Anfang 2015 sollen die Antragsunterlagen für die Seesanierung vorliegen und das Genehmigungsverfahren starten. Im Landeshaushalt stehen dafür zwei Millionen Euro zur Verfügung. Das ist das Fazit der Herbsttagung der Arbeitsgemeinschaft Der Arendsee. Ziel der Phosphorfällung ist die Verhinderung der Blaulagenmassenblüte und eine bessere Wasserqualität.

Arendsee l "Eine Kombination von internen und externen Sanierungsmaßnahmen zur Eliminierung des Phosphors aus dem Wasser ist die effektivste Handlungsoption", erklärte Wissenschaftler Michael Hupfer vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie Berlin am Sonnabend während der Herbsttagung der Arbeitsgemeinschaft Der Arendsee. "Das heißt konkret: die Restaurierung des Gewässers durch eine Phosphorfällung mit Polyaluminiumchlorid bei parallel laufenden Maßnahmen zur Sanierung des belasteten Grundwassers als Eintragsquelle in den See von außen." Darin sehe er die nachhaltigste Methode für eine ebenso schnelle wie langfristige Seesanierung.

Darin stimmte er mit Friedemann Gohr vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft überein. "Alle bisherigen Sanierungsmethoden wie zum Beispiel die Seekreideaufspülung waren nicht erfolgreich", erinnerte er.

Unbefriedigende Note für ökologischen Zustand

Der chemische Zustand des Sees sei gut, aber der ökologische Zustand unbefriedigend. Der Sauerstoffgehalt im Tiefenwasser nehme immer mehr ab, der Phosphorgehalt zu. "Derzeit befinden sich 25 Tonnen Phosphor im See, zwei Tonnen kommen jährlich hinzu", stellte er dar. In den vergangenen drei Jahren seien es zwar weniger gewesen, aber einen Trend zur Umkehr gebe es nicht, ergänzte Hupfer. Zeichen der Belastung sei die vor allem im Sommer und Frühjahr geringe Sichttiefe von einem Meter, was an der Blaualgenentwicklung liege. Deren Nahrungsgrundlage sei Phosphor.

Hupfer gab einen Einblick in die noch laufenden Untersuchungen zum Grundwasser aus dem Stadtgebiet als Haupteintragsquelle, zum Testfeld innerhalb von Tauchwänden in Ufernähe und zur Enclosure-Anlage für Experimente im Tiefenwasser, um die Auswirkungen verschiedenster Verfahrensanwendungen auf Nährstoffhaushalt und Sauerstoffgehalt herauszufinden.

"Außerdem läuft die Kamerabefahrung der Abwasserkanalisation zur Ermittlung von Schwachstellen, die zur Phosphorbelastung im See führen", fügte Gohr hinzu. Das gehe einher mit Untersuchungen der Dichtigkeit der Hauskläranlagen.

Er rechne damit, dass alle Tests bis Anfang 2015 so weit abgeschlossen seien, dass die Unterlagen zur Beantragung der Sanierung im ersten Quartal fertiggestellt seien. Dazu gehöre auch die Umweltverträglichkeitsstudie. Dem könne das Genehmigungsverfahren beim Altmarkkreis folgen.

Wann das beginne und abgeschlossen sei, konnte Kreisumweltamtsleiter Herbert Halbe am Sonnabend nicht wie auf der Tagesordnung vermerkt sagen. "Noch liegt uns kein Antrag vor", sagte er. "Dass die konkreten Quellen des Phosphoreintrags noch immer nicht endgültig ermittelt sind, ist ein Manko", kritisierte er.

2015 sollen zur weiteren Eingrenzung der Eintragsquellen die Ergebnisse des Landesamtes für Altlasten vorgelegt werden, die 2013 in Auftrag gegeben worden waren.

Zum Thema Güllebelastung durch die Landwirtschaft merkte Halbe an, dass geltende Gesetze zu beachten seien. Solange es keine Änderungen gebe, bleibe es bei der jetzigen Handhabung. Vorausgegangen war die Forderung von Stadtrat Uwe Walter, in einer Schutzzone von fünf bis zehn Kilometern um den Arendsee das Ausbringen von Gülle zu untersagen.

Den dringenden Sanierungsbedarf bestätigte auch Referatsleiterin Brigitte Schwabe-Hagedorn vom Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt. Der Arendsee sei der größte See Sachsen-Anhalts und beliebtes Badegewässer. "Der Glanz der Perle der Altmark ist jedoch seit Jahren getrübt", schätzte sie ein. Im April habe sich die Regierung über den Zustand und die notwendige Sanierung informiert und entschieden, zwei Millionen Euro im Landeshaushalt dafür einzustellen. "Denn der See schafft eine Sanierung, sprich Eliminierung von Phosphor nicht aus eigener Kraft."

Mitglieder bestätigen Vorstand für ein Jahr

Sie habe Verständnis für kontroverse Meinungen zur Methode und Sorge vor der sogenannten chemischen Keule. Aber nichts zu unternehmen sei keine Lösung.

Das bekräftigten sowohl Gohr als auch Hupfer und Gert Reckling, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft. Die hatte vor der Tagung in der Mitgliederversammlung den Vorstand im Amt bestätigt. Allerdings nur für ein Jahr. Dann ist eine Neuwahl fällig. Reckling steht dann nicht mehr für den Vorsitz zur Verfügung. Zum Auftakt war des verstorbenen Begründers der AG, Olaf Meußling, gedacht worden.

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