Salzwedel l "Wir haben sofort die Musik abgestellt, als wir sahen, dass die Rettungskräfte um das Leben der Frau kämpften", sagte der Mitarbeiter eines Standes auf dem Salzwedeler Weihnachtsmarkt. Noch Stunden nach dem traurigen Ereignis ist ihm am Mittwochabend der Schock anzumerken, den das Geschehen am späten Nachmittag bei ihm hervorgerufen hatte.

Doch in dem Mitgefühl gegenüber der Verstorbenen schwingt auch Wut und Fassungslosigkeit mit. Wut über Menschen, denen, während die 28-jährige Frau aus Beetzendorf mit dem Tod rang, nichts Besseres einfiel, als ihre Mobiltelefone zu zücken, um Fotos von dem tragischen Vorfall zu machen. Das konnten die engagierten Frauen und Männer, die auf dem Weihnachtsmarkt zum Unglückszeitpunkt arbeiteten, allerdings verhindern. Fassungslosigkeit angesichts der Ungerührtheit gegenüber einem Menschen, der hilflos am Boden liegt.

Rettungssanitäter lassen nichts unversucht

Die verständigten Rettungssanitäter, so berichteten mehrere Augenzeugen am Mittwochabend übereinstimmend, ließen nichts unversucht, die Frau wieder ins Leben zurückzuholen. "Die beiden Männer haben furchtbar geschwitzt, haben fast eine Stunde lang alles gegeben". Der Erfolg ihrer Bemühungen blieb aber aus.

Das Unglück wirft jedoch einige Fragen auf. Warum kam der Notarzt erst 41 Minuten nach der Alarmierung der Rettungsleitstelle beider Altmarkkreise, die um 17.10 Uhr erfolgte? Denn nach dem Rettungsdienstgesetz des Landes Sachsen-Anhalt beträgt die Hilfsfrist für Notärzte 20 Minuten in 95 von 100 der Notfälle.

Das Noteinsatzfahrzeug Salzwedel (NEF) "war bereits im Einsatz bei einem Verkehrsunfall mit Personenschaden", berichtet Angela Vogel aus dem Büro des Stendaler Landrats Carsten Wulfänger auf Nachfrage der Volksstimme. Um 17.20 Uhr sei deshalb das NEF der Rettungswache Klötze als nächstgelegenes Fahrzeug alarmiert worden. Der Einsatz eines Hubschraubers sei nicht möglich gewesen, weil dieser in der Regel nur bis rund 30 Minuten nach Sonnenuntergang (das war am Mittwoch um 15.58 Uhr) fliegt. Das nachtflugtaugliche Gegenstück aus Berlin hätte für die Strecke nach Salzwedel einschließlich Vorbereitung mehr als 40 Minuten benötigt.

Verlegung war nicht möglich

Auch das Altmark-Klinikum schied als Rettungsinstanz aus, weil es "kein Fahrzeug für den Rettungsdienst und keinen Notarzt hat". Eine Verlegung dorthin sei aus medizinischen Gründen nicht mehr möglich gewesen, weil bereits die Reanimation begonnen hatte.