Der geplante Windpark zwischen Püggen und Siedenlangenbeck tangiert die Gemeinde Beetzendorf nicht direkt. Dennoch ist Bürgermeister Heinrich Schmauch besorgt über die Auswirkungen auf die Naturlandschaft rund um Audorf und Gischau und verweist auf die strengen Auflagen, die die Gemeinde einst für den Wegebau dort erhalten hat.

Beetzendorf l Im Streit um den geplanten Bau eines Windparks zwischen Püggen und Siedenlangenbeck bekommt die neugegründete Bürgerinitiative Pro Jeetzetal Unterstützung von Beetzendorfs Bürgermeister Heinrich Schmauch. Auch er sei erstaunt, dass in dieser einzigartigen Naturlandschaft, die bis zu den Beetzendorfer Ortsteilen Audorf und Gischau reicht, sechs Windkraftanlagen errichtet werden sollen, erklärte er im Volksstimme-Gespräch. "Und dann noch die größten, die derzeit auf dem Markt sind", so Schmauch. Er habe die Befürchtung, "dass damit ein Stück der intakten Natur der Niederung von Jeetze und Hartau zerteilt wird".

"Wenn ich heute von der Bundesstraße 248 bei Siedenlangenbeck oder vom Audorfer Berg in die Niederung blicke, kann ich mir nicht vorstellen, dort bald auf Windräder mit fast 200 Meter Höhe zu blicken", meinte der Ortschef. Man müsse sich außerdem die Frage der Nachhaltigkeit stellen, wenn so ein Aufwand bei der Erschließung des Parks betrieben werde und dabei Natur unwiederbringlich verloren gehe.

"Die Transporte dürfen weder über Audorf noch über Gischau gehen."

Heinrich Schmauch

Auch der Transport des Materials für die Windräder mit Hilfe tonnenschwerer Fahrzeuge macht dem Beetzendorfer Bürgermeister Sorgen. Dieser werde zwar nach jetzigem Stand nicht über Beetzendorfer Gemeindegebiet führen, aber man müsse trotzdem wachsam sein. "Wir würden uns als Gemeinde dagegen sehr verwahren. Die Transporte dürfen weder über Audorf noch über Gischau gehen", warnte Schmauch.

Als Gemeinde habe man rechtzeitig erhebliche Bedenken gegen die Ausweisung des Areals bei Siedenlangenbeck als Vorranggebiet für Windenergie geltend gemacht und diese am 22. September 2011 im Rahmen einer Stellungnahme zum zweiten Entwurf des Teilplans Wind des Regionalen Entwicklungsplans Altmark an die Regionale Planungsgemeinschaft eingereicht. "Allerdings ohne Erfolg", bedauerte Heinrich Schmauch, "unsere Bedenken haben keinen Eingang in die überarbeitete Planung gefunden".

Das Vorranggebiet, auf dem die sechs Anlagen errichtet werden sollen, befindet sich in zirka 300 Meter Entfernung zur Hartau und liegt damit in der gleichnamigen Niederung. Eine Landschaft, die das Umweltamt des Altmarkkreises noch am 14. März 2008 in einem Schreiben an die Gemeinde Beetzendorf als "ökologisch und landschaftlich wertvollen Raum für wildlebende Tierarten" einstufte. Damals ging es um die beantragte Eingriffsgenehmigung für den Bau des ländlichen Weges von Audorf nach Siedenlangenbeck. "Da wurde uns erklärt, was hier alles kreucht und fleucht und die Baumaßnahme nur unter umfangreichen Auflagen wie erhebliche Geschwindigkeitsreduzierung, Sperrung für den Durchgangsverkehr, Betonspurbahnen statt drei Meter breiter Asphaltbahn letztendlich bewilligt", erläuterte Schmauch.

"Es stellt sich die Frage nach der Glaubwürdigkeit des Umweltamtes."

Stellungnahme der Gemeinde

Entscheidenden Einfluss auf die erteilten Auflagen hätte damals das Vorhandensein des Brachvogels in der Hartauniederung gehabt. Damals habe man Verständnis für die Ausführungen des Umweltamtes gehabt, zumal diese auch optisch nachzuvollziehen waren, wenn man sich ein Bild vor Ort gemacht habe. Der Weg, der die Hartauniederung lediglich tangierte, wurde unter Einhaltung aller Forderungen ausgebaut. "Dass das alles jetzt für den Bau eines Windparks mitten in der Niederung nicht mehr so wichtig sein soll, ist für mich unverständlich", erklärte der Bürgermeister.

In der Stellungnahme von 2011, die der Volksstimme vorliegt, weist die Gemeinde Beetzendorf darauf hin, dass der Naturraum in der Hartauniederung nicht allein durch die Windkraftanlagen beeinträchtigt wird, sondern ebenso durch die mit deren Errichtung und Unterhaltung verbundene Erschließung.

"In einem Feuchtgebiet müssen Erschließungsstraßen gebaut werden, die für Schwerlastverkehr geeignet sind, die Ableitung des erzeugten Stroms zieht ebenfalls zumindest zeitweilige und umfangreiche Erdarbeiten nach sich. Die Wartung und anstehende Reparaturen sowie die nicht zu verhindernde Nutzung der Wege werden eine ständige Verkehrsbewegung schaffen", warnte die Kommune damals.

Es stelle sich die "Frage nach der Glaubwürdigkeit der Stellungnahme des Umweltamtes zum Bau des ländlichen Weges sowie der Sinnhaftigkeit der mit finanziellen Aufwendungen seitens der Gemeinde Beetzendorf und der damaligen Gemeinde Siedenlangenbeck verbundenen Erfüllung der Auflagen".