Salzwedel l Erhebliche Zweifel bestehen seit gestern an der von der Stadt veröffentlichten Nachricht, die Telekom plane bis 2016, in 36 von 48 Ortsteilen schnelles Internet anzubieten. Nach gesicherten Informationen der Volksstimme und entgegen den Angaben der Stadt hat sich das Unternehmen offenbar keineswegs darauf festgelegt, die genannten Ortsteile mit schnellem Netz mit Geschwindigkeiten bis zu 100 Mbit pro Sekunde zu versorgen. Im Gespräch mit der Volksstimme erklärte ein Kenner der Telekom, der nicht genannt werden möchte: Die von der Stadt vorgelegten Informationen seien "schlicht falsch".

Mit der Information über die Ausbaupläne der Telekom hatten Oberbürgermeisterin Sabine Danicke und Marketing-Amtsleiter Olaf Meining am vergangenen Mittwoch während einer Informationsrunde im Rathaus noch für Erstaunen unter den eingeladenen Ortsbürgermeistern und Fraktionsmitgliedern gesorgt.

"Wir sagen nur, was wir auch sagen können."

Oberbürgermeisterin Sabine Danicke

Nun entsteht der Eindruck: Entweder hat die Stadt andere Informationen von der Telekom erhalten als die Volksstimme oder aber die Auskunft beschönigt. Sabine Danicke sagte gestern auf Nachfrage: "Wir sagen nur, was wir auch sagen können. Darauf kann man sich zu 100 Prozent verlassen."

Die Telekom hält sich mit offiziellen Auskünften über ihre Ausbaupläne bedeckt. Auf eine Nachfrage der Volksstimme vom vergangenen Donnerstag, ob die von der Stadt herausgegebenen Informationen zutreffen, reagierte das Unternehmen zunächst tagelang überhaupt nicht. Erst nach mehrmaligem Nachhaken, äußerte sich Sprecher Georg von Wagner gestern schriftlich.

In dem Schreiben heißt es vage: "Die Deutsche Telekom hat Anfang 2013 ein umfassendes Investitionsprogramm beschlossen. Bis Ende 2016 werden bundesweit 24 Millionen Haushalte mit Vectoringtechnologie mit Bandbreiten bis zu 100 Mbit pro Sekunde Download sowie das LTE-Netz weiter ausgebaut. Von diesem Ausbauprogramm profitiert auch der Landkreis Salzwedel."

Von Wagner ergänzte, die Telekom habe im Rahmen eines nicht näher genannten Ausschreibungsverfahrens ihre Ausbauplanung und Angebote zur flächendeckenden Versorgung des Landkreises unterbreitet. Er bitte aber um Verständnis, "dass wir aufgrund des noch laufenden Verfahrens hierzu keine weitere Stellungnahme abgeben werden". Auch auf telefonische Nachfrage wollte von Wagner diese Informationen nicht näher erläutern.

Die neue Situation dürfte Auswirkungen auf die Debatte über den Beitritt der Stadt zum Zweckverband Breitband Altmark (ZBA) haben. Der Stadtrat stimmt am 10. Dezember über einen Antrag der SPD ab, dem kommunalen Zusammenschluss für die Erschließung der Altmark mit Glasfaserkabeln ohne weitere Bedingungen beizutreten. Nachdem sich zunächst eine Mehrheit für den Antrag abgezeichnet hatte, kündigten einzelne Fraktionen in der vergangenen Woche eine Neubewertung ihrer Position an. Grund waren die Nachrichten von den Ausbauplänen der Telekom sowie vom Anschluss von mehr als 7000 Haushalten an das Netz von Kabel Deutschland. Die Fraktionen haben nun Anlass für eine weitere Neubewertung.