Kaninchenrassen aller Farben und Größen gab es am Wochenende bei der Rammlerschau in Salzwedel zu sehen. Die Ausstellung strahlt jedes Jahr über die Region hinaus und lockte auch dieses mal mehr als 200 Besucher in die Altmark. Dabei galt: Gucken erlaubt, Anfassen nicht.

Salzwedel l Etwas schläfrig und unbeteiligt hocken die Kaninchen in ihren Boxen. Ständig werden sie von kritischen Augen begutachtet. Hin und wieder werden sie von ihrem Besitzer auf den Arm genommen, Streicheleinheiten von Besuchern gibt es aber nicht. Aus hygienischen Gründen ist Anfassen nicht erlaubt.

Seit Donnerstag stehen die Langohren im Mittelpunkt der Altmark-Rammlerschau, die nun zum zwölften Mal ausgetragen wird. 37 Aussteller präsentieren ihre Zuchterfolge - insgesamt 221 Tiere in 36 Rassen. Nicht nur aus der gesamten Altmark sind sie angereist, sondern extra aus Niedersachsen, Berlin und Brandenburg nach Salzwedel gekommen.

Sie alle wollen vor allem eines: den Preis für das beste Zuchtergebnis einheimsen. Doch den schnappt sich in diesem Jahr erneut der Wallstawer Siegfried Tanke. Der 75-Jährige erringt den Titel zum siebten Mal in Folge, bislang erhielt er ihn neunmal. Seit 1984 hat sich Siegfried Tanke der Kaninchenzucht verschrieben. Zu Hause nennt er über 70 Tiere sein Eigen. Die Rasse seiner Kaninchen wechselt stetig. So hat er schon Sachsengold gezüchtet oder Burgunder, mit dem er 2001 Deutscher Meister geworden ist. Am Sonnabend überreicht ihm Landrat Michael Ziche den Siegerpokal für die Zucht der Rasse Kleinsilber schwarz. Kasimir nennt er alle seine Rammler, erzählt Siegfried Tanke und nimmt einen seiner vier ausgestellten Tiere auf den Arm. Diesen Kasimir, der sogar schon Bundessieger war, hat er einem Spitzenzüchter abgekauft.

Erhalt seltener Rassen

Landrat Michael Ziche und Landtagsabgeordneter Jürgen Barth (SPD) loben die Arbeit der Zuchtvereine. Sie leisten eine wichtige Arbeit für den Erhalt der Kaninchenrassen. Deutsche Riesen, Helle Großsilber und Wiener Kaninchen präsentieren sich in Salzwedel. Aber es gibt auch Rassen zu sehen, die vom Aussterben bedroht sind wie Meißner Widder, Luxkaninchen oder Deutsche Großsilber.

Einer, der diese seltenen Rassen züchtet, ist Maik Zahmel. Der Diesdorfer ist im Gegensatz zu den meisten anderen Ausstellern noch nicht lange Kaninchenzüchter. Seit 2012 züchtet er Widderrassen zu Hause. Am Wochenende hat er seine Meißner Widder schwarz mitgebracht. Die Tiere mit den herabhängenden Ohren haben es ihm besonders angetan. "Es war Liebe auf den ersten Blick", erinnert er sich, als er die Rasse auf einer Ausstellung erblickte. Mit seinen Meißner Widdern ist er 2013 sogar deutscher Meister geworden.

Meißner Widder ist eine alte Haustierrasse, die noch vor 100 Jahren wegen ihres Felles gezüchtet wurde, erklärt Reiner Tietge, der mit seiner Frau Claudia die Kaninchenzucht als gemeinsames Hobby betreibt. Doch dann seien die Kürschner auf größere Kaninchenrassen umgestiegen, um an mehr Pelz zu kommen. Die Meißner Widder führten nur noch ein Schattendasein, sind dafür aber sehr robust.

Ihre erste Meißner Widder-Häsin habe sie 2011 auf der Bundesschau in Erfurt ersteigert, erzählt Claudia Tietge. Seitdem machen es sich bis zu 70 Tiere zu Hause bei den Tietges in Klötze gemütlich. Claudia Tietge wurde mit ihren Meißner Widdern havannafarbig deutsche Vize-Meisterin. Für die Zucht erhält sie am Wochenende außerdem eine Auszeichnung.

Einer der jüngsten Aussteller ist an diesen Tagen der 15-jährige Sebastian Schulz. Die Begeisterung für die Kaninchenzucht teilt er mit seinem Großvater, der ihn so oft es geht zu Ausstellungen begleitet. Der junge Kassuhner züchtet seither Helle Großsilber. Die gefallen ihm von der Farbe her gut. Mit ihnen ist er 2014 Landesmeister geworden. Und auch am Wochenende bekommt er einen Ehrenpreis für seine Erfolge. Nicht der erste, wie Sebastian Schulz stolz zugibt.

Sein Hobby, sagt er, sieht er als guten Freizeitausgleich. Einmal pro Woche kämmt er seine Tiere, von denen er 20 zu Hause hat. Ob er sich auch mal vorstellen könnte, eine andere Rasse zu züchten? Vielleicht Mecklenburger Schecken, sagt der 15-Jährige. Denn die haben ein schönes Fell.

Besondere Aufmerksamkeit gilt am Wochenende der Salzwedeler Kaninhop-Gruppe. Sie zeigt, wie es Kaninchen verschiedener Größen über Hürden schaffen, die oft doppelt so hoch sind wie sie. Trainer Ottmar Möllmann präsentiert den Züchtern zwischendurch etwas ganz Besonderes: flauschige belgische Bartkaninchen. Die sehen nicht nur lustig aus, sondern lassen geduldig die vielen Streicheleinheiten über sich ergehen. Denn hier ist Anfassen ausdrücklich erwünscht.

   

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