Friesack l "Der Busfahrer hatte praktisch keine Chance" - Havellands Kreisbrandmeister Lothar Schneider erläutert am Sonntagnachmittag dem Landrat und dem Geschäftsführer der Personenverkehrsgesellschaft Salzwedel (PVGS) direkt an der Unfallstelle das Drama auf der Bundesstraße 5.

Hier war am Sonnabend um 7.20 Uhr ein 25-Jähriger mit einem Clio auf die Gegenfahrbahn geraten und ungebremst frontal auf den PVGS-Bus mit einer 46-köpfigen Reisegruppe und zwei Fahrern geprallt (siehe Bericht auf der Titelseite).

"Überhöhte Geschwindigkeit schließen wir nach derzeitigen Erkenntnissen aus. Aber wenn zwei Fahrzeuge mit 80 Stundenkilometern aufeinanderprallen, ist das eine ungeheure Wucht", weiß Schneider.

Der Bus schert nach links aus und kommt erst an einem Baum zum Stehen. "Ob durch den Aufprall oder einen Lenkungsausfall, lässt sich noch nicht sagen", informiert Havellands Vize-Landrat Henning Kellner Ziche und Lehnecke.

Beide Fahrzeuge wurden von der Polizei beschlagnahmt. Sie sollen in den nächsten Tagen genau untersucht werden, um den Unfall zu analysieren.

"Er war ein sehr erfahrener Fahrer und seit fünf Jahren bei uns", sagt Lehnecke mit belegter Stimme. Der 38-Jährige hinterlasse seine Lebensgefährtin und seine Eltern.

Mehrmals im Jahr fährt die PVGS die Tour ins polnische Grenzgebiet. Viele der 46 Teilnehmer aus Gardelegen, Klötze, Solpke und Mieste seien am Sonnabend nicht das erste Mal dabei gewesen. Lehnecke: "Das war schon eine eingeschworene Truppe."

Ziche und er entscheiden noch am Sonnabend, gleich Sonntag früh aufzubrechen, um neben einem Eindruck an der Unfallstelle auch einige der in die umliegenden Krankenhäuser eingelieferten Frauen zwischen 53 und 83 Jahren zu besuchen.

Als sie am Nachmittag an der B 5 auf Kellner und Schneider treffen, haben sie in drei Krankenhäusern bereits mit einigen Frauen sprechen können. "Alle haben auch meinen Eindruck bestätigt, dass hier sehr schnell gehandelt und bestens geholfen wurde", bedankt sich Ziche. Dies hatte er wenige Minuten zuvor auch Ministerpräsident Reiner Haseloff berichtet, als dieser sich telefonisch nach dem aktuellen Stand erkundigte.

Den Frauen gehe es "den Umständen entsprechend", sagt der sichtlich betroffene Landrat. "Es ist der schwerste Unfall in unserer Geschichte", betont Lehnecke. Das 60-jährige Bestehen sollte eigentlich heute gefeiert werden. Noch am Sonnabend sagten beide die Festveranstaltung ab.

Für die mehr als 100 Mitarbeiter wird dies heute stattdessen ein Tag der Trauer, weiß Lehnecke: "Wir müssen das erst verarbeiten und werden viel miteinander reden."

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