Alkohol und Gewalt sind für Manuel B. Alltag. Seit April sitzt er im Gefängnis und musste sich gestern für weitere neun Straftaten vor dem Schöffengericht verantworten.

Salzwedel l Mit Handschellen gefesselt betrat Manuel B. (Namen geändert) den Sitzungssaal im Salzwedeler Amtsgericht. Der 29-Jährige aus einem Dorf bei Dähre sitzt bereits seit dem 1. April dieses Jahres in der Justizvollzugsanstalt Dessau-Roßlau ein. Zu seiner aktuellen Haftstrafe werden noch einige Monate hinzukommen. Denn seit dem gestrigen Dienstag läuft ein weiteres Verfahren vor dem Salzwedeler Amtsgericht gegen den Mann.

Insgesamt neun Taten soll Manuel B. zwischen dem 19. April und 30. November 2013 begangen haben. Die Vorwürfe erstrecken sich von Einbruchdiebstahl über Beamtenbeleidung bis hin zu gefährlicher Körperverletzung. Größtenteils gab der Altmärker gestern die Taten zu, versuchte aber, die Schuld mit Ausreden von sich zu weisen. Einen Fernseher habe er lediglich aus einer Wohnung gestohlen und für 50 Euro vertickt, weil die Eigentümerin angeblich bei ihm Schulden hatte.

Weiterhin mussten vier Polizisten bei einem Einsatz in Dähre übelste Beschimpfungen über sich ergehen lassen. Der Angeklagte erklärte, dass die Beamten ihn zu Boden gerissen hätten, bevor er so reagierte. Auch das ließ sich nicht belegen.

Vor seiner Inhaftierung war der Angeklagte im Salzwedeler Trinkermilieu zu Hause. Und der Alkohol habe laut Aussage seiner Freundin und einer weiteren Zeugin, mit der B. eine Liaison hatte, den Effekt, dass er aggressiv und laut werde. Da der 29-Jährige, der weder eine Ausbildung, noch einen Schulabschluss besitzt, nach eigenen Angaben täglich zehn bis zwölf Bier und einen halben Liter Schnaps trinke, verliert der Altmärker regelmäßig die Kontrolle.

Ein Beispiel: Als Manuel B. mit zwei Bekannten in einer Wohnung im Wohngebiet an der Arendseer Straße einen becherte, bat er einen der beiden darum, mit dessen Handy telefonieren zu dürfen. Dieser gewährte ihm den Wunsch. Als er dann aber B. zum dritten Mal fragte, ob der Angeklagte ihm das Mobiltelefon zurückgeben könne, rastete der 29-Jährige aus und schlug seinem Bekannten mit dem Handy ins Gesicht und seitlich gegen den Kopf und verursachte damit blutende Wunden.

Prügel für einen hilfsbereiten Fahrgast

Ähnlich blutige Verletzungen erlitt ein 49-Jähriger, den Manuel B. am Trinker-Tempel neben dem NP-Markt in Salzwedel mit Krücken malträtierte. Auch der Insasse eines Busses musste kräftig einstecken, als der Angeklagte ihn verprügelte. Dabei wollte der Geschädigte lediglich dem Busfahrer helfen, den der 29-Jährige angegriffen hatte. Auch bei diesem Gewaltausbruch war B. betrunken und gerade auf dem Rückweg nach Dähre von einem Gelage in Salzwedel.

Wie stark der Altmärker dem Alkohol verfallen ist, macht auch die Aussage des Bekannten deutlich, der dem Angeklagten sein Handy geliehen hatte. Als der Zeuge auf Nachfrage des Sachverständigen Dr. Reiner Friedrich das Verhalten des Angeklagten in nüchternem und betrunkem Zustand beschreiben sollte, gab er zu Protokoll, dass er Manuel B. nicht nüchtern kenne. Auf die Frage von Amtsgerichtdirektor Dr. Klaus Hütterman, ob der Zeuge Angst vor dem Angeklagten hätte, antwortete dieser: "Ja natürlich. Man kennt Manuel B. in Salzwedel." Auch die Zeugin, mit der B. eine Liaison hatte, sagte, dass er sie geschlagen habe.

Ein Urteil fällte das Schöffengericht gestern noch nicht. Nach der Vernehmung des Angeklagten und 14 weiterer Zeugen vertagte Hüttermann die Verhandlung auf den kommenden Dienstag.