sich zum einen auf Flächen Kiefern breit machen und zum anderen zwischen den Biotopen Acker- oder intensiv genutzte Grünlandstandorte befinden. Doch die Zeiten, in denen Flächenkäufe relativ einfach vonstatten gingen, seien vorbei. Heute funktioniere der Lückenschluss vor allem über Flächentausch.

"Vision wird noch Jahrzehnte benötigen."

Erfreulich sei, dass der Bereich von Arendsee bis Salzwedel sowie die Allerniederung bei Oebisfelde als Pilotprojekte in das Bundesprogramm "Biologische Vielfalt" aufgenommen wurden. Das Land Sachsen-Anhalt haben ein Programm für Agrarumweltmaßnahmen aufgelegt und mit attraktiver Förderung unterlegt. "Da hoffen wir natürlich auf rege Resonanz", so Dieter Leupold, der auch eine entsprechende Beratung der landwirtschaftlichen Betriebe einschließt. Durch den Altmarkkreis sowie die Städte Salzwedel und Arendsee erfahre das Projekt Grünes Band große Unterstützung.

Trotz zahlreicher positiver Ansätze und vielversprechender Entwicklungen bleibt Dieter Leupold Realist: "Auch nach 25 Jahren - die Vision eines durchgehenden Biotopver-bundes wird wohl noch Jahrzehnte benötigen." Wichtig sei vor allem eine an Naturschutzziele angepasste Nutzung.

   

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