Obwohl er sein Amt zur Zufriedenheit vieler Salzwedeler mehr als 24 Jahre lang ausübte, musste er es 1832 zur Verfügung stellen: Bürgermeister Georg Heinrich Gerlach.

Von Arno Zähringer

Salzwedel l 24 Jahre - von 1808 bis 1832 - wirkte Georg Heinrich Gerlach als Bürgermeister in Salzwedel. Er wurde am 23. März 1767 als jüngster Sohn des Kaufmanns Arend Heinrich Gerlach und dessen Ehefrau Anna Katharina, geborene Rüdiger, in Salzwedel geboren. Um ihrem "sehr lebhaften Sohn", wie es im "Salzwedeler Wochenblatt" von 1932 heißt, die nötige Aufsicht zuteil werden zu lassen, gaben sie ihn 1776 zu seinem Schwager, dem Prediger Smigilsch, in Gardelegen in Pension. Dort besuchte er die "blühende Gelehrtenschule".

Ostern 1785 siedelte er nach Magdeburg über, zwei Jahre später bezog er die Universität in Halle. Dort machte er "vorzüglich" seinen juristischen Kursus, hörte juristische und philosophische Kollegien und Geschichte. Er verließ Halle in der angenehmen Erinnerung, seine Zeit nicht unnütz angewandt und viele frohe und heitere Tage verlebt zu haben. Gerlach ging nach Berlin und meldete sich sogleich nach seiner Ankunft zum Examen an. Seine Prüfung fand am 18. September 1789 statt.

Auf der ersten Stufe zum Juristen

Danach wurde er als "Auscultator" beim Stadtgericht vereidigt. Der Auskultator war die Bezeichnung für die unbezahlte erste gerichtliche Ausbildungsstufe für Juristen nach der Universität. Im März des folgenden Jahres absolvierte er sein Referendar-Examen und wurde 1790 aus "Auditeur" (eine frühere Dienstbezeichnung von Juristen in der Militärverwaltung) in Salzwedel "in Eidespflicht genommen".

1792 nahm Georg Heinrich Gerlach am Feldzug gegen Frankreich teil. Während der Belagerung von Mainz war er Augenzeuge des "fürchterlich schönen Anblicks, den der Brand dieser großen Stadt, die an allen Ecken in Flammen stand, darbot". Zwei Jahre später wurde Gerlach als interimistischer "Gouvernement-Auditeur" nach Mainz abkommandiert. Dort musste er täglich die Lazarette aufsuchen, um den Nachlass der gestorbenen Offiziere und Gemeinen zu regeln. Nach geschlossenem Frieden bezog er im Früheherbst 1801 sein altes Standquartier Salzwedel.

1804 schließlich wurde er Regiments-Quartiermeister und marschierte 1805 als solcher mit dem Regiment zur Observations-Armee. Bei ihr blieb das Regiment nur fünf Monate, das danach an der unglücklichen Schlacht bei Auerstedt teilnahm. Mit seinem Regiment machte Gerlach den Rückzug nach Magdeburg mit, wo das Regiment als Besatzung blieb. Nach der Übergabe der Stadt teilte Gerlach das Schicksal seiner Kameraden - ohne Aussicht auf Wiedereinstellung entlassen zu sein.

Bis März 1808 blieb er ohne Gehalt und Anstellung in Salzwedel. Doch dann wurde er Maire (Bürgermeister) der Stadt Clausthal im Harzdepartement. Obwohl es ihm dort sehr gefiel, folgte er nach kurzer Zeit dem Ruf seiner Vaterstadt, die ihn als Bürgermeister nach Salzwedel berief. Sein Entschluss wurde auch dadurch erleichtert, dass seine Frau das raue Klima des Harzes nicht vertragen konnte.

Als Deputierter nach Magdeburg

Also ging er nach Salzwedel, obwohl er dort weniger als in Clausthal verdiente. Große Freude kam bei ihm auf, als durch die "Reoccupation" die älteste Provinz Altmark wieder dem Preussischen Staate einverleibt wurde. Als Deputierter (Abgeordneter) der Stadt Salzwedel wurde er zur Huldigung nach Magdeburg geschickt. Gerlachs Tätigkeit für den Kreis erlosch, als 1817 die Kreisämter aufgehoben wurden. Man hielt es damals für zweckmäßig, statt der bestehenden zwei Landratsstellen in Stendal und Salzwedel wieder "vier derselben einzurichten".

Als Bürgermeister Salzwedels wurde Gerlach 1818 in Osterburg von allen Vorstehern der Altmärkischen Städte als Deputierter für die Verhandlungen in Berlin gewählt. Die hatten zum Ziel, in der Kriegsschuldenfrage und -Regulierung eine klare Auseinandersetzung zwischen der Altmark und der Kurmark zu schaffen.

Nachdem er 24 Jahre der hiesigen städtischen Verwaltung unter "den schwierigsten Verhältnissen mutig und rastlos, mit ausgezeichneter Milde und Rechtschaffenheit vorgestanden hatte", musste er gegen seinen Wunsch sein Amt als Bürgermeister im Juni 1832 niederlegen. Grund: Sein Nachfolger hatte sich im Stadtverordneten-Kollegium im März 1832 mit einer Stimme Mehrheit durchgesetzt. Nur ungern zog sich Gerlach ins ruhige Privatleben zurück. Gerlach, der am 5. Juni 1847 starb, hatte sieben Kinder.