Der große Weihnachtsbaum auf dem Rathausturmplatz ist krank. Schon seit Tagen klagt die Fichte über Müdigkeit und Niedergeschlagenheit. "Ich bin hier mit sehr großen Erwartungen angereist. Wollte die Menschen auf dem Weihnachtsmarkt erfreuen. Und jetzt stehe ich hier allein auf einem Platz, wo es noch nicht einmal Musik gibt", erklärt der Baum.

Zeit seines Lebens habe er sich auf seinen Einsatz als Weihnachtsbaum vorbereitet, darauf geachtet, möglichst gerade und dicht zu wachsen. "Ich habe sogar geübt, meine Krone zum Takt der Musik zu bewegen", erzählt der Christbaum.

Doch das alles sei seiner Meinung nach völlig umsonst gewesen. Zwar ist er mit Lichterkette, Baumschmuck und dem großen Stern recht hübsch anzusehen, doch ihm fehlt der weihnachtliche Markttrubel. Und dabei war die Fichte, die während ihrer Schulzeit in der Baumschule eines gewissen Jürgen Weihnachtsmann am Nordpol von allen nur "Baumi" genannt wurde, ein wahrer Musterschüler. "`Baumi` war immer der erste, wenn es ums Nadelabwerfen ging. Und auch auf seinen Einsatz in der Hansestadt Salzwedel hat er sich sehr gut vorbereitet", berichtet der ehrenamtliche Baumschulleiter, der hauptberuflich Pakete ausliefert.

So habe sich `Baumi` sogar seiner Angst vor Clowns gestellt, um nicht die Kinder-Zirkusvorstellungen auf dem Salzwedeler Weihnachtsmarkt zu gefährden. "Ich habe mich besonders auf die Zirkuspferde gefreut. Doch die einzigen Tiere, die ich zu sehen kriege, sind Hunde, wenn sie sich an mir erleichtern", beklagt sich der Weihnachtsbaum. Mehrfach habe er versucht, einen Hilfeschrei von sich zu geben, habe mit den Ästen gewackelt oder Nadeln fallen lassen.

"Doch die Leute behandeln mich, als ob ich Luft wäre. Ich möchte gern einfach umfallen, aber ich bin ja hier angekettet wie ein Gefangener", sagt die Fichte.

Baumexperte und Psychologe Prof. Dr. Johannes Beer hat dieses Phänomen schon des Öfteren beobachtet. "Baumi hat eine klinische Depression. Es wird schon zahlreiche Therapiesitzungen dauern, bis wir ihn wieder hinkriegen", befürchtet er.

Doch die einstmals stolze Fichte hat ganz andere Pläne. "Wenn meine Arbeit hier erledigt ist, werde ich es mir in einem Kamin gemütlich machen. Da ist es schön warm und Leute sitzen auch noch davor."

Als Zeitungsente wird eine Falschmeldung bezeichnet. Die Redaktion nimmt sich in der Rubrik "Altmark-Geschnatter", deren Inhalt erfunden ist, dieser journalistischen Darstellungsform auf humorvolle Art an.