Zum ersten Klavierkonzert des neuen Jahres hatte Salzwedels Kirchenmusikdirektor Matthias Böhlert am Sonnabendnachmittag in die Alte Lateinschule eingeladen. Er spielte Werke von Komponisten aus Nord- und Osteuropa.

Salzwedel l Leicht und beschwingt war es, dass erste Konzert des neuen Jahres in der Alten Lateinschule an der Katharinenkirche. Unter dem Titel "Komponisten junger europäischer Nationen im 19. und 20. Jahrhundert" hatte Salzwedels Kirchenmusikdirektor Matthias Böhlert ein abwechslungsreiches Programm auf die Beine gestellt.

Mit "Die Weihnachtsglocken" und "Der Weihnachtsbaum", komponiert vom Dänen Niels Wilhelm Gade (1817-1890) wurde es zunächst noch einmal etwas besinnlich. Gade begann seine Laufbahn als Violonist in der königlichen Kapelle in Kopenhagen. 1843 bekam er ein Stipendium in Leipzig, wo er sich fünf Jahre lang unter dem Einfluss seines Mentors Felix Mendelssohn Bartholdy weiterbildete. Ab 1844 leitete er die Konzerte im Leipziger Gewandhaus.

Dass sich Matthias Böhlert am Klavier und Pfarrer Klaus Schartmann aus Dähre als Sprecher bei der Auswahl der Komponisten etwas gedacht hatten, wurde den Zuhörern schnell deutlich. Denn es folgte das "Nordische Lied" von Robert Schumann (1810-1856), welches auch als ein Gruß an Gade gesehen werden kann.

Mit Carl Nielsen (1865-1931)präsentierte Klaus Schartmann dann einen weiteren dänischen Komponisten. "Nielsen war das neunte von zwölf Kindern eines Malers. Er wurde schon früh im Spiel auf der Violine unterrichtet. Später sollte er seinen Landsmann Niels Wilhelm Gade mit seinem Erfolg in den Schatten stellen", so Schartmann. Matthias Böhlert spielte anschließend die Werke "Im Volkston" und "Der Brummkreisel".

Auf der musikalischen Reise ging es danach von Dänemark weiter nach Norwegen - zu Edvard Grieg (1843-1907). Dieser wurde laut Klaus Schartmann bereits mit neun Jahren von seiner Mutter in Komposition unterrichtet. Matthias Böhlert hatte die Stücke "Wächterlied", "Elfentanz", "Norwegisch" und "Vaterländisches Lied" ausgesucht. "Alle Komponisten, deren Werke ich heute spiele, haben Nationalmusik für ihre im 19. und 20. Jahrhundert unabhängig gewordenen Völker geschrieben", so der Kirchenmusikdirektor. Und das merkte man der Musik auch an. Sie vermittelte Freude und Zuversicht. Moll-Töne waren deutlich in der Unterzahl.

Besonders sollte am Sonnabend an Jan Sibelius (1865-1957) gedacht werden. Der Finne ist Schöpfer der sinfonischen Dichtung "Finlandia" und wäre 2015 150 Jahre alt geworden. Böhlert spielte die "Humoreske I" aus den "Bagatellen" sowie die "Sonatine Nr. 2" in E-Dur.

Aus Tschechien stammte Bedrich Smetana (1824-1884). Nach einem Konzert von Franz Liszt (1811-1886), von dem er sehr begeistert war, wollte Smetana auch Komponist werden. Mit 50 Jahren ertaubte er, so dass er keine Konzerte mehr geben konnte und sich zurückzog. Später bekam er so starke Ohrengeräusche, dass ihm auch das Komponieren nicht mehr möglich war. Die Zuhörer in der Alten Lateinschule konnten sich an "Cibulicka", einem Auszug aus der stilistisch anspruchsvollen Serie "Böhmische Tänze", erfreuen.

Antonin Dvorak (1841-1904) schlug sich elf Jahre als Kaffeehausmusiker durch. Erst später verhalf ihm Brahms zum internationalen Durchbruch unter anderem mit einem Aufenthalt in New York. Dvorak schrieb in der späten Schaffensphase fast nur noch Opern.

Über den wohl bekanntesten polnischen Komponisten Frédéric Chopin (1810-1849) ging es als letzte Station der musikalischen Reise nach Ungarn. Mehrere Werke von Franz Liszt und Béla Bartók (1881-1945) rundeten das sehr gelungene Klavierkonzert ab.

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