Seit 2007 versucht die Stadt mit dem Projekt "100 für 100", die denkmalgeschützte Altbausubstanz im Zentrum Salzwedels zu sichern. Die Bilanz kann sich sehen lassen. Dennoch stehen rund 70 Gebäude leer. Mehr als 40 davon gelten als Ruinen.

Salzwedel l Ines Kahrens zieht eine insgesamt positive Bilanz. "Im Vergleich zu ähnlichen Städten ist der Erhaltungszustand der Salzwedeler Altstadt relativ gut", sagt die Stadtmitarbeiterin. Von den rund 90 leerstehenden Immobilien, die das Bauamt 2007 erfasst hat, habe man 24 an Investoren vermitteln können. Lediglich 22 seien noch zu haben.

Dennoch stehen immerhin 70 Gebäude im Zentrum leer. Und obwohl sich ihre Zahl in den vergangenen Jahren nicht erhöht hat: "Der Zustand dieser Gebäude verschlechtert sich", sagt Kahrens. 40 bis 50 Häuser führt die Verwaltung inzwischen gar als Ruinen.

Zusätzliche Maßnahmen dringend erforderlich

Um den Verfall ihrer einzigartigen Architektur zu stoppen, hat die Stadt im Jahr 2007 mit der Initiative "100 (Häuser) für 100 (Familien)" ein eigenes Rettungskonzept aufgelegt. Die Idee: Auf einer Webseite stellt die Verwaltung leerstehende Immobilien vor. Interessenten hilft sie anschließend bei der Beantragung von Fördermitteln, der Klärung von Denkmalschutzfragen oder auch bei der Planung individueller Umbaulösungen. Den Investoren steht eine ganze Reihe von Fördermöglichkeiten zur Verfügung. So können Käufer je nach Fall Mittel aus dem Programm Städtebaulicher Denkmalschutz, Stadtumbau Ost oder Soziale Stadt beantragen. Einen Pferdefuß gibt es allerdings: Etwa bei Fördermitteln aus dem Denkmalschutzprogramm muss die Stadt einen Eigenanteil von 20 Prozent beisteuern. Der städtische Haushalt wird damit zum limitierenden Faktor für Sanierungsvorhaben.

Trotz sichtbarer Erfolge etwa bei der Umnutzung des ehemaligen Kaiserhofs in der Goethestraße 79 zum Standort des Christlichen Jugenddorfes (CJD) hält Ines Kahrens das Projekt "100 für 100" dann auch nicht für ausreichend. "Zusätzliche Maßnahmen sind dringend erforderlich", sagt sie. Ohne Fördermittel seien leerstehende Gebäude im Stadtkern kaum rentabel zu modernisieren.

Nicht immer gelingt die Rettung

Dass die Sanierung nicht immer gelingt, zeigt das Beispiel Altperverstraße 17. Der Landkreis musste die einstige Gastwirtschaft in diesem Jahr per Ersatzvornahme abreißen lassen. Weil der Besitzer nicht mehr in die Pflicht genommen werden konnte, bleibt wohl der Steuerzahler auf den Kosten sitzen. Im Stadtbild ist eine hässliche Lücke entstanden.

Umso wichtiger ist es, dass die verbliebenen Gebäude verlässliche Käufer finden. Die Untere Denkmalschutzbehörde betrachtet Ines Kahrens dabei als wichtigen Partner. Denn richtig ist zwar, dass es für den Umbau alter Häuser Auflagen gibt. Doch eine moderne Nutzung sei möglich, sagt Kahrens. Im Gespräch fänden sich meist akzeptable Lösungen.

Gibt es ein besonders erhaltenswertes Haus in Salzwedel, das noch keinen Käufer gefunden hat? Natürlich, mehrere. Da ist etwa das Speichergebäude in der Neuperverstraße 57 von. Im 16. Jahrhundert erbaut, wurde das einzigartige Fachwerkhaus lange als Handelsquartier genutzt.

Wer mehr erfahren will, wird unter www.100fuer100.salzwedel.de fündig.

 

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