Kostüme sind nicht nur etwas für den Karneval. Auch auf den altmärkischen Wiesen und in den Wäldern sollen sie künftig gute Dienste leisten - und zwar bei der Wolfsabwehr. Viehalter und Jäger befürchten seit Jahren Verluste durch Wolfsrisse. Damit sich Isegrim aber nicht an Kühen, Schafen und Rehen vergreift, sollen sie künftig Wolfskostüme tragen.

Im Rahmen eines Pilotprojektes sollen zunächst 500 Schafe von Salzwedels Tierparkleiter Jens-Olaf Schawe, der privat die Herde unterhält, mit den Kostümen ausgestattet werden. "Bisher hat sich noch kein Wolf an meine Herde herangetraut. Damit das so bleibt, vertraue ich auf die Kostüme", erklärt Schawe der Volksstimme.

Die Kostüm sind übrigens ein Naturprodukt, denn sie bestehen zu 100 Prozent aus Echtfell. "Pro Kostüm benötigen wir mindestens das Fell eines Wolfes - eher etwas mehr. Schafe sind schließlich nicht so schlank wie die Raubtiere und benötigen deshalb mehr Stoff", erläutert Michael Kaufmann, Geschäftsführer und Inhaber der Firma Animal Protect, die das Kostüm auf den Markt bringt. Da in Deutschland die Jagd auf Wölfe strengstens verboten ist, kommen die Felle größtenteils aus Russland. "Durch unsere Geschäftsidee können wir die dortigen Wolfsbestände dezimieren und schützen nicht nur die Nutz- und Wildtiere in Deutschland, sondern auch die Tiere in Russland", zeigt Michael Kaufmann einen weiteren Vorteil des Kostüms auf. "Und vielleicht zieht Isegrim wieder ganz aus Deutschland ab, wenn im Osten die Zahl seiner Artgenossen reduziert wird und wieder mehr Platz ist. Aber das wird Jahre dauern und bis dahin habe ich mich an den Pelzen für die Schafe dumm und dusselig verdient", freut sich der Geschäftsmann.

Wenn die Testphase mit Jens-Olaf Schawes Schafherde erfolgreich verläuft, sollen ab der zweiten Jahreshälfte 2015 Wildtiere mit den Kostümen ausgestattet werden, wobei das Damwild sich als Bären verkleiden soll. "Hirsche sind einfach zu groß. An den Tieren würde ein Wolfskostüm ziemlich blöd aussehen", weiß Kaufmann.

Kritik zu diesem Schutzprojekt kommt ausgerechnet von der Kreisjägerschaft. "Woher sollen wir künftig wissen, ob wir auf einen Wolf, der bekanntlich geschützt ist, schießen oder ein Reh im Wolfspelz im Visier haben?", fragt Bernd Blattschuss. "Mir wäre es lieber, den Wolf auszuweisen. Schließlich handelt es sich bei ihm um einen illegalen Einwanderer aus Osteuropa, der mir den Wald leer frisst", gibt der Weidmann zu bedenken.

"Undank ist der Welten Lohn", sagt sich Isegrim wahrscheinlich, wenn er solche Sätze hört. Denn er nimmt den Jägern reichlich Arbeit ab, wenn man mal ehrlich ist. Denn zur Aufgabe der Jägerschaft gehört es unter anderem, den Wildbestand in einem gesunden Gleichgewicht zu halten. Das heißt: Tiere, die keine natürlichen Feinde haben, zu dezimieren. Mit der Rückkehr des Wolfes haben beispielsweise Reh- und Damwild wieder einen natürlichen Feind, und die Fauna gerät wieder ein Stück zurück ins Gleichgewicht. Das muss doch auch im Interesse der Jäger sein, die sich selbst als sehr naturverbunden sehen.(mhd)

Als Zeitungsente wird eine Falschmeldung bezeichnet. Die Redaktion nimmt sich in der Rubrik "Altmark-Geschnatter", deren Inhalt erfunden ist, dieser journalistischen Darstellungsform auf humorvolle Art an.