Salzwedel l Es klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Schon in wenigen Jahren könnte der derzeit fast leerstehende Salzwedeler Bahnhof saniert und voller Leben sein: Ein Schaufenster soll die Passanten zu Kaffee und Zeitungslektüre einladen. Im Gebäude gibt es einen Fahrradladen und gleich daneben - wie praktisch - eine Radstation, in der Reisende ihre Drahtesel tagsüber anschließen können.

Auch wenn die Umsetzung im Moment noch offen ist. Die Vision, die die beiden Berliner Architekten Ralf Fleckenstein und Olaf Gersmeier im Rahmen einer Machbarkeitsstudie für den Bahnhof entwickelt haben, ist sehr konkret: Nicht nur, dass sie genau festgelegt haben, wo welche Nutzung ins Gebäude einziehen könnte. Sie haben ihre "Vorzugsvariante" auch bis auf den Euro genau durchgerechnet und festgestellt: Kauf, Sanierung und Vermietung des Gebäudes würden sich rechnen (siehe Infokasten).

Der Kauf birgt Risiken

Allerdings hat die Sache einen entscheidenden Haken: Als Käufer tritt in der am Montag im Marketing-Ausschuss vorgestellten Variante die Stadt Salzwedel auf. Einen Eigenanteil von mindestens knapp 1 Million Euro müsste sie aufbringen, um den Bahnhof zu kaufen und zu sanieren. Danach würde sie im Fall einer Vollvermietung mit Einnahmen von 5000 Euro jährlich zwar schwarze Zahlen schreiben. Rechnen sich die Geschäfte für die künftigen Mieter aber nicht oder streicht die Bahn Zugangebote, könnte sich auch das rasch ändern.

Mit dem Kauf und Betrieb des Bahnhofs ginge die Stadt damit ein nicht unerhebliches Risiko ein. Gleich mehrere Fraktionen hatten sich in der Vergangenheit auch deshalb kategorisch gegen einen Kauf des Bahnhofs durch die Stadt ausgesprochen.

Das, was die Planer seit Mai 2014 in der von der Nasa GmbH geförderten Studie entworfen haben, überzeugte die Mehrheit der Fraktionsvertreter dennoch. Geplant ist demnach als Kernstück des neuen Bahnhofs ein Café, das von Westen her über ein großes Schaufenster einsehbar sein soll. Auf zwei Etagen sollen sich Reisende hier aufhalten und erholen. In einem Shop im Shop sollen Kunden darüber hinaus etwa auch Zeitungen kaufen können.

Interessent für Rad-Shop

Anders als in einer ersten Variante vorgeschlagen, soll daneben das Vorgebäude des Bahnhofs abgerissen und durch einen barrierefreien Haupteingang ersetzt werden. Damit behebe man die ungünstige Lösung eines Seiteneingangs in einem quer zum Besucherstrom gelegenen Gebäude, sagte Ralf Fleckenstein.

Drittes Element innerhalb des Bahnhofs soll ein Fahrradshop werden, für den es nach Angaben von Marketing-Amtsleiter Olaf Meining bereits einen Interessenten gibt. Außerhalb des Bahnhofs könnte zudem anstelle des alten Polizeigebäudes eine Radstation entstehen. Die Bahn als Inhaber von Haus und Flächen hat Bereitschaft zum Verkauf signalisiert. Die Stadt müsste für das Projekt allerdings noch einmal mindestens 100000 Euro in die Hand nehmen.

Nach aktueller Lage ist der Kauf des Bahnhofs durch die Stadt die einzig realistische Option für eine Revitalisierung des Bahnhofs. Einen potentiellen weiteren Käufer gebe es nicht, sagte Olaf Meining. Mehrere Mietinteressenten hätten im Gespräch mit der Stadt zudem gesagt, nur mit einem öffentlichen Betreiber als Besitzer einziehen zu wollen.

Nach dem Abschluss der Machbarkeitsstudie sind nun die Fraktionen aufgerufen, über die Vorlage zu beraten. Dass die Meinungen dabei auseinandergehen, zeigte bereits die Debatte im Ausschuss: "Für SPD und Für Salzwedel stand von vornherein fest, dass die Stadt nicht der Käufer ist", sagte Norbert Block (SPD). Oberbürgermeisterin Sabine Danicke entgegnete: " Da gibt es verschiedene Standpunkte." Sabine Blümel (Salzwedel Land) erklärte: Der Bahnhof sei ein stadtbildprägendes Gebäude, andere Investitionen sollten zugunsten einer Revitalisierung geschoben werden.

Am Ende wird der Stadtrat über das Schicksal des Salzwedeler Bahnhofs entscheiden.