Salzwedel l Mit der Nachricht, dass sie ihr Telefonnetz in Salzwedel für schnelles Internet aufrüsten will, hatte die Telekom vor der Stadtratssitzung am 10. Dezember für Furore gesorgt. Doch wie steht es um die Ausbaupläne? Wird die Telekom, wie von Oberbürgermeisterin Sabine Danicke angekündigt, ihr Netz bis 2017 tatsächlich in allen 48 Ortsteilen für Geschwindigkeiten bis 50 Mbit/Sekunde ausbauen?

Das darf bezweifelt werden. Anlass dafür ist ein Passus im offiziellen Antwortschreiben der Telekom vom 4. Dezember auf eine Anfrage Danickes: Darin heißt es zwar, die Telekom werde einen FTTC-Ausbau (Glasfaserkabel bis zum Verteilerkasten) in Salzwedel und seinen Ortsteilen bis 2017 realisieren. Dass alle Ortsteile profitieren, steht dort jedoch keineswegs. Stattdessen wird auf eine Liste im Anhang mit Ortsnetzen und dazugehörigen Verteilerkästen verwiesen, für die der Ausbau geplant sei.

"Ich vermute es gibt Gebiete, die nicht ausgebaut werden." - Telekom-Sprecher Georg von Wagner

Doch nicht nur das. Gegen einen Ausbau in allen Ortsteilen spricht vor allem dieser Passus: "Für das verbleibende Gebiet würden wir uns freuen, Ihnen (der Stadt, Anm. der Redaktion) im Falle einer Ausschreibung ein attraktives Angebot für diesen Gemeindeteil zu unterbreiten."

Telekom-Sprecher Georg von Wagner zeigte sich auf Nachfrage der Volksstimme wenig informiert: "Ich vermute, dass es schon Gebiete gibt, die nicht ausgebaut werden", sagte er. Für die nicht näher genannten Gebiete müsste wohl die Stadt auf die Telekom zukommen, vermutet Wagner. Aufgabe der Stadt wäre es dann auch, die Wirtschaftlichkeitslücke für den Ausbau zu schließen, in der Regel seien das 45 Prozent der Gesamtinvestition.

Ob gewollt oder nicht: Die Auflistung von Ortsnetzen und Verteilerkästen, in denen die Telekom ihr Netz ausbauen will, wirkt trickreich. Während sich mit einigem Aufwand noch herausfinden lässt, dass wohl Ortsnetze in den Regionen Salzwedel, Henningen, Mahlsdorf, Kuhfelde und Wallstawe profitieren sollen, lassen sich für den Laien aus den Kennzahlen der ebenfalls angeführten Verteilerkästen (zum Beispiel: Ortsnetz: 03901/ Verteiler: A119) keine Informationen mehr ablesen.

Georg von Wagner teilte dazu mit: "Es tut mir leid, aber ich komme nicht an die Daten heran." Welche Ortschaften konkret profitieren werden, bleibt also - unbeabsichtigt oder nicht - unklar.

"Es tut mir leid, ich komme an die Daten nicht heran." - Telekom-Sprecher Georg von Wagner

Immerhin beantwortete die Telekom einige andere Fragen rund um den geplanten Netzausbau. So bezeichnete Georg von Wagner die von einigen Stadträten geäußerte Befürchtung als "Unfug", die Telekom wolle sich mit der Bekundung ihrer Ausbaupläne lediglich unliebsame Wettbewerber vom Hals halten und werde in absehbarer Zeit nicht ausbauen.

In den Orten, die profitieren sollen, werde das Unternehmen 2015 mit den Bauarbeiten beginnen, so der Unternehmenssprecher weiter. Auch die von der Telekom genannten Netzgeschwindigkeiten von bis zu 50 Mbit beziehungsweise stellenweise bis zu 100 Mbit pro Sekunde im Download bestätigte von Wagner. Zur Höhe der Investitionssumme wollte er sich nicht äußern.

Die Nachricht von den Ausbauplänen der Telekom war im Dezember pünktlich vor dem Beschluss des Stadtrates über den Beitritt Salzwedels zum Zweckverband Breitband Altmark (ZBA) bekannt geworden. Der ZBA als Zusammenschluss der beiden altmärkischen Landkreise sowie aller Gemeinden der Altmark mit Ausnahme von Stendal, Salwedel und Diesdorf hat sich ebenfalls den Ausbau schnellen Internets zum Ziel gesetzt. Das Vorgehen ist dabei allerdings ein anderes: Der ZBA möchte nachfrageorientiert Glasfaserkabel bis zur Haustür (FTTH-Technik) verlegen lassen. Ein Betreiber dieses Netzes ist bereits gefunden. Dabei sollen Geschwindigkeiten bis 1 Gigabit pro Sekunde möglich sein.

Der Stadtrat hatte sich im Dezember mit 18 zu 18 Stimmen knapp gegen den Beitritt zum ZBA ausgesprochen. Die Befürworter eines Internetausbaus über private Unternehmen haben sich damit vorerst durchgesetzt.

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