An den Bahnhöfen in Pretzier und Brunau-Packebusch gibt es keine Wartehäuschen mehr. Die Bahn will sie bis Ende November ersetzen. Kritiker befürchten, dass dies bereits das Ende der Haltepunkte bedeutet.

Pretzier/Brunau l Bei schlechtem Wetter stehen Reisende, die mit der Regionalbahn von Brunau oder Pretzier in Richtung Salzwedel oder Stendal fahren wollen, buchstäblich im Regen. Denn die Wartehäuschen, die auf den Bahnsteigen vor Wind und Wetter schützen sollen, wurden abgebaut.

In Pretzier rückten die Bauarbeiter bereits Anfang September an. Nun drängt sich der Verdacht auf, dass die Demontage in Zusammenhang mit der Stilllegung der Regionalbahnlinie zwischen Salzwedel und Stendal stehen könnten. Denn das Land Sachsen-Anhalt will 31 Millionen Euro im Schienenpersonenverkehr einsparen. Die Haltepunkte in Brunau und Pretzier würden den Sparplänen zum Opfer fallen.

Wartungsarbeiten als Grund angegeben

Als Grund für den Abbau der Wetterschutzhäuschen teilte die Bahn auf Volksstimme-Nachfrage mit, dass derzeit ein Erneuerungsprogramm läuft. Demnach werden im Raum Halle und Magdeburg die alten Wartehäuser abgebaut. Bis Ende November sollen sie durch neue ersetzt sein.

Auf die Frage, warum die Erneuerung ausgerechnet kurz vor dem Winter erfolgt, antwortete die Bahn nicht. Auch auf die Frage, ob der Abbau etwas mit der möglichen Stilllegung zu tun haben könnte, gab das Unternehmen keine Antwort.

Dafür kämpfen, dass die Bahn auch in Zukunft weiter in Pretzier Halt macht, will der Ortschaftsrat. Dieser verfasste im September eine Resolution, in der unter anderem der Erhalt der Regionalbahn und des Pretzierer Haltepunktes gefordert wird. Viele Menschen seien auf die Bahn angewiesen, um zur Arbeit oder Schule zu kommen, heißt es weiter in dem Schreiben. Durch den Wegfall der Bahnanbindung würde die Attraktivität von Pretzier als Wohnort sinken.

Um auch überregional Gehör zu finden, reiste Pretziers Ortsbürgermeister Herbert Schulze am Mittwoch nach Berlin. Dort überreichte er dem Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, Christian Schmidt, während einer Vortragsveranstaltung zum Thema "Leben und arbeiten in ländlichen Regionen" die Pretzierer Resolution. "Ich konnte sie der Referentin des Ministers übergeben und habe auch einen kurzen Kommentar dazu abgegeben", berichtete Schulze am Donnerstag. Nun könnten die Pretzierer nur abwarten, ob der Minister reagiere. "Einen Versuch war es auf jeden Fall wert, denn wer sich nicht wehrt, hat schon verloren", sagte der Ortsbürgermeister.

Ursprünglich sollte es in dieser Woche in Pretzier mit offiziellen Teilnehmern aus der Politik und von der Bahn den ersten Spatenstich für das zweite Gleis der Amerikalinie geben. Doch der Termin wurde abgesagt.

Auch Brunauer machen sich Gedanken über Resolution

Eine Resolution aufzusetzen, um den Haltepunkt im Ort zu erhalten, darüber haben sich die Räte in Brunau auch schon beraten, wie Bürgermeister Ulrich Melzian sagte. "Das Wichtigste ist doch, das der Haltepunkt bleibt. Wenn nicht, wäre die Enttäuschung groß", fasste Melzian die Stimmung zusammen.