Weit über 100 Jahre alt ist das Klavier des Singekreises der Volkssolidarität. Es ist verstimmt. Reparieren lässt es sich nur für viel Geld. Darum heißt es wohl demnächst, Abschied zu nehmen.

Salzwedel l Trotz seines hohen Alters von mehr als 100 Jahren ist das braune Klavier des Singekreises der Volkssolidarität immer ein treues Mitglied des Chores gewesen. "Am 17. Februar 1996 habe ich mir groß das Wort Klavier in meinen Taschenkalender geschrieben", berichtet Chorleiterin Käthe Oehrling. An dem Tag kam das Instrument in die Gruppe. "Damals haben wir 300 Mark dafür bezahlt", erinnert sich die 76-Jährige. Mehr als 1000 Stunden lang hat sie seitdem allein während der einmal wöchentlich stattfindenden Proben ihre Sänger auf dem Instrument begleitet. Weitere Stunden, etwa während der Auftritte, lassen sich gar nicht zählen.

Doch jetzt heißt es wohl, Abschied zu nehmen. "Das Klavier lässt sich nicht mehr stimmen, erklärte uns der Klavierstimmer bei seinem Besuch im September", berichtet Jutta Jaeger. Sie ist seit 2008 festes Mitglied im Chor. Das Instrument ist verbraucht. Eine Generalüberholung würde mindestens 800 Euro kosten. "Das lohnt einfach nicht mehr", sagt Jutta Jaeger.

Dabei sieht das Klavier auf den ersten Blick gepflegt aus: Das dunkle Holz glänzt, größere Schrammen fallen nicht ins Auge. Doch wenn Chorleiterin Käthe Oehrling daran spielt, klingen die Töne oft nicht so, wie sie sollen. "In meinem Fall ist das Spielen schon Reflexsache", sagt die studierte Schulmusiklehrerin, die das Instrument nach nunmehr 18 Jahren sehr gut kennt. So kann sie Fehler beim Spielen noch ausgleichen. Doch ewig ist das auch nicht möglich. Etwa ein halbes Jahr geben Käthe Oehrling und Jutta Jaeger dem Instrument noch, dann ist es wohl ganz verstimmt.

Nun beginnt die Suche nach einem Nachfolger. Schließlich sollen die 25 Chormitglieder auch weiterhin einmal in der Woche bei ihren Proben musikalisch begleitet werden. "Unsere Mitglieder freuen sich jedes Mal auf die eine Stunde", sagt Jutta Jaeger. Für viele sei die Probe eine Gelegenheit, andere Menschen zu treffen. "Der Altersdurchschnitt liegt bei uns bei ungefähr 76 Jahren. Das Singen macht unsere Mitglieder froh", so Jaeger. Das Klavier spielt dabei eine wichtige Rolle: Zunächst spielt Käthe Oehrling neue Melodien vor. Anschließend können fast alle mitsingen. Ersatz für das alte Instrument ist allerdings noch nicht in Aussicht. Käthe Oehrling und Jutta Jaeger hoffen, ein gebrauchtes Klavier zu finden, das nicht mehr genutzt wird. Das Alter spiele keine Rolle. Einzig der Zustand und der Klang müssen stimmen. Was hingegen mit ihrem treuen alten Klavier passieren soll, darüber wollten sie sich noch keine Gedanken machen. Leicht werde der Abschied aber sicherlich nicht fallen.

 

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