Die Saatbau Clenze eG bilanzierte im Zeitraum 2013/14 ein Minus von 1,6 Millionen Euro beim Jahresergebnis. Der Vertrag mit Geschäftsführer Axel Schröder wurde durch nicht mehr vorhandenes Vertrauen zum 30. Oktober 2014 gelöst.

Schnega/Dähre l "Für das negative Bilanzergebnis sind die Mitarbeiter nicht verantwortlich": Das betonte Aufsichtsratsvorsitzender Christian Nieber aus Groß Bierstedt am Dienstagabend während der Generalversammlung der Saatbau Clenze eG im Dörfergemeinschaftshaus in Schnega. Er berichtete, dass die Getreidemengen nicht mit dem erforderlichen Gewinn vermarktet worden seien. Der Geschäftsführer habe versucht, über spekulative Waren-Termin-Geschäfte gegenzusteuern, was jedoch misslungen sei. Hinzu käme, dass auch die Raiffeisenmärkte sowie der neue Autohof in Salzwedel ein negatives Ergebnis erreicht hätten. "Das Vertrauensverhältnis zwischen dem Geschäftsführer und dem Vorstand wurde immer schlechter, so dass der Vertrag mit ihm zum 30. Oktober 2014 aufgelöst wurde", schilderte Christian Nieber. Ein Regressgutachten sei in Auftrag gegeben, das jedoch noch nicht vorliege.

"Im November des Vorjahres waren wir uns einig, dass wir keine Ausschreibung für einen neuen Geschäftsführer in die Wege leiten. Die Aufgabe hat Friedhelm Ott übernommen", so der Aufsichtsratsvorsitzende. Es gebe weiterhin Überlegungen über eine Fusion mit Nachbarn sowie Gespräche. "Jetzt müssen wir nach vorn schauen", fügte Christian Nieber hinzu.

Umsatz stieg um 18 Prozent

Der amtierende Geschäftsführer Friedhelm Ott verwies auf 66,1 Millionen Euro Umsatz im Geschäftsjahr 2013/14, das eine Steigerung um 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bedeute. Allerdings seien auch fast 1,7 Millionen Euro Verlust entstanden: durch eine Fehleinschätzung der Märkte, dem Nichtbeachten der Risikoanalyse am Markt sowie Anlaufprobleme des Autohofes in Salzwedel, listete er auf. So seien im Abrechnungszeitraum gut 37000 Tonnen Getreide angeliefert worden. Dies seien 25 Prozent mehr gewesen als im Jahr zuvor.

"Wir haben allerdings beim Verkauf nur 234000 Euro eingenommen statt möglicher 700000 Euro", merkte Friedhelm Ott an. Auch beim Raps seien nicht die geplanten Preise für die Roherträge erreicht worden. Der Verlust durch spekulative Geschäfte des damaligen Geschäftsführers würde sich auf insgesamt 550000 Euro belaufen.

Im laufenden Geschäftsjahr sei beim Raps die Rekorderfassungsmenge des Vorjahres fast erreicht worden. Zur Erntezeit seien die Erzeugerpreise deutlich gefallen. Deshalb hätten etwa ein Fünftel der Verkäufer die Bereitschaft erklärt, dass der Raps eingelagert und später verkauft werden solle. Die Umsatzentwicklung des Raiffeisenmarktes in Salzwedel sieht Friedhelm Ott als schwierig wegen einer Baustelle auf der Hauptzufahrt an. Durch das Schließen des Autohofes Salzwedel während der Nachtstunden würden künftig Personalkosten gespart. Erfahrungsgemäß dauere es sechs bis sieben Jahre, bis sich solch ein neuer Standort etabliert habe, beantwortete er eine Frage. "Ich rechne mit einem leicht negativen Jahresergebnis", wagte er einen Ausblick aufs laufende Geschäftsjahr. Auf die Frage eines Mitgliedes, dass im Prüfbericht die Rede von 400000 bis 600000 Euro Miese für das laufende Jahr sei, entgegnete Friedhelm Ott mit Galgenhumor: "Im Verhältnis zum vergangenen Jahr ist das doch leicht."

Eigenkapital schrumpft um 39 Prozent

Ralf Schnippengerd vom Genossenschaftsverband, der die Zahlen mit prüfte, sprach von einer "unzureichenden Geschäftslage". Problematisch sei, dass das Eigenkapital binnen Jahresfrist von 48 auf 19 Prozent geschrumpft sei. Für die Zukunft der Genossenschaft sehe er derzeit keine Beden- ken, weil "die Banken dahinter stehen und wohl auch zu- künftig dahinter sehen werden".

Die Anwesenden genehmigten mehrheitlich den Jahresabschluss zum 30. Juni 2014 sowie den Vortrag des negativen Jahresergebnisses auf neue Rechnung. Langjährige Mitglieder wurden geehrt.