Der Jeggelebener Ortschaftsrat hat sich erneut gegen die Erweiterung des Windparks ausgesprochen. Er stimmte am Montag klar gegen die Freigabe der Wege, die der Betreiber für die Anfahrt der neuen Windräder nutzen will. Einwände gab es trotzdem.

Jeggeleben l Bereits zweimal hatte sich der Ortschaftsrat in der Vergangenheit gegen die Erweiterung des Jeggelebener Windparks ausgesprochen. Zuletzt hatte der Betreiber, die Unternehmensgruppe Windstrom, den Ratsmitgliedern im Februar eröffnet, dass vier weitere Windkraftanlagen auf der ausgewiesenen Fläche errichtet werden sollen. Diese Information hatte beim damaligen Ortsbürgermeister Bernhard Grothe für Verwunderung gesorgt. Schließlich sehe der Bebauungsplan lediglich Platz für neun Anlagen vor, die schon ans Netz gegangen sind.

Die neuen Windräder, die fast 40 Meter höher sein und weniger als 1000 Meter an den nächsten Grundstücken stehen sollen, sorgten auch während der Ortschaftsratssitzung am Montagabend für Diskussionsstoff. Ursprünglich sollten die Ratsmitglieder darüber beraten, ob sie die kommunalen Wege, die der Betreiber für die Anlieferung der Bauteile nutzen will, freigeben wollen. Der Kalbenser Stadtrat hatte sich bereits dagegen ausgesprochen, die Entscheidung allerdings dem Jeggelebener Ortschaftsrat überlassen.

"Wollen wir unseren Bürgern das zumuten?"

Ortsbürgermeister Ulf-Henrik Lühmann

Doch bevor die Abstimmung erfolgte, wurde die Notwendigkeit von Windrädern rege diskutiert. Er habe nichts gegen Windkraft und sei auch nicht direkt betroffen, sagte Ortsbürgermeister Ulf-Henrik Lühmann. Ihn störe aber, dass die geplanten Anlagen zu dicht an den Grundstücken stehen und viel höher sind, damit auch viel mehr Lärm verursachen könnten. "Wollen wir unseren Bürgern das zumuten?", war die zentrale Frage, die er mehrmals in den Raum stellte. Auch von den Anfahrtswegen, die der Betreiber ausbauen und verbreitern würde, hätten die Anwohner nichts. Dabei geht es in erster Linie um den Feldweg an der B 71 zwischen den Abzweigen Büssen und Sallenthin. Niemand würde einen aufgeschotterten Feldweg nutzen. Vor allem nicht, da es wegen der fehlenden Beschilderung gefährlich sei, von dort auf die vielbefahrene B 71 abzubiegen.

"Wir haben nicht genug Informationen, um eine Zustimmung zu geben."

Ratsmitglied Wilko Bühmann

Ratsmitglied Dirk Szodrak erinnerte daran, dass der Betreiber geplant hatte, eine Bürgerversammlung organisieren zu wollen, um die Anwohner aufzuklären, was sie mit den neuen Anlagen erwartet. Das sei bislang nicht geschehen. Auch von Wilko Bühmann kam Kritik: "Ich bin erneuerbaren Energien gegenüber positiv gestimmt. Wir haben aber nicht genug Informationen oder Gutachten vorliegen, um eine Zustimmung zu geben." Zwar waren zwei Mitarbeiter der Windstrom-Gruppe während der Sitzung anwesend, durften sich aber als Nicht-Ratsmitglieder nicht an der Diskussion beteiligen. Da müsse er sich an die geltende Geschäftsordnung halten, verwies Ulf-Henrik Lühmann. Auch eine Vertagung des Themas, um zwischendurch eine Bürgerversammlung zum Windpark zu ermöglichen, lehnte er ab. Bislang habe es keinerlei Stimmen aus den Ortsteilen gegeben, die die Erweiterung des Windparks begrüßten. Selbst zur Sitzung seien keine Bürger erschienen, um ihre Meinung zu äußern.

Schließlich stimmte der Ortschaftsrat mehrheitlich (mit drei Stimmen) gegen die Umwidmung der kommunalen Wege. Einzig Dirk Szodrak enthielt sich. Ohne Bürgerversammlung wolle er keine Entscheidung treffen, sagte er. Wie Lühmann erläuterte, wäre es unglaubwürdig gewesen, wenn der Rat seiner früheren Meinung nicht gefolgt wäre. Letztendlich, so der Tenor, könne er jedoch nichts gegen die Erweiterung tun. Die sei schließlich bereits vom Landkreis genehmigt.

Der Betreiber kündigte an, sich nun andere Wege suchen zu wollen, um den Windpark zu erreichen. Wenn nicht über kommunale Straßen, dann über private Grundstücke, die der Zustimmung der Eigentümer bedürfen.