Mit der Anzahl der Krisenherde steigt die Zahl der Flüchtlingskinder an Salzwedeler Schulen. Bei der Deutschförderung sind die Einrichtungen allerdings häufig allein gelassen. Das hat Folgen für die Kinder.

Salzwedel l "Ein riesiges Problem" sieht Holger Lahne, Schulleiter der Salzwedeler Lessing-Ganztagsschule, beim Deutschunterricht für Kinder von Zuwanderern in den Schulen der Region. Zwölf Schüler mit Migrationshintergrund besuchen derzeit allein seine Einrichtung. Für sie stehen theoretisch zehn Stunden zusätzliche Deutschförderung pro Woche zur Verfügung.

Was so schlecht nicht klingt, ist für die jungen Migranten - darunter viele ohne jegliche Deutschkenntnisse - eine Katastrophe. Praktisch sieht die Situation so aus, dass die Schüler außerhalb der wenigen Förderstunden zwar an Mathe, Englisch oder Chemie teilnehmen, erzählt Lahne. Weil sie aber kein Wort verstehen, profitieren sie nicht vom Unterricht. Stattdessen malen sie oder langweilen sich. Ein Abschluss und eine berufliche Zukunft in Deutschland würden so schwierig, wenn nicht gar unmöglich.

Grundlage für die Beschulung von Kindern aus dem Ausland ist ein Erlass des Kultusministeriums. Er regelt, dass Schulen zur Förderung von Migranten Deutschgruppen und ab 15 Schülern eigene Deutschklassen einrichten können. Über einen Zeitraum von ein bis zwei Jahren sollen die Kinder dort die deutsche Sprache erlernen, um anschließend regulär am Unterricht teilnehmen zu können.

"Den Schulen wird größtmögliche Flexibilität beim Umgang mit der immer größer werdenden Anzahl von Migranten eingeräumt", sagt Silke Stadör, Sprecherin des Landesschulamtes. Doch was sich gut liest, bedeutet in der Praxis meist: Die Schulen müssen bei der Förderung aus dem vorhandenen Personal-Pool schöpfen.

So kann etwa die Lessingschule die veranschlagte Förderung oft gar nicht anbieten, weil schlicht die Lehrer fehlen, erzählt Schulleiter Lahne. Die Unterrichtsversorgung liege derzeit bei 99,8 Prozent. Da zusätzlich eine Kollegin längere Zeit erkrankt ist, stoße die Schule an Grenzen. "Hier beißt sich die Katze in den Schwanz."

Eine Lösung wären für den Schulleiter Intensiv-Deutschkurse vor der Teilnahme am Unterricht. Ein Vierteljahr könnten die Kinder in der Volkshochschule, bei freien Trägern oder in einer zentral gebildeten Klasse des Landkreises Deutsch lernen und danach erst in die Schulen gehen. "Das klappt doch bei Austauschschülern auch", sagt der Schulleiter.

Immerhin: Kooperationen mit freien Trägern wie der Arbeiterwohlfahrt gab es bereits. So erhielt die Lessingschule im vergangenen Schuljahr zusätzliche Deutsch-Förderstunden über ein Projekt der Arbeiterwohlfahrt (Awo). Doch das reicht nicht. "Wir müssen mehr Geld in die Hand nehmen", fordert Lahne.

Dass es Handlungsbedarf gibt, hat nun offenbar auch der Landkreis erkannt. Mareen Telschow, Integrationsbeauftragte der Behörde, rief Freiwillige auf, die beim Deutschunterricht für Kinder aus dem Ausland helfen wollen, sich unter 03901/84 02 11 zu melden.