Püggen l "Da steht wirklich das drauf, was in den Kirchenunterlagen überliefert ist", staunte die Kirchenälteste Inge Meyer. Auf der Bronzeglocke ist nachzulesen, dass sie im Jahr 1648 von Heinrich Borstelmann in Braunschweig gegossen wurde, Johann Lembke zu jener Zeit Pastor und Hans Kufahl sogenannter Kirchvater war.

Bevor diese auf der Wiese am Gotteshaus bestaunt werden konnte, leisteten Uwe Siefke und Tino Lindemann aus der Werkstatt für Glockenanlagen und Turmuhren Schwerstarbeit. Denn die Schrauben, mit denen das Joch befestigt war, hatten sich über die Jahre regelrecht "festgefressen". "Ich staune, dass sie sich überhaupt noch drehen lassen", merkte Gustav Tiedge an, der gut 30 Jahre die Glocke, die sich an der Nordseite der Kirche befindet, per Hand geläutet hat. Im Jahr 2008 übernahm Dieter Meyer die Aufgabe. Doch in jüngster Zeit rief die Glocke nicht mehr zu den Gottesdiensten: Der Strick war über die Jahre morsch geworden und durfte nicht mehr benutzt werden.

Ursprünglich habe die Glocke an der Westseite gehangen, hat Inge Meyer in der Chronik nachlesen können. Der spezielle Aufbau für die Bronzene sei im Jahr 1844 errichtet worden. Der Lehrer habe gleich nebenan gewohnt und die Schüler durchs Läuten zum Unterricht gerufen, sei überliefert. Mit der Zeit habe sich der Giebel geneigt, so dass die Glocke umziehen musste.

"Und jetzt gibt es keinen mehr im Ort, der per Hand läuten möchte", merkte Inge Meyer an. Deshalb habe sie Spenden gesammelt, damit eine Elektrifizierung möglich werde. "Im Ort sind 510 Euro zusammengekommen. Die Agrargenossenschaft Siedenlangenbeck hat zudem 1000 Euro spendiert", bedankte sie sich. Dazu kämen Eigenmittel, um die Arbeiten bezahlen zu können.

Die beiden Fachleute ließen die Glocke, die geschätzte 70 Kilogramm auf die Waage bringt, vorsichtig an einem Seil hinab. Nicht nur die Kirchenälteste begutachtete das gute Stück, sondern auch Rainer Wellkisch, im Kirchenkreisamt für Baufragen zuständig.

Uwe Siefke macht Hoffnung, dass der Bronzeguss bis Weihnachten an seinen angestammten Platz zurückkehren wird. "Weihnachten ohne Glockengeläut, da fehlt irgendwas", merkte Inge Meyer an.

Doch auch im Inneren des Gotteshauses gebe es noch einige "Baustellen". "Es regnet ein klein bisschen rein. Das sollte jetzt gestoppt werden, bevor noch mehr passiert", stellte Fachmann Nils Gnoth fest. Auch ein Deckenbalken sei marode. "Es ist halt ein altes Gebäude", so die Kirchenälteste.

Wer bei der Glockensanierung helfen möchte, kann einen Obolus auf folgendes Konto überweisen: IBAN: DE 78810555553000004512, Stichwort: Evangelische Kirchengemeinde Püggen, Glockenspende.