Franziska Apel aus Salzwedel verbringt ein ganzes Schuljahr in Russland. Ein Besuch in Moskau, eine zweitägige Fahrt mit dem Nachtzug nach Sotschi und die kleinen Hindernisse in der Schule - darüber berichtet die 16-Jährige in der Volksstimme.

Danilov l Anfang Oktober wurde es bei uns bereits zunehmend kälter. Und plötzlich, von einen auf den anderen Tag, begann es heftig zu schneien. Wir hatten eine Woche lang die Tiefsttemperatur von minus 18 Grad Celsius in Danilov. Mittlerweile habe ich auch verstanden, dass meine aus Deutschland mitgebrachten Winterschuhe nicht für den russischen Winter geeignet sind, da die Temperaturen in den nächsten Monaten noch weiter sinken sollen.

Doch ich habe auch schon ein anderes Russland kennengelernt. Mit unserer Austauschorganisation haben wir Anfang November eine Woche in Sotschi, dem Austragungsort der letzten olympischen Winterspiele, verbracht. Besonders die Fahrt dorthin war sehr erlebnisreich und interessant. Von Jaroslavl aus ging es für uns Austauschschüler aus dem Oblast Jaroslavl mit dem Zug erst einmal dreieinhalb Stunden nach Moskau. Leider hatten wir nur eine recht kurze Sightseeingtour durch die Hauptstadt Russlands, in der wir unter anderem den Roten Platz besuchten und Metro fuhren. Moskau ist eine schöne, aber im Verhältnis zu Sankt Petersburg sehr hektische, laute Stadt. Besonders gefallen haben mir die architektonisch kunstvoll gestalteten Metrostationen.

Auf Tuchfühlung gehen im Schlafwaggon

Mit dem Nachtzug fuhren wir anschließend weiter bis nach Krasnodar. Unsere Fahrt dorthin dauerte fast zwei Tage, und wir hatten somit die Gelegenheit, gleich zwei Nächte in so einem Zug zu verbringen.

Ein Schlafwaggon ist in verschiedene Abteile unterteilt, in denen sich jeweils vier Etagenbetten befinden. Da es für uns preislich günstiger war, haben wir alle in der oberen Etage geschlafen. Die hatte allerdings den Nachteil, dass man dort aufgrund der niedrigen Decke nicht aufrecht sitzen konnte und so auf die untere Liege mit den anderen Fahrgästen ausweichen musste. Während der Fahrt habe ich so schnell mit den drei anderen Russen in meinem Abteil Bekanntschaft geschlossen und einige russische Kartenspiele gelernt.

Von Krasnodar ging es dann mit dem Bus in siebeneinhalb Stunden nach Sotschi. Der Ort unterscheidet sich sehr von den russischen Städten, die ich bis jetzt kennengelernt habe. Viele moderne mehrstöckige Häuser und Palmen prägen das Stadtbild. Leider war es nicht so warm, wie ich es erwartet habe. Wir hatten so um die 13 Grad Celsius. Trotzdem waren unsere Exkursionen in den olympischen Park, auf den Berg Achun oder in den Park "Dendrari" sehr interessant.

Matheunterricht ganz ohne Taschenrechner

Zurück in Danilov empfing mich wieder der Schulalltag. Ich merke deutlich meine Fortschritte im Verstehen der russischen Sprache. Dem Unterricht kann ich mittlerweile sehr gut folgen. Meine ersten kleineren Vorträge auf Russisch habe ich auch schon gehalten. Das für mich jedoch anstrengendste Fach ist Mathe. Hier in Russland dürfen die Schüler während der Stunde keinen Taschenrechner benutzen und rechnen alles im Kopf. Die Lösungswege sind für mich aber nicht immer ganz schlüssig. Meine Mathelehrerin gibt sich auf jeden Fall die größte Mühe mit mir.

Vor drei Wochen habe ich meinen ersten Brief und ein Päckchen von zu Hause bekommen. Es hat fast anderthalb Monate gedauert, bis sie mich erreichten. Neben einem Taschenrechner mit Wurzelfunktion und weiteren Winterklamotten haben mir meine Eltern auch Weihnachtsgebäck und einen Stollen geschickt.

Weihnachten wird in Russland erst am 7. Januar gefeiert, Neujahr ist hier wichtiger. Heiligabend am 24. Dezember wird daher für mich ein Schultag sein wie jeder andere auch. Aber ich bin gespannt, wie Neujahr in Russland gefeiert wird und freue mich schon auf die noch folgenden neuen Erfahrungen und Erlebnisse.