Viele Salzwedeler Innenstadthändler fühlen sich von der Werbegemeinschaft ausgeschlossen. Kritik gibt es vor allem an der Terminplanung und der fehlenden Offenheit für neue Aktionen.

Salzwedel l Mangelnde Absprachen, veraltete Strukturen und fehlende Einbindung der Geschäftstreibenden - mehrere Innenstadthändler stellen der Salzwedeler Werbegemeinschaft ein vernichtendes Zeugnis aus. "Die Stadt wird von Jahr zu Jahr unattraktiver. Junge Leute aus der Region fahren nicht nach Salzwedel zum Einkaufen", sagt Sybille Maier. Die Einzelhändlerin sieht das Problem allerdings nicht im mangelhaften Angebot der Innenstadtgeschäfte, sondern in der Vermarktung. "Die Kunden können hier eigentlich alles bekommen, was sie auch in größeren Städten finden. Nur wissen das viele nicht. Da sehe ich unter anderem die Werbegemeinschaft in der Pflicht", so Sybille Maier, die eine Parfümerie an der Neuperverstraße betreibt.

"Zum Hopfenmarkt kommen die Leute nicht, um einzukaufen."

Einzelhändlerin Adina Schulz

Die Werbegemeinschaft halte an alten Strukturen fest. Dort sei man nicht offen für Verbesserungsvorschläge. "Mir würde beispielsweise eine Art virtuelles Kaufhaus der Salzwedeler Händler vorschweben. Jeder könnte dort ausgewählte Artikel präsentieren. Die Werbegemeinschaft wäre doch da ideal, um so etwas zu organisieren", sagt Sybille Maier. Doch mit ihren Vorschlägen stoße sie stets auf taube Ohren.

Adina Schulz kritisiert hingegen die Informationspolitik der Werbegemeinschaft. Die Inhaberin eines Schmuckgeschäfts an der Breiten Straße stören vor allem die Termine der verkaufsoffenen Sonntage. "Zum Hopfenmarkt kommen die Menschen nicht, um einzukaufen. Dort lohnt es sich für mich einfach nicht, den Laden zu öffnen. Ich denke, das wird auch anderen Einzelhändlern so gehen", berichtet Adina Schulz.

Und auch der offene Sonntag im Weihnachtsgeschäft 2014 ist für die Salzwedelerin von der Werbegemeinschaft schlecht gelegt worden. "Anfang Dezember denken viele Leute noch gar nicht daran, Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Es sollte zwei verkaufsoffene Sonntage im Weihnachtsgeschäft geben", fordert sie.

"Es muss etwas passieren, sonst schläft hier alles ein."

Einzelhändlerin Wenke Ladewig

Buchhändlerin Wenke Ladewig stimmt dem zu. "Es muss etwas passieren, sonst schläft hier alles ein. Aber dafür müssen wir alle an einem Strang ziehen", so die Buchhändlerin. Sie moniert vor allem, dass es für Nichtmitglieder der Werbegemeinschaft kaum Informationen über geplante Aktionen gäbe. "In der Werbegemeinschaft sind doch nur noch wenige Einzelhändler. Deshalb verstehe ich nicht, warum wir nicht in Entscheidungen einbezogen werden. Wir sind doch die Fachleute, was den Handel betrifft", so Wenke Ladewig.

Bei aller Kritik gibt es aber auch Lob für die Werbegemeinschaft. Hervorgehoben wird vor allem die Einkaufs- und Lichternacht. "Wir können froh sein, dass es Leute gibt, die die Zeit aufbringen, um so etwas zu organisieren. Aber wir alle müssen mehr miteinander reden", sagt Ines Eggers, Inhaberin eines Modegeschäfts.