Nach 25 Jahren als Schulleiter geht Holger Lahne am 30. Januar in den Ruhestand. Obwohl er sich auf die Zeit nach der Arbeit freut, hat der 63-Jährige genaue Vorstellungen über die Zukunft seiner Einrichtung.

Salzwedel l Wenn ein Besucher zu Holger Lahne kommt, steht die Tür zu seinem Büro meist schon offen. Der Schulleiter der Lessing-Ganztagsschule ruft den Gast dann meist gleich von seinem Tisch aus zu sich. Lahne ist ein offener, streitbarer Mensch. Und er hat etwas zu sagen.

So ist es auch am Dienstagvormittag, als Lahne zu seinem Abschiedsgespräch als Schulleiter bittet. Selbstverständlich spricht er auch diesmal über den Lehrermangel in der Altmark, über die Geburtsfehler der Gemeinschaftsschule oder die ungenügende Sprachförderung für Migranten. Wüsste man nicht, dass der 63-Jährige am 30. Januar in den Ruhestand wechselt - man würde es kaum glauben. Erst auf seinen Abschied angesprochen, räumt der gelernte Sportlehrer ein: "Ja, ich freue mich auf den Ruhestand."

Wenn Lahne sich aus dem Amt zurückzieht, hinterlässt er trotz aller Probleme eine Schule, die ihren Weg gefunden hat. Seit den Tagen des Umzugs im Jahr 2000 vom ersten Standort an der Thälmannstraße ist es ihm und seinen Kollegen nicht nur gelungen, die Einrichtung zu einer Ganztagsschule mit überregionalem Engagement zu machen. - 2009 erhielt die Lessingschule Bestnoten bei einer externen Evaluation.

Genauso wichtig ist dem Schulleiter das Klima zwischen Schülern, Lehrern und Eltern. "Wir haben im schulischen Leben viel erreicht", sagt er. Und die Schüler merkten genau, dass die Lehrer mehr für sie tun, als der Dienst es erfordert.

So gut wie jetzt, lief es nicht immer. Vor allem die Gründungsjahre der Schule nach der Wende waren unruhig. Neben dem Streit um einen passenden Namen erschwerte später vor allem der Zustand des neuen Standorts an der Lindenallee erhebliche Probleme. "Versprochen wurde uns ein saniertes Gebäude. Aber wir mussten zu früh einziehen", erinnert sich der Lehrer. Ein Wirtschaftsmann habe ihm damals erklärt, "eure Schule ist doch ein Abrissobjekt".

Auch die sinkende Schülerzahl stellte Lahne und sein Team zwischenzeitlich vor große Herausforderungen. Von 875 sank sie binnen 5 Jahren auf die Hälfte, erzählt er. Von den einst über 50 Kollegen der Lehrerschaft sind bis heute noch 35 geblieben. Inzwischen aber hat sich die Schülerzahl bei 375 stabilisiert. Die Lessingschule genießt heute einen guten Ruf in Salzwedel.

Daran, dass die Zeiten besser wurden, hatten auch Menschen außerhalb der Schule Anteil. "Ein befreundeter Lehrer aus Winsen an der Luhe (bei Hamburg, Anm. d. Redaktion) hat mir nach der Wende noch seine alten Stundentafel gegeben", erinnert sich Lahne. "Damit haben wir den Plan für das erste Schuljahr gebastelt." Für Lahne, der auch als Stadtrat für die SPD aktiv ist, war das ein Stück gelebter Aufbau Ost.

Sorgen um die Zukunft seiner Schule macht sich Lahne übrigens nicht. "Ich gehe gern, weil ich weiß, dass meine Kollegen hier gute Arbeit leisten", sagt er. Und es gibt auch mindestens zwei private Gründe, sich auf die Rente zu freuen: "Ich habe zwei Enkelkinder", erzählt der Schulleiter und lächelt: "Auch die sind ganz schön pflegebedürftig."