Die Wohnungsbaugesellschaft Kalbe (Wobau) ist Hausherrin in der "Elb-residenz" im Stadtpark Magdeburg, einst "Haus der Athleten" genannt. Sie will abreißen und neu bauen. Eine Mehrheit im Magdeburger Stadtrat sagt Ja zum Projekt. Einzelne runzeln die Stirn.

Magdeburg/Kalbe l "Am besten wäre Abriss und grüne Wiese", meinte kürzlich der Bündnisgrüne Timo Gedlich, als sich der Magdeburger Stadtrat mit der Frage befasste, ob ein Hotelneubau, wie ihn die Wobau Kalbe plant, überhaupt im Flutgebiet zulässig ist. Ist er, sagt Oberbürgermeister Lutz Trümper: "Der Stadtpark wird laut Landesliste nicht offiziell als Überschwemmungsgebiet geführt. Anderenfalls wäre dort auch alles andere zu beseitigen, auch die Stadthalle."

Ausschuss lädt Investor ein

Am Ende stimmten drei Räte gegen die Aufstellung des Bebauungsplanes, der dem Hotelneubau den Weg ebnet, drei enthielten sich. Der große Ratsrest stimmte fürs Projekt, wenn auch nicht ganz bedenkenfrei. Denn das Ganze "hat für einige Diskussionen im Bauausschuss gesorgt", bestätigte dessen Vorsitzender Falko Grube (SPD). "Wir wollen den Investor zur nächsten Ausschusssitzung einladen und mit ihm über die Gestaltung des Neubaus reden", sagte er. Manchem Rat erscheint der Entwurf zu klotzig für den idyllisch gelegenen Standort. Andere fürchten eine zusätzliche Belastung des Stadtparks durch wachsenden Verkehr hin zur neuen Residenz mit Elbblick.

Dereinst war das vom Elbhochwasser geschädigte Haus nur zur Unterbringung von Sportlern genehmigt worden. Das neue Hotel indes soll jedem offen stehen und flutsicher sein: Die untere Etage kann von Wasser durchströmt werden.

Nach dem Ratsbeschluss, der vor wenigen Tagen gefallen ist, ist das Projekt so gut wie in trockenen Tüchern. Das neue Hotel soll wie das alte über 60 Zimmer und Gaststätte samt Elbblick-Terrasse verfügen, zudem über Sauna, Wellness- und Fitnessbereiche. Das Land hat eine Förderung zugesagt.

2004 war die Firma Energiekontor Magdeburg bei der Wobau Kalbe eingestiegen. Zuvor war diese das erste kommunale Wohnungsunternehmen in Ostdeutschland gewesen, das Insolvenz angemeldet hatte. Im Zuge des Insolvenzplans war dann festgelegt worden, dass der Investor die Altschulden zu bedienen hat. Anderenfalls würden 67 Wohnungen auf dem Petersberg an die Stadt Kalbe zurückfallen, die einst in Größenordnungen für ihr Tochterunternehmen, die Wobau, gebürgt hatte. Letztlich musste die Stadt dann auch von diesem Faustpfand Gebrauch machen - und zugleich die Altschulden übernehmen. Von einst 1,1 Millionen habe sie noch immer 420000 Euro abzutragen, teilte Kämmerin Ingrid Bösener mit. Rechtlich sei die Sache jedoch abgeschlossen.

In jüngerer Vergangenheit ist die Wobau Kalbe vor allem dadurch in Erscheinung getreten, dass sie leer stehende Wohnungen und Häuser kostenfrei für das Künstlerstadt-Projekt zur Verfügung stellt.

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