Im Salzwedeler Kulturhaus ging es am Freitagabend märchenhaft zu. Die Zuschauer erlebten eine etwas andere Aufführung von "Dornröschen" - und zwar in Form einer Oper.

Salzwedel l Weihnachtszeit ist Märchenzeit. Und auch in Salzwedel kann man sich dieser Tage vor märchenhaften Veranstaltungen kaum retten. So verwunderte es auch nicht, dass die Resonanz auf die Märchenoper "Dornröschen", die am Freitag im Kulturhaus aufgeführt wurde, eher verhalten war. Etwa 200 Zuschauer wollten das Stück sehen - gerade einmal halb so viel, wie in den Saal passen.

Dabei hatte sich das Ensemble des Nordharzer Städtebundtheaters viel Mühe gegeben, diese selten gespielte Oper auf die Bühne zu bringen. Nicht zuletzt, weil es vorher einen Rückschlag erleiden musste. Denn Annabelle Pichler, die Darstellerin der Fee Rosa, war kurzfristig erkrankt, wie Theaterintendant Johannes Rieger dem Publikum erklärte. Auf die Rolle verzichten können, habe man aber auch nicht, da gerade Rosa jene Fee ist, die den Fluch der bösen Fee Dämonia abmildert. Also sprang Friederike Meinke ein, die innerhalb von zwei Tagen eine Rolle einstudieren musste, für die Darsteller sonst mehrere Wochen Zeit haben. Doch von diesen Schwierigkeiten war während der Aufführung kaum etwas zu merken. Friederike Meinke meisterte ihre Aufgabe mit Bravour, auch wenn sie an mancher Stelle vom Notenblatt ablesen musste.

Das Grimmsche Märchen "Dornröschen" ist weltbekannt. Das Nordharzer Städtebundtheater hat sich die Version von Engelbert Humperdinck zur Vorlage genommen. In dieser spielt Dornröschen eher eine Nebenrolle. Vielmehr dreht sie sich um Prinz Reinhold, der sich in ein Bild von Prinzessin Röschen verliebt. Auf dem Weg zu ihrem Schloss muss er zahlreiche Prüfungen meistern und den Verführungen der bösen Fee Dämonia widerstehen. Dank seines Freundes Quecksilber findet er die originalen Verlobungsringe von Röschens Vater, um den Fluch zu brechen. Mit einer List bringt er Dämonia dazu, den Fluch auf sich selbst zu übertragen, indem sie sich an der verwunschenen Spindel sticht.

Das Stück beeindruckte durch die große Anzahl an Darstellern, darunter Kinderstatisten, die gesanglich von zwei Chören unterstützt wurden. Und auch eine üppige Requisite war nicht nötig. Durch Videoprojektionen wurden kurzerhand Dornenhecke und Sternenhimmel auf die Bühne gezaubert. Stellenweise litten allerdings Akustik und Lautstärke, sodass die Texte schwierig zu verstehen waren.

Nichtsdestotrotz sprang der Zauber des Märchens auf das Publikum über. Auch dank der modernen Überarbeitung. Denn statt altmodischer Sprache gab es flotte Floskeln, welche der Oper eine humoristische Note verliehen.

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